39 Grad Celsius…ja, und?

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Liebe Leserinnen und Leser,

wie geht’s Ihnen so mit der Hitze? Ich muss sagen, mch nervt es, wenn ich stundenlang im – nicht klimatisierten – Büro vor dem Bildschirm hocke und vor mich hinschreibe. Aber wenn ich raus muss oder Zeit habe, um – vorzugsweise in Düsseldorf – zu chillen, dann finde ich es schön, denn es fühlt sich an wie früher, wenn wir aus dem warmen Deutschland irgendwo in den Urlaub flogen und dann aus dem klimatisierten Großflughafen auf Rhodos, Antalya oder Miami raustraten und uns die Hitze mit voller Wucht traf und wir wussten: Ja, jetzt ist Urlaub!

Heute sind Rhodos, Antalya und Miami überall, vorhin Düsseldorf 39 Grad Celsius. Wahnsinn, oder?

Früher gab es auch heiße Sommer, Sie alle erinnern sich! Aber da galten 33 Grad schon als Sensation, die von der BILD auf dem Titel als „Tropenhitze“ in Castrop-Rauxel gewürdigt wurde. Heute schwitzt man dann schon gar nicht mehr, wenn man nicht gerade einen dunklen Anzug tragen muss. Unsere Autos haben alle Klimaanlage, viele Büros auch, manche lassen sich so ein Kühlgerät im Schlafzimmer einbauen, damit es da nicht auch zu heiß wird.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, heißt es ja, und das ist wohl auch so. Man fügt sich ein, man passt sich den Umständen an. Das haben wir ja auch bei Corona erlebt. Die Maske nervt, man nörgelt, man will nicht, und man trägt das Ding dann trotzdem, wenn man in Bahn, Flugzeug oder Edeka muss.

Irgendwie kommt man über die Zeit, auch die aktuelle Hitzewelle. In ein paar Wochen erinnern wir uns gern an die Klimakatastrophe im Juli zurück.

Bundes-Karl, also Herr Lauterbach, hat jetzt öffentlich dazu aufgerufen, viel zu trinken bei der Hitze. Gut, dass wir solche Spitzenpolitiker haben, oder? Da wären wir allein gar nicht drauf gekommen.

Ja, es ist dieser Nanny-Staat, der nervt. Mehr als die Hitze. Wenn es früher heiß war, dann nannte man das Sommer…und ging ins Freibad. Jetzt ist Klimakatastrophe. Oder überhaupt Katastrophe, irgendwas ist immer. Und wenn es im November schneit, dann werden Fußballspiele abgesagt, dann werden wir über Radio aufgefordert, die eigenen vier Wände möglichst nicht zu verlassen. Mal ist es glatt, und die Schule fällt aus. Dann ist Hitzefrei, und die Schule fällt auch aus.

Ich habe früher immer gedacht, man bewundert uns Deutsche, weil wir so organisisert sind und auf alle Eventualitäten vorbereitet. Seit dem Hochwasser im Ahrtal wissen wir, dass das eine Legende ist. Heute geht im Internet ein Video viral, wo ein Feuerwehrmann in einer kurzen Rede unseren verantwortlichen Politikern für ihr Versagen bei der Hochwasserkatastrophe die Leviten liest. Und jedes Wort trifft ins Mark.

Zwei Tage noch, dann sollen die üblichen Temperaturen in Deutschland um diese Jahreszeit zurückkehren. 23 Grad, wahrscheinlich klagen dann die Ersten, dass es viel zu kalt ist für Juli.

Wir kommen durch, nutzen Sie das Urlaubsgefühl!

Ihr Klaus Kelle

 

 

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.