„Blackout im Funkhaus“ – der WDR mit nützlichen Tipps, wenn es mal keinen Strom mehr gibt

Die deutsche Energiepolitik erhöht die Gefahr von Stromausfällen enorm.
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von JULIAN MARIUS PLUTZ

KÖLN – Hin- und wieder schafft es die Realität, so wie sie sich jenseits der Erzählmuster des Mainstreams abspielt, sogar in den WDR. Doch wenn schon die unliebsamen Tatsachen genannt werden, dann jedoch in einer sanften, spielerischen Art. Sie wissen schon: Teile dieser Nachricht könnten den Zuschauer verunsichern.

So geschehen zur 37. Themenwoche des Westdeutschen Rundfunks, die sich ganz dem Thema „Blackout“ widmet. Warum man nicht einfach „Stromausfall“ sagt, kann ich mir nur in sofern erklären, als dass das englische Wort nicht so lebensnah anhört. Viele haben wohl schon mal einen Stromausfall miterlebt, ich zuletzt als Kind, aber einen „Blackout?“ Das klingt nach Fiktion, nach Literatur und Katastrophenfilm – also nichts, was mit der Realität zu tun hat.

Hübsche, hippe Bilder für den chilligen Blackout

Zurück zum WDR. In der genannten Themenwoche fragen sich junge, alerte Redakteure via Instagram, wie man sich denn vorbereiten kann, wenn für längere Zeit der Strom wegbleibt. Und da gibt der Sender praktische Tipps: So solle man sich einen Kerzenvorrat und Zündhölzer zulegen, ebenso wie Batterien und entsprechende Weltempfänger. Alternativ ginge auch ein Kurbelradio, „um auf dem Laufenden zu bleiben.“ Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich habe in meinem Leben noch kein Kurbelradio gesehen.

In hübschen, hippen Bildern, die an die Werbekampagnen vom Mobilfunkanbieter Congstar erinnern, erklären uns die Journalisten, wie man sich helfen kann. Tipps und Tricks aus dem ÖRR zum Weiterleben ohne Strom. Traumschön. Dass die vermaledeite Energiewende daran einen großen Anteil hat, drei Atomkraftwerke wurden Ende des Jahres abgeschaltet, die letzten drei folgen Ende des Jahres, verschweigen die Redakteure. Zu viel Realität darf dann doch nicht sein.

Stromausfälle nehmen zu

So gab es seit Jahresbeginn bereits einige Stromausfälle. In Hessen zum Beispiel. Am Samstag morgen wurde in Neu-Anspach, Schmitten, Weilrod und Grävenwiesbach Stromausfälle gemeldet. Stunden später waren die Leitungen wieder in Betrieb.

Ebenso am Abend zum 7. Januar in Berlin-Steglitz. Zwischen dem S-Bahnhof Feuerbachstraße und dem S-Bahnhof Rathaus Steglitz wurde es finster. Betroffen waren die Straßenzüge Forststraße, Schloßstraße und deren Umgebung. Ähnliches spielte sich in derselben Nacht in anderen Berliner Stadtteilen genauso wie in Bedburg ab, einem Regierungsbezirk Kölns. 45 Minuten lang fehlte in den Gemeinden Kaster, Kirchherten, Kirchtroisdorf, Kleintroisdorf und Grottenherten der Strom.

Auch die Oberpfalz meldete Probleme: In Regensburg fehlte in den Stadtteilen Graß, Leoprechting, Oberisling sowie in Teilen Pentlings für ganze 19 Stunden der Strom. Ebenso in Hamburg: 2.000 Haushalte und knapp 170 Gewerbekunden in den Stadtteilen Borgfelde, Hohenfelde und St. Georg warteten am 7. Januar vergeblich auf Strom.

Das Thema muss ins Hauptprogramm

Der absolute Höhepunkt jedoch war schon fast Satire: Als „Fridays for Future“ in Lützerath gegen den Kohleabbau demonstrieren wollte, der immerhin einen Teil des Atomausstiegs kompensiert, ging bei der Protestaktion der Bewegung, die vornehmlich online stattfand, der Strom aus. Manchmal schreibt die Realität die besten Pointen.

Instagram

Beim WDR hingegen scheint man die Gefahr von landesweiten, dauerhaften Stromausfällen locker-flockig zu nehmen. Für Instagram hat es gereicht. Ins Hauptprogramm dürfte es das Thema jedoch erst mal nicht schaffen.

Bildquelle:

  • Stromausfall: afp
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