Deutschland braucht ab Oktober nichts anderes als eine politische Kehrtwende um 180 Grad

Anzeige

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

gestern war ich in Hamburg. Gute Gespräche, gutes Essen, Besuch in der Kanzlei von Joachim Steinhöfel, den Anwalts-Gott, zumindest, wenn es um Rechtsverstöße von Facebook geht. Er hat, während ich daneben saß und am Milchkaffee nippte, den Antrag auf Einstweilige Verfügung gegen Facebook getippt, das mich mal wieder gesperrt hat, während ich von meinem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebraucht machen wollte.

Hamburg ist eine tolle Stadt, ich bin wirklich gern hier, eigentlich würde ich gern noch viel mehr hier sein. Entspannte Leute, hanseatischer Snobismus, wunderbar. Nur der Straßenverkehr ist eine Katastrophe. Für zwei Kilometer von Steinhöfel zum nächsten Termin brauchte ich mit dem Taxi 20 Minuten, weil sich ein endloser Stau durch die City schob und jede Ampelschaltung maximal zwei Autos durchließ. Und als ich gegen Mitternacht von einer CDU-Wahlveranstaltung am Stadtrand zu meinem Hotel nahe des Hauptbahnhofs wollte, haben wir sage und schreibe in 25 Minuten nicht einen einzigen Taxistand gefunden, so dass sich mein freundlicher Privatfahrer erbarmte, mich bis vor dem Hoteleingang zu chauffieren. Hilfsbereit sind sie halt auch, die Hanseaten.

Für einen jahrzehntelangen Christdemokraten wie mich ist es immer ein Genuß, Friedrich Merz zu hören. Der Mann ist brillant, und ich ergriff nach seiner hervorragenden Rede die Gelegenheit, mit ihm von Ostwestfale zu Südwestfale persönlich ein paar Worte zu wechseln. Doch eigentlich wollte ich den jungen CDU-Landeschef Christoph Ploß einmal live zu erleben und mit ihm plaudern. Seit 2017 ist der 36-Jährige CDU-Bundestagsabgeordnete, ein guter, erfrischender Redner, der es wagt, die Dinge auszusprechen, die vielen Bürgern auf den Nägeln brennen. Christoph Ploß hat somit etwas, was vielen seiner Parteikollegen völlig abgeht, die den Kontakt zu den normalen Menschen und ihrer Lebenswirklichkeit total verloren haben.

Nach der Bundestagswahl muss sich gravierend etwas ändern, sowohl in der CDU als in unserem Land. Ob Armin Laschet eine gute Wahl zum Spitzenmann ist, überlasse ich Ihrem Urteil. Aber wenn Sie noch ein Fünkchen Resthoffnung auf eine – wann auch immer – Erholung und Wiederentdeckung der alten Volkspartei CDU haben, dann Augen auf in der Wahlkabine. Die richtig guten Wahlkreiskandidaten haben jeden Stimme verdient, anders als sonst bei Wahlen kommt es für mich nicht mehr so sehr auf die Zweitstimme, sondern bei den guten Kandidaten auf die Erststimme an.

CDU und SPD liegen Kopf an Kopf, die Grünen ein paar Prozente dahinter. Dann AfD und FDP. Wer von den Parteien als erste durchs Ziel geht, wird den Regierungschef stellen, und auch Friedrich Merz appellierte natürlich, dass CDU und CSU unbedingt am 26. September als erste durchs Ziel laufen müssten. Klingt gut, aber mein Verstand sagt: Warum eigentlich? Ist Armin Laschet an der Spitze von Schwarz-Grün wirklich die Rettung vor Olaf Scholz und SPD-Grün-FDP oder sogar der Union als Juniorpartner? Und sind andere Mehrheiten überhaupt denkbar, so lange die in weiten Teilen durchaus bürgerliche AfD nicht die Kraft aufbringt, die rechten…Typen…abzuschütteln. Ist nicht meine Idee, aber auch Merz stellte am Abend ohne Wenn und Aber klar, dass es mit dieser AfD keine Zusammenarbeit welcher Art auch immer geben werde. Und er erwähnte den „Vogelschiss“ des Herrn Gauland, aber das Fass will ich jetzt hier nicht aufmachen, hatten wir schon.

Was Deutschland nach der Bundestagswahl braucht, ist ein deutlicher Kurswechsel. Andere Köpfe, andere Politik. Keine Ahnung, wie das möglich sein soll, aber die aufrechten und klugen Direktkandidaten sind die Einzigen, die die Union zumindest in Bewegung bringen könnten. Die Einzigen. Merz und Ploß, Pantel und Willsch, Maaßen und Pechstein, Bellmann und Ludwig, es gibt so viele phantastische Leute, und wir sollten die letzten Aufrechten nicht im Regen stehen lassen, die Kurs auch gegen das eigene Parteiestablishment zu halten wagen. Wer solche als CDU erkennbaren Kandidaten in seinem Wahlkreis nicht hat, der und die müssen auch keine CDU mehr wählen.

Mit herzlichen Grüßen,

Klaus Kelle

Anzeige

Unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende

Jetzt spenden (per PayPal)

Jetzt abonnieren

Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.