Deutschland kaputt: Unser Land ist unfähig, Krisen überlegt und konsequent zu meistern

Dunkle Wolken über dem Reichstag in Berlin.
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von KLAUS KELLE

BERLIN/KABUL – In der Nacht zu Montag landeten 40 Mitarbeiter der deutschen Botschaft mit einem US-Flugzeug in Doha im Golfemirat Katar. Zwei Bundeswehrmaschinen wurden auf ihrem Weg nach Kabul aufgehalten, weil sie wegen chaotischer Zustände auf dem Flughafen in Kabul keine Landeerlaubnis bekamen. Kann passieren, oder? Erinnern Sie sich noch vor einigen Jahren, als Bundeswehrsoldaten irgendwo unterwegs – ich glaube, es war in Istanbul – tagelang im Hotel festsaßen, weil die Bundeswehr keine Maschine für den Transport bereitstellen konnte? Oder im Dezember 2016 als die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) auf dem Weg von Mali nach Nigeria strandete. Ein Computer war ausgefallen, und die Piloten konnten die Landeklappen nicht mehr steuern. Die Crew tauschte den Computer aus, aber es funktionierte trotzdem nicht.

Ich glaube, es verwundert niemanden, wie diese sogenannte Evakuierung deutscher Diplomaten und Ortskräfte heute angelaufen ist. Die ersten Deutschen, die gestern ausgeflogen wurden, saßen in Flugzeugen unserer amerikanischen Verbündeten, weil wir es nicht geschafft hatten, Flugzeuge und Soldaten rechtzeitig heranzuschaffen. Und wo wir gerade dabei sind: Warum war unsere Regierung eigentlich „überrascht“, was passieren würde nach dem Abzug der NATO aus Afghanistan? Jeder Zeitungsleser wusste, was jetzt passieren würde. Und wo sind eigentlich die Soldaten der afghanischen Armee, die von Deutschen doch angeblich so großartig ausgebildet und mit bester Ausrüstung auf Ihre Kosten ausgestattet wurden? Die Ausrüstung, vom deutschen Steuerzahler bezahlt, lagern jetzt in den Waffenkammern der Taliban, einer radikalen Islamistenhorde, skrupelos, brutal, die Frauen wie Vieh halten, Hände abhacken und Schwule aufhängen. Nach österreichischen medien haben die Taliban Waffen im Wert von 400 Milliarden Euro erbeutet. Und wo ist denn die tolle LBGTQ-Lobby, die uns bei jedem Sportevent mit ihrere Aufdringlichkeit nervt. Nichts zu sehen, ebenso wie man von der deutschen Feminismus-Industrie nichts hört, diesen sonst laustarken Damen, wenn ihre afghanischen Schwestern in diesen Tagen an die Haaren zurück in ihre Steinzeithölen geschleift werden.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat öffentlich eingeräumt, dass man den Vormarsch der Taliban falsch eingeschätzt habe. Und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schloß sich an: «Da haben wir eine falsche Einschätzung gehabt. Und das ist nicht eine falsche deutsche Einschätzung, sondern die ist weit verbreitet.» So, als mache das die Ereignisse besser. Wir sind zwar komplett unfähig, aber die anderen auch, bätsch! Wie erbärmlich ist das denn? Dieses Personal, das unser Land in diesen Jahren führt, ist eine einzige Katastrophe. Und man sagt mir, wir müssten jetzt trotz allem CDU wählen, damit es nicht ganz schlimm werde Ende September. Noch schlimmer? Wie soll denn noch schlimmer werden? Was uns Merkel, von der Leyen, AKK, Maas und Konsorten seit Jahren abliefern, ist nicht mehr zu toppen. In einem normalen Staat, stünde Heiko Maas längst dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Aber was ist schon normal?

Im Grunde genommen klappt doch nichts mehr in dem Deutschland, das einst von der ganzen Welt bewundert wurde, weil wir angeblich so gut organisiert seien. Wo denn? Bei der Stümmperei in den Hochwassergebieten, bei der Abschiebung von rechtskräftig abgelehnten Asylbewerbern, bei der schnellen flächendeckenden Versorgung der Bevölkerung mit Impfstoff? Nein, das verlagern die Stümper aus Berlin an die Stümper in Brüssel. Was ist mit dem Katastrophenschutz in Deutschland, auf welche Apokalypse sind wir vorbereitet? Als Sirenentest vor zwei Jahren war, fand man heraus, dass 70 Prozent der Sirenen in Deutschland nicht funktionieren. Und wenn sie funktionieren, weiß kein Mensch, was welches Signal meint und was man tun soll. Weil es nicht vermittelt wird in den Schulen und den Medien. Stattdessen führen wir gesprochene Gendersternchen für abgehalfterte Fernsehmoderatoren ein. Wenn die nächste Flutkatastrophe kommt, ist wahrscheinlich wichtiger, dass die THW-Autos in Regenbogenfarben leuchten, statt dass die Leute lebend aus ihren Häusern geholt werden.

Ich könnte in diesem Zusammenhang auch noch über den Ausverkauf unseres technischen KnowHows an chinesische Unternehmen und die völlig überflüssigen Staatssendeanstalten philosophieren, aber das regt mich und viele von Ihnen nur noch mehr auf.

Seit gestern habe ich Kontakt mit einer vierköpfigen Familie, die in Kabul festsitzt. Drei sind deutsche Staatsbürger, eine ist afghanische Staatsbürgerin mit Aufenthaltsgenehmigung bis Oktober 2022. Aber sie hält sich ja gar nicht hier auf, sie sitzt mit ihren Angehörigen in einem Versteck irgendwo in Kabul und versucht, vier Plätze in den Bundeswehr-Maschinen zu ergattern, die in dieser Woche noch fliegen. Und dann fliegen sie nicht mehr. Die vier haben Angst, dass sie Ende der Woche nicht mehr leben. „Wir kommen hier nicht mehr raus, wenn die Bundeswehr weg ist“, schrieb mir eben einer aus der Familie auf WhatsApp. Er hat vorgestern das Auswärtige Amt in Deutschland über die Situation angemailt und darum gebeten, dass sie Plätze in einer Maschine raus aus Talibanland bekommen. Zurück kam eine Standardantwort, was man noch schicken solle. Haben sie gemacht, seit 48 Stunden nichts mehr gehört. Ich habe einen befreundeten Bundestagsabgeordneten gebeten, der jetzt ausprobiert, ob irgendwer im Ministerium mal ans Telefon geht in einem Fall von Leben und Tod…

Bildquelle:

  • Reichstag_düster: pixabay
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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.