von KLAUS KELLE
„I am glad no one was killed. I had a wonderful time.“
Mit dem verstörenden Satz „Ich bin froh, dass niemand getötet wurde. Ich hatte eine wunderbare Zeit“, bedankte sich der international hoch angesehene Wissenschaftler Marvin Minsky am 2. März 2011 per E-Mail bei Jeffrey Epstein. Minsky gilt bis heute als einer der „Väter der Künstlichen Intelligenz“ und war ein intellektuelles Schwergewicht. Als Mitbegründer des KI-Labors am weltberühmten MIT (Massachusetts Institute of Technology) in Massachusetts prägte er die Vorstellung, das menschliche Gehirn sei so etwas wie eine komplexe Maschine, deren Prozesse man auf Computer übertragen könne. Ein Visionär, brillant und exzentrisch – und wahrscheinlich ein übler Kinderschänder, der sich im engsten Kreis von Jeffrey Epstein auf seiner Privatinsel bewegte.
Sein Opfer Virginia Giuffre sagte später unter Eid aus, von Epstein zum Sex mit Minsky gezwungen worden zu sein. Während seine Familie bis heute alle Vorwürfe bestreitet und auf seinen seltsamen „Humor“ verweist, zeichnet die Mail hier das Bild eines moralisch verkommenen Mannes.
Sexueller Missbrauch von Minderjährigen ist ein schweres Verbrechen, aber ist es möglich, dass es bei den sexuellen Exzessen im Umfeld Epsteins auch Folter und vielleicht sogar Morde gab?
Vieles spricht auf jeden Fall dafür, dass die Welt erst am Anfang der Aufdeckung eines beispiellosen und monströsen Verbrechens steht. Marvin Minsky hat nie zu den schweren Vorwürfen öffentlich Stellung genommen – auch nicht zu der Mail, in der er sich erleichtert zeigt, dass „niemand getötet wurde“. Er starb am 24. Januar 2016 im Alter von 88 Jahren im Krankenhaus an einer Gehirnblutung.
Im Umfeld Epsteins tummelten sich erstaunlich viele renommierte Wissenschaftler.
Prominente Wissnschaftler in Epsteins Netzwerk
Der ehemalige Harvard-Präsident Larry Summers etwa, der im November vergangenen Jahres zurücktrat, nachdem E-Mails belegten, dass er Epstein selbst nach dessen Verurteilung 2008 als „Wingman“ und Ratgeber in privaten Beziehungsfragen schätzte. Oder das Genie Stephen Hawking (Cambridge), der auf Epsteins Insel im Jahr 2006 im Rahmen einer von Epstein finanzierten Physik-Konferenz teilnahm, wobei es keinerlei Belege für ein kriminelles Fehlverhalten von ihm gibt.
George Church (Harvard/MIT) war Gast bei Epstein; die bekannte Physikerin Lisa Randall (Harvard) flog nachweislich in Epsteins Privatjet mit, obwohl sie wusste, dass er ein verurteilter Sexualverbrecher war. Und der deutsche Forscher Joscha Bach taucht ebenfalls in den Epstein-Files auf. Und natürlich der Jura-Professor Alan Dershowitz (Rechtswissenschaften): Dershowitz war einer von Epsteins engsten Vertrauten und sein Anwalt. Virginia Giuffre sagte aus, Epstein habe sie dazu gezwungen, sexuelle Handlungen mit Dershowitz vorzunehmen, was er jedoch bestreitet.
Interessant sind allerdings besonders die, die nicht mehr auftauchen werden
Als die erfahrene Bundesrichterin Loretta Preska am 4. Januar 2024 am U.S. District Court for the Southern District of New York die „Entsiegelung“ hunderter Akten verfügte, die weitere Klarnamen von Personen aus Epsteins Netzwerk öffentlich machen sollten, packte eine 38-jährige gebürtige Tschechin in ihrem Appartement in der East 66th Street in Manhattan eilig ihre Sachen zusammen. Bewohner des Appartementhauses, das einem gewissen Mark Epstein gehörte, erinnerten sich später an die Frau, die fluchtartig mit mehreren Koffern das Gebäude verließ.
Nadia Marcinko (auch bekannt als Naďa Marcinková) ist seit diesem Tag wie vom Erdboden verschluckt und wird beim FBI als „missing“ geführt. Marcinko war eine der engsten Vertrauten Epsteins, besaß eine Pilotenlizenz und war CEO des Luftfahrtunternehmens „Aviloop“. Das war unter derselben New Yorker Adresse registriert, war aber nach ihrem Verschwinden dann auch nicht mehr erreichbar. Da sie sehr viel über Epstein, seine Kontakte und seine Fluggäste wusste, kam es zu Spekulationen, die Frau könnte eines unnatürlichen Todes gestorben sein. Doch im Dezember 2025 fanden OSINT-Experten (Open Source Intelligence) heraus, dass Nadias E-Mail-Adresse für Aktivitäten innerhalb der USA genutzt worden war, was darauf hindeutet, dass sie unter falschem Namen oder versteckt weiter in den Vereinigten Staaten lebt.
Wer nicht wieder auftauchen wird, ist definitiv der französische Model-Agent Jean-Luc Brunel, einer von Epsteins wichtigsten Komplizen beim Rekrutieren junger Frauen und Mädchen. Er wurde im Februar 2022 in seiner Zelle im Gefängnis La Santé in Paris erhängt aufgefunden.
Tot ist auch Thomas Middleton, früherer Manager bei JP Morgan und wichtiger Finanzberater von Jeffrey Epstein. Middleton wurde am 13. August 2022 tot in seinem Haus in New Jersey aufgefunden; auch er hatte sich erhängt.
Und es gibt noch einen weiteren Toten, der ähnlich heißt: Mark Middleton, früherer Berater von US-Präsident Bill Clinton. Mark Middleton wurde im Mai 2022 tot aufgefunden – mit einer Schusswunde und einem Stromkabel um den Hals. Er soll Epstein früher mehrfach Zugang zum Weißen Haus ermöglicht haben.
Schließlich der Kopf des Verbrechens selbst: Jeffrey Epstein. Auch er soll Suizid begangen haben und wurde am 10. August 2019 von Wärtern im Metropolitan Correctional Center (MCC) in Manhattan leblos aufgefunden. Auch er soll sich erhängt haben, aber an der Geschichte stimmt definitiv etwas nicht.
Bildquelle:
- Jeffrey_Epstein: netflix
