„Das geht zu weit“? Nein, Bundeskanzler – es ist Zeit, vom toten Pferd abzusteigen

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser!

Warum tut sich Friedrich Merz das alles noch an? Warum begreift er nicht, dass seine Kanzerschaft gescheitert ist, und warum erinnert sich in der Union niemand an die alte Weisheit der Dakota-Indianer, eine Unterorganisation der Sioux, dass wenn man merkt, dass man absteigen soll, wenn man ein totes Pferd reitet?

Der Bundeskanzler ist der unbeliebteste Spitzenpolitiker in Deutschland – und das deutlich. Und er geht zu Veranstaltungen und lässt sich ausbuhen, er geht in Fernseh-Talsk und lässt sich mit deutlichen Worten auseinandernehmen. Wann ist der Punkt erreicht, wo ihn mal jemand in der CDU, der das Ohr des Meisters hat, beiseite nimmt und sagt: „Danke, Friedrich, aber das war’s!“?

Das jüngste Desaster: der Bundeskanzler in der RTL-Sendung „Am Tisch mit Friedrich Merz“. Eine Kinderärztin aus Niedersachsen kam zu Wort und fragte Merz direkt, warum er eigentlich seinen Amtseid breche und menschenverachtende Gesetze wie das Sparpaket im Gesundheitswesen durchlasse.

Und Merz reagierte, wie wir ihn mehrfach schon erlebt haben

„Dass wir Probleme haben und dass wir die lösen müssen, einverstanden. Aber das geht zu weit. Das ist eine persönliche Herabsetzung, die geht zu weit.“  Er weise die Behauptung mit Entschiedenheit zurück, „dass ich vorsätzlich die Zukunft dieser Kinder zerstöre“.

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Dann meldete sich ein Vater zu Wort, der behauptete, die Politik lasse Familien mit Kindern allein. „Ich finde, Ihre Kritik ist ein bisschen zu hart“, antwortete der Kanzler. „Wir tun nach wie vor viel für die Familien.“ Er wisse natürlich, dass man mehr tun könnte, aber Spielräume für die öffentlichen Haushalte seien begrenzt.

Was Politiker so sagen

Mich erstaunt, wie dünnhäutig der Sauerländer ist, so als bringe man ihm im Politikbetrieb, den Medien und im Volk nicht den Respekt entgegen, der ihm im Amt des deutschen Bundeskanzlers zustehe.

Aber er hat nunmal zentrale Wahlversprechen gebrochen, das ist ein Fakt. Er hat seine Kernwählerschaft enttäuscht, die nach Merkel, AKK und Laschet von einem Politprofi, dem man nachsagt, er könne Wirtschaft, mehr erwartet hat. Die Bevölkerung werde innerhalb des ersten Jahres deutlich merken, dass sich etwas positiv verändert habe und „Links ist vorbei“. Sehen Sie etwas davon?

Und wenn es um die dämliche „Brandmauer“ zur AfD geht, kommt mir der Kanzler bisweilen vor wie der russische Präsident.

Er hat sich da in etwas verstrickt, das nicht funktioniert, aber es gibt erkennbar für ihn keinen Weg, da unbeschadet wieder rauszukommen.

Meine persönliche politische Agenda ist Mitte-Rechts

Klar, die Masseneinwanderung wurde spürbar reduziert. Abgeschoben wird bis heute viel zu unzureichend – ja, ja, ich weiß, Ländersache. Aber wenn man so etwas verspricht, dann muss man es eben durchsetzen, zumal die Union in vielen Bundesländern regiert. Aber wenn man darauf angewiesen ist, sich Regierungsmehrheiten mit SPD, Grünen und auch BSW und Linken zu suchen, dann kommt man eben nicht weiter. Und niemand versteht noch, warum man die Politikwende, die jetzt schon möglich wäre mit der AfD nicht einleitet, statt die AfD ungewollt immer stärker zu machen.

Auch deshalb hoffe ich, dass Ulrich Siegmund in Sachsen-Anhalt die Landtagswahl gewinnt. Obwohl ich weiß, dass er in seinem Umfeld Leute hat, die niemals entscheidenden Einfluß auf die Geschicke Deutschlands haben dürfen. Aber die „Brandmauer“ muss weg, da beißt keine Maus den Faden ab.

Und Friedrich Merz, so leid er mir tut, muss auch als CDU-Chef und Bundeskanzler abgelöst werden.

Ich weiß, der einzige Grund, ihn noch dort zu halten, ist für viele Unions-Leute, die Aussicht, dass es mit Wüst und Günther noch dramatisch schlechter werden würde. Aber ein Weiter-so wird die CDU zerstören.

Mit herzlichen Grüßen

 

Ihr Klaus Kelle

 

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.