112 wählen, um Geld fürs Taxi zu sparen

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Liebe Leserinnen und Leser,

wie schwachsinnig können Leute eigentlich sein? Diese Frage drängt sich geradezu auf, wenn ich mir zum Beispiel gestern die Aussagen von Karl-Heinz Banse zu Genüte führe. Banse ist Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, und er beklagt, dass immer mehr Menschen den Notruf 112 wählen, ohne einen akzeptablen Grund dafür zu haben. Besonders in den Ballungszentren sei dies inzwischen ein stark wachsendes Problem für Feuerwehren und Rettungskräfte.

Dabei gibt es verschiedene Typüen von Anrufern

Zum Beispiel die, denen die ärztlichen Bereitschaftsnummern 116 und 117 nicht schnell genug zum Ziel führen. «Beim ärztlichen Notdienst ist die Erfahrung so: Wenn man versucht, dort anzurufen, kommt man in eine Warteschleife», erklärt der Feuerwehr-Präsident. Wer 112 wähle, wisse aber, dass er nach spätestens 30 Sekunden einen Ansprechpartner in der Leitung hat.

Beliebt bei manchen Mitbürgern ist auch, einen Rettungswagen zu rufen, um damit Taxikosten zu sparen. Ernsthaft. Ich habe mehrfach Fälle erzählt bekommen, wo zum Beispiel jemand um 9 Uhr morgens einen Termin im Krankenhaus hat. Die rufen dann um 7.30 Uhr die 112 an und klagen darüber, dass ihnen irgendwas gerade sehr wehtut, und die Rettung rückt aus. Schnell zum Ziel transportiert, nix bezahlt.

Und dann sind da noch die Experten, die 112 anrufen, wenn sie zum Beispiel Hals- oder Kopfschmerzen haben. Eine Ibu einwerfen oder Eukalyptusbonbons lutschen, das wäre ja auch zielführend. Oder hallt selbst zum Hausarzt fahren.

Das Problem ist doch einfach, dass Notärzte, Rettungssanitäter und Feuerwehr nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen, um eingesetzt werden können. Das gilt auch für die in der Telefonzentrale. Wenn einer Langeweile hat und mit irgendwem ein wenig plaudern möchte, dann blockiert er die Leitung für jemanden anderes, der vielleicht im gleichen Moment dringend Hilfe braucht und nicht durchkommt.

So schwer sollte das doch nicht sein, ein kleines bisschen Sozialverhalten an den Tag zu legen.

Ihnen allen und Ihren Lieben wünsche ich gesegnete Weihnachtstage!

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.