Afghanistan ist verloren, aber lernen wir etwas aus dem totalen Versagen?

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Liebe Leserinnen und Leser,

ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber das, was gerade in Afghanistan passiert, macht mich wirklich wütend. Praktisch im Stundentakt laufen in unserer Redaktion die Erfolgsmeldungen der islamistischen Terrororganisation namens Taliban ein. Kundus, Herat, Mazar-i-Sharif…es ist nur eine Frage von Tagen, vielleicht Stunden, dann fällt Kabul. Und die ganze Welt schaut zu, wie eine islamistische Mörderbande 20 Jahre westliches Engagement in Trümmern schlägt.

Zehntausende Bundeswehrsoldaten haben kumulierend am Hindukusch Dienst geleistet, haben gekämpft, Brunnen gebohrt, Schulen gebaut und Kranke und Verletzte medizinisch versorgt. Und 52 unserer Soldaten haben ihr Leben gelassen in einem Krieg, der in diesen Tagen immer fragwürdiger wird. Wenn man in einen Krieg zieht, wenn es unumgänglich ist, dann muss man gewinnen, gewinnen wollen. Insbesondere dann, wenn man zum mächtigsten Militärbündnis der Welt gehört. Und nun ziehen wir ab, wie getretene Hunde im Schutz der Dunkelheit. Rette sich, wer kann.

Wie Sie vielleicht merken, zähle ich mich als konservativer Publizist zu den „Falken“. Ich war für den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan, war dafür, dass das Taliban-Regime zerschlagen wird, auch mit Gewalt, nach den verheerenden Terroranschlägen vom 11. September in Amerika. So eine Nummer macht niemand ungestraft mit den Amis und – wie ich es sehe – mit dem Westen. Al Kaida wurde enthauptet, mindestens ein Drittel der Führungskader wurden liquidiert mit Drohnen oder durch Spezialeinheiten. Und auch Osama bin Laden durfte wenige Augenblicke vor seinem irdischen Ende noch erleben, wie es sich anfühlt, wenn Seal Team Six die Haustür eintritt.

Aber wofür das alles? Rache allein kann nicht Antriebskraft sein für einen zwei Jahrzehnte dauernden Krieg, für alle die Toten und Verletzten, für all das Leid, für die jungen Männer, die noch Jahre unter posttraumatischen Störungen leiden, und nachts schweißgebadet aus ihrem kurzen Schlaf aufschrecken.

Afghanistan wird fallen, in wenigen Tagen, in die Hände der Steinzeitkrieger, die „Allahu Akbar“ skandieren, genauso wie die Idioten, die in Deutschland und Europa mit Messern auf friedliche Passanten in London oder Würzburg oder Wien losgehen.

Wir alle sind im Krieg, ob wir das wollen oder nicht. Wenn wir angegriffen werden, dann ist es keine Option, die Chipstüte zu öffnen und RTL 2 einzuschalten. Ich habe höchsten Respekt vor den Soldaten und Soldatinnen der Bundeswehr, vor unseren Sicherheitsdiensten ebenso, die einen guten Job in dem Rahmen machen, den ihnen unsere trostlose politische Elite ermöglicht. Schminktische in Kasernen und TÜV-Plaketten-Prüfung in Kundus, das macht uns Deutschen weltweit niemand nach. Sie haben nichts begriffen, Frau Merkel sowieso nicht, aber all die Laschets, Baerbocks, Scholzes sind die falschen Leute zur falschen Zeit am falschen Platz. Aber ich kann es nicht ändern, und Sie werden es nicht ändern. Und für wen anders denn auch?

Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, fordert jetzt, die Bundeswehr loszuschicken, um die Taliban zu stoppen. Eben die Bundeswehr, die erst vor ein paar Tagen abgezogen ist. Wie soll das funktionieren, ohne Panzer und Bodentruppen, ohne Spezialeinheiten, ohne Drohnen, ohne Kampfflugzeuge? Ja, ist alles da, aber wer in Berlin hätte denn den Arsch in der Hose, eine solche Entscheidung zu treffen? Und welche Parteien und welche Bevölkerung stünde dann hinter unseren Soldaten. „Kanonenfutter“, schrieb vorhin eine Facebook-Freundin über unsere tapferen Männer und Frauen in Uniform. Und auch, wenn diese Freundin von einer deutschen Insel der Glückseligen träumt, die es nicht mehr gibt, hat sie im Grunde recht. Dieses Land ist wirtschaftlich eine Macht, militärisch spätestens seit Frau von der Leyen militärisch eine einzige Stümperei. Die stümpert nun in Brüssel weiter, aber besser geworden ist nichts.

Afghanistan ist erledigt, die Arbeit und der Blutzoll von zwei Jahrzehnten zerstört, innerhalb weniger Wochen. Der Westen gedemütigt, als zahnloser Tiger demaskiert. Seit Jahren bilden Deutsche die Soldaten der afghanischen Armee aus, statten sie mit modernen Waffen aus, und schauen Sie sich bitte an, welche jämmerliche Performance diese Leute jetzt in der Schlacht abliefern.

Ja, ich bin wütend, weil wir solche Pussies geworden sind und weil unsere Politiker nicht begreifen, dass es wichtigere Dinge auf der Welt gibt, als Regenbogenfahnen schwenken und die deutsche Automobilindustrie zu zerstören, weil sonst das Klima kippt. Irgendwie…

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.