Ali Baba in Brüssel: Säcke voller Geldscheine im Büro von Frau Kaili gefunden

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Liebe Leserinnen und Leser,

immer mehr Details aus dem Brüsseler Korruptions-Sumpf werden bekannt. Im Zentrum steht dabei die sozialdemokratische Abgeordnete Eva Kaili (44). Die war Vizepräsidentin des EU-Parlaments. Nachdem Polizisten die Politikerin am Freitag in Brüssel verhaftet hatten, schmiss ihre griechische Pasok-Partei das prominete Mitglied nur wenige Stunden später raus. Am Samstag handelte dann Parlamentspräsidentin Roberta Metsola und entzog ihrer Stellvertreterin „mit sofortiger Wirkung alle Befugnisse, Pflichten und Aufgaben“.

Was am Samstag auch bekannt wurde: Bei der Durchsuchung der Räume con Kaili wurden „mehrere Säcke voller Gelddscheine“ gefunden, insgesamt Hunderttausende Euro.

Parallel zu Kaili gab es weitere Festnahmen rund ums EU-Parlament. So wurden der ehemalige sozialdemokratische Europaabgeordnete und heutige Chef der Nichtregierungsorganisation „Fight Impunity“, Pier Antonio Panzeri, sowie der Generalsekretär des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB), Luca Visentini, verhaftet. Die Nachrichtenagentur AFP teilte außerdem am Abend mit, in Rom seien im Zusammenhang mit dem Korruptionskomplex die Ehefrau und die Tochter Panzeris in Gewahrsam genommen worden.

Im politischen Brüssel brodelt derweil die Gerüchteküche. Die Staatsanwaltschaft hatte am Freitag mitgeteilt, hinter den Zahlungen stecke ein „Golfstaat“, der versuche, Einfluss auf Entscheidungen der EU mittels gekaufter Politiker zu nehmen. Das wies gestern wiederum ein Sprecher der Regierung in Katar zurück und sagte gegenüber AFP, seinem Land seien „keine Details über eine Untersuchung bekannt“. Und außerdem habe Katar gar nichts Illegales gemacht. Schau’n mer mal…

Zeit also für frisches Popkorn. Da wird noch eine Menge Unrat ans Tageslicht kommen, da wird für unsereins noch viel zu berichten sein. Und ich wüsste wirklich gern, ob Frau Kaili am Abend die beiden Viertelfinalspiele der WM in Katar ansehen durfte in ihrer Gefängniszelle oder im Knast-Gemeinschaftsraum…

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.