Der „Mohrenkopf“ ist nur der Anfang: Wie die Regierung unsere Sprache und unser Denken „dekolonisieren“ will

Die Bundesregierung will das "koloniale Erbe" Deutschlands zur Spracherziehung nutzen.
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von THOMAS PAULWITZ

BERLIN – Die neue Bundesregierung hat sich die „Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte“ als Ziel in ihren Koalitionsvertrag geschrieben. Jüngste Äußerungen aus der Regierung zeigen, dass für die Bürger damit ein umfassendes Umerziehungsprogramm zur Veränderung unserer Sprache und unseres Denkens verbunden ist. Dabei geht es um weit mehr als um die Ächtung von Wörtern wie „Mohrenkopf“ oder „Negerkuss“. So erklärte die grüne Kulturstaatsministerin Claudia Roth auf ihrer ersten Auslandsreise, die sie kurz vor Weihnachten nach Paris führte: „Es ist an der Zeit für eine echte Dekolonialisierung des Denkens.“

Roth spielt damit auf das Buch „Dekolonisierung des Denkens“ an, das 2018 in deutscher Übersetzung im Linksaußen-Verlag „Unrast“ erschienen ist. Verfasst hat es der kenianische Literaturwissenschaftler Ngugi wa Thiongʼo, der sich gegen das Erbe der britischen Kolonialherrschaft wehrt, indem er bewusst in seiner Muttersprache Kikuyu schreibt. Die englische Sprache sieht er als Mittel und Ausdruck eines Kolonialismus, der immer noch anhält. Die Unterdrückung der Sprachen Afrikas habe zur Zerstörung von Kulturen geführt.

Ist die deutsche Sprache kolonialistisch vergiftet?

Nun geht es Roth aber ganz und gar nicht um einen Feldzug gegen die englische Sprache. Ihr Thema ist weder die Verdrängung der deutschen Sprache aus der Wissenschaft noch die Anglizismenwelle, die über unsere Sprache schwappt. Die Kulturstaatsministerin sieht Deutschland nämlich nicht auf der Seite der Opfer, der Kolonisierten, sondern im Gegenteil auf der Seite der Täter, der Kolonialisten. Zum einen geht es ihr um die Rückführung afrikanischer Kulturgüter nach Afrika. Zum anderen will sie die Deutschen umerziehen. Im Koalitionsvertrag heißt es noch etwas vage formuliert:

„Wir wollen koloniale Kontinuitäten überwinden, uns in Partnerschaft auf Augenhöhe begegnen und veranlassen unabhängige wissenschaftliche Studien zur Aufarbeitung des Kolonialismus.“

Wie diese „Dekolonisierung“ im einzelnen aussehen soll, verrät Susan Arndt. Sie ist Mitherausgeberin des Buches „Wie Rassismus aus Wörtern spricht“, das ebenfalls im „Unrast-Verlag“ erschienen ist: 2021 in vierter Auflage. Die Professorin für Englische Literaturwissenschaft an der Universität Bayreuth beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Feminismus, Sexismus und Rassismus. Ihrer Ansicht nach ist die deutsche Sprache „vergiftet“ – mit rassistischen Altlasten aus kolonialistischer Zeit.

Gegenüber dem Deutschlandfunk erklärte Arndt Im Rahmen des Denkfabrik-Themas „Dekolonisiert euch“, alle Wörter seien rassistisch, die nach Hautfarben und Rassen unterteilen und die „nur für Afrika oder andere ehemals kolonisierte Räume Verwendung finden, nicht aber für weiße Deutsche“. Daher zählt sie dazu nicht nur „das M-Wort, das sich auf ‚Ohren‘ reimt“, sondern auch Wörter wie „Tropenmedizin“ und „Dschungel“. Letzteres bezeichnet sie selbst nur als „D-Wort“, um es nicht aussprechen zu müssen, „um keinen Rassismus zu reproduzieren.“

Eine Institution für Dekolonisierung soll kommen

In Umbenennungen sieht Arndt kein Problem für die Meinungsfreiheit, denn Rassismus sei schließlich keine Meinung. Die Ächtung einzelner Wörter ist erst der Anfang des Sprachumbaus. Nach 20 Jahren Arbeit gegen bestimmte Wörter geschehe jetzt endlich etwas, so Arndt, „…und das ist toll. Ich glaube, wenn erst einmal die ersten drei, vier, fünf Wörter purzeln, dann ist es auch leichter, die nächsten aus diesem Kontext heraus kritisch anzugehen.“

Neben den Umbenennungen nennt Arndt noch zwei weitere Forderungen an die Politik. Eine davon steht ebenfalls im Koalitionsvertrag, in dem es heißt: „Wir wollen … den Begriff ‚Rasse‘ im Grundgesetz ersetzen.“ Die andere Forderung bemüht sich um eine Institutionalisierung, um Sprache zu dekolonisieren. So bekennt auch die Bundesregierung im Koalitionsvertrag: „Außerdem entwickeln wir ein Konzept für einen Lern- und Erinnerungsort Kolonialismus.“

Wie diese Institution aussehen wird, ist noch unklar. Arndt schwebt eine Einrichtung nach dem Vorbild der Enquete-Kommission des Bundestages zur Aufarbeitung der SED-Diktatur vor: „So was brauchen wir für Rassismus und für Kolonialismus, um Dekolonisation als Ganzes anzugehen.“

Dekolonisierung als Fortsetzung der Rechtschreibreform

Als Dekolonisierungs-Institut läuft sich aber auch das staatlich finanzierte Institut für Deutsche Sprache (IDS) warm. Es empfiehlt sich der Regierung bereits dadurch, dass es seinerzeit den Kultusministern dabei half, die Rechtschreibreform gegen den Willen der meisten Bürger durchzusetzen. Nach dem Ruf der Kulturstaatsministerin Claudia Roth nach einer „echten Dekolonialisierung des Denkens“ fühlt man sich in Mannheim offenbar angespornt, ein Programm zur Dekolonisierung der Sprache aufzulegen. Schließlich gehört die Bundesregierung mit einem Förderumfang von mehreren Millionen Euro jährlich zu den wichtigsten Geldgebern des Instituts.

Ende 2021 meldete sich daher IDS-„Koloniallinguistin“ Doris Stolberg gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zu Wort. Zum Beispiel sollen Dokumente aus der Kolonialzeit in die Sprachen der ehemals Kolonisierten übersetzt werden. Es gibt aber auch eine politische Ausrichtung, denn Straßenschilder, auf denen Vertreter der deutschen Kolonialherrschaft geehrt würden, müssten umbenannt werden. Auf diese Weise setze sich ein größerer Teil der Bevölkerung als bisher mit der kolonialen Vergangenheit Deutschlands auseinander, so Stolberg. Ein erklärender Kontext sei zu wenig. Somit meldet die dpa: „Die Forderung der Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) nach einer ‚Dekolonisierung des Denkens‘ hat im IDS bereits begonnen.“ Der Steuerzahler macht’s möglich.

Bildquelle:

  • Kolonialismus: getty images
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