Corona-Krise: Wir suhlen uns in unserer Angst und lassen alles andere einfach laufen

Corona-Schnelltest: Gibt es außer der Pandemie noch andere Themen in Deutschland?
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von ULRIKE TREBESIUS

BERLIN – Die deutsche Politik und ihre Medien kreisen nahezu ausschließlich um das Thema Corona in all seinen Facetten. Die Lust an der Pandemie ist auch nach 21 Monaten ungetrübt.

Wir sprechen nur noch über Impfungen, Inzidenzen, Intensivbettauslastungen, Triage. Es geht um Kinder-Impfstoffe und den Noch–Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Hingebungsvoll wird über Impfpflicht für die Verweigerer gesprochen, die voller Inbrunst als Gruppe und der auf sie zutreffenden Merkmale ausgeschlossen und am liebsten bestraft werden soll. Es geht um Delta und Omikron, um Booster und deren Wirkung, um Auffrischungs-Impfungen und Impf-Status, die ihre Wirksamkeit nach sechs Monaten verlieren soll, um Teil–Lockdowns, Lockdown für alle, 2G, 3G und 30 Millionen Impfungen bis Weihnachten. Es wird gedrostelt und gewarnt.

Irgendjemand muss uns da rausholen. Die Deutschen werden es aus eigener Kraft nicht schaffen. Zu sehr lieben wir die Maßnahmen und deren Verschärfung. Wir können endlich wieder so richtig intolerant sein, nachdem wir jahrelang auf jede noch so kleine Anomalie höflich Rücksicht nahmen. Jedes Wort wurde getilgt, ja selbst die Grammatik wurde beschädigt, um nur ja niemanden auszuschließen. Jetzt schließen wir dafür mal wieder so richtig aus. Aber Hallo! Wer schwurbelt, sich nicht impfen lassen möchte oder sonst irgendwie eine andere Meinung zu Corona hat, den trifft die volle moralisch–selbstgerechte Keule eines jeden, der sich dazu berufen fühlt. Dies schließt alle Politiker und Journalisten mit ein. Verglichen wir uns noch unlängst gern mit dem Ausland, so tun wir dies jetzt nur noch, um uns bestätigt zu sehen. Wie es derweil in den USA, in Schweden, Großbritannien oder Indien läuft interessiert uns längst nicht mehr. Wir suhlen uns in unserer Angst vor Ansteckung, Erkrankung, Leiden oder gar Tod. Jedes Bild eines Intensivbettes jagt uns Schauer über den Rücken. Angst isst unsere Seele auf.

Ich will bestimmt nichts verharmlosen oder bagatellisieren. Aber was treibt eigentlich der Rest der Welt? Und was unsere neue Regierung? Positioniert sich unsere neue Außenministerin zu Moskau bzw. im Ukraine–Konflikt? Hat die neue Bildungsministerin, Frau Stark-Watzinger von der FDP, schon einen Plan, wie die erheblichen Defizite in der Bildung unserer Kinder überwunden werden sollen, die die Maßnahmen der Merkel–Regierung verursacht haben? Welche Maßnahmen wird unser neuer Minister für Wirtschaft und Klimaschutz Herr Harbeck von den Grünen kurzfristig beschließen lassen, damit schnell eine wirtschaftliche Erholung eintreten kann? Hat er mit unserem neuen Finanzminister Christian Lindner von der FDP schon über Steuersenkungen nachgedacht, um die Privathaushalte und die Unternehmen zu entlasten? Oder gar wie die amerikanische Regierung in Zusammenarbeit mit Großbritannien oder den OPEC-Staaten die Ölreserven anzapfen, um die hohen Energiepreise zu senken? Wie geht es weiter mit der EZB–Politik, durch deren Maßnahmen die Inflation weiter steigt und die Verbraucher belastet? Und ist unserer neuen Kulturstaatsministerin Claudia Roth, ebenfalls Grüne, die Zukunft der Kultur in diesem Lande etwas wert? Welche Maßnahmen wird sie ergreifen, damit die Kunst nicht noch weiter unter die Räder kommt und nicht das Schicksal der Band „Ton, Steine, Scherben“ teilt, für deren Gelingen sie ehedem als Managerin verantwortlich war? Und wer kidnappt endlich Karl Lauterbach?

Deutschland torkelt durch das zweite Jahr der Pandemie. Nicht willens oder in der Lage, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen oder sich an anderen Ländern zu orientieren. Es gibt keine neuen Ideen, keine anderen Maßnahmen. Wir machen genau das Gleiche wie vor einem Jahr. Und erwarten andere Ergebnisse. Das ist die Definition von Wahnsinn nach Einstein.

Bildquelle:

  • Corona-Test: pixabay
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