Deutschland wird immer abhängiger – inzwischen auch beim Getreide

Die Getreidepreise haben sich inzwischen verdoppelt.
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von MARTIN D. WIND

BERLIN – Derzeit explodiert es allenthalben: Bomben, und Granaten explodieren zwischen ukrainischen Zivilisten, weil Putin das so will. Auch anderweitig „explodiert“ es: Die Energiewende beschert uns Verbrauchern hohe Gaspreise, exorbitante Spritpreise und für viele kaum noch zu stemmende Strompreise. Das nicht, weil Rohstoffe knapp werden, sondern weil politische Entscheidungen wie die schon erwähnte „gute deutsche Energiewende“ und die einhergehende „CO2-Steuer“ den Bürgern die letzten Reserven aus den Taschen quetschen. Alles zum Erreichen höherer Ziele. Man bekommt den Eindruck, bestimmte Politik wolle uns zwingen und knechten, das Leben so teuer wie möglich beim zur Beute gewordenen Staat kaufen zu müssen.

Demnächst werden Semmeln, Brot, Brezn, Krapfen, Berliner teurer. Nudeln und andere Mehlspeisen werden nicht mehr als „Grundnahrungsmittel“ und als Notfallvorsorge zu empfehlen sein. Warum das? Es ist eine krude Mischung. Was soll sie ersetzen? Kartoffeln? Denkste! Die verschärften Vorgaben beim Pflanzenschutz lassen eine sinnvolle und ökonomisch vertretbare Bekämpfung von Schadinsekten nicht machbar erscheinen. Gut – wer heute freitags für das Klima Schule schwänzt, kann dienstags durch Kartoffelfelder ernten gehen, Kartoffelkäfer ablesen und samstags Rübenfelder händisch harken. „Klima“ sollte das wert sein!

Aber warum Kartoffeln? Wir haben doch Getreide! Klar haben wir „selbst“ Getreide. Aber wie weit trägt uns Deutsche „unser“ Getreide? Welche Qualität können wir auf deutschen Böden mit deutschem Klima erreichen? Landwirte erklären unisono mit der Düngemittelverordnung und der daraus erfolgenden Unterversorgung der Pflanzen mit Nährstoffen“, wird es in Deutschland immer schwieriger werden, den für die „Backfähigkeit“ notwendigen Stärkegehalt der Getreide auf dem Acker zu erzielen: Je höher der Proteingehalt desto eher können die Mehle aus den Getreiden mit „Eigenbackfähigkeit“ aufwarten. Wenn wir das nicht auf unseren Böden und unter unseren klimatischen Bedingungen erreichen können, muss Deutschland eigenbackfähige Getreide importieren. Wir sind abhängig.

Einer der größten europäischen Anbauer für Getreide, die zu eigenbackfähigen Mehlen veredelt werden können, ist die Ukraine. In Deutschland nimmt sowohl die Menge als auch die Qualität der geernteten Getreide seit 20 Jahren ab. Daher wurde gerne Getreide von einem der weltweit größten Getreideexporteuren – der Ukraine – gekauft. Täuschen wir uns nicht: Lagen die Einkaufspreise für Weizen am europäischen Terminmarkt vor einem Jahr noch bei – schon da recht hohen – runden 280 Euro pro Tonne, bewegen sich die Kurse für künftige Lieferungen derzeit steil auf die 400 Euro Marke zu. Das wird nicht spurlos an uns Verbrauchern vorbeigehen.

Einen ähnlichen Wahnsinn kann man bei den Öl- und Futterpflanzen beobachten: Überall steigen die Preise, weil sowohl durch Corona als auch den Krieg in der Ukraine die noch bestehenden Lagermengen nicht ausgeliefert werden sein können und alle Fachleute damit rechnen, dass in den kommenden ein bis zwei Jahren sowohl aus der Ukraine als auch aus Russland kaum mit Lieferungen zu rechnen ist. Cem Özdemir (Grüne), derzeit „Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft“, sieht gemeinsam mit seinen Kollegen aus anderen europäischen Ländern kein Problem: Solange noch Geld da ist, damit wenigstens die Europäer – zu welchem Preis auch immer – satt werden, interessiert ihn der Rest der Welt nicht, der sich solche Hochpreisphasen nicht leisten kann.

Für diese ignorante und ideologisch verseuchte Einstellung werden Menschen sterben – nicht unbedingt in Europa, aber in Ländern, in denen wir Europäer durch unsere „Überproduktion“ seit Jahrzehnten Menschen vor dem Verhungern bewahren müssen, weil sie weder das Geld zum Einkauf noch Boden und Klima zum ertragreichen Anbau von Feldfrüchten haben. Krieg, Düngeverordnung und unsere Mangel an Schutz vor Schadinsekten treiben für alle Länder weltweit die Preise für Agrarprodukte. Wir können uns das noch geraume Zeit leisten. Dabei sorgen wir aber dafür, dass Menschen in ärmeren Ländern „über die Klinge springen“. Man kann sich das leisten wollen, ob diese Ideologie letztlich ethisch vertretbar ist, anstatt Pflanzen mit ausreichend Nahrung zu versorgen, eine Unterdüngung zwingend vorzuschreiben, Pflanzen den Schadinsekten auszusetzen, statt sie vor Befall und Vernichtung zu schützen, um die „Natur“ zu retten. Und ob es ethisch vertretbar ist, mindestens vier Prozent der überhaupt noch nutzbaren Fruchtanbauflächen für Bienen- und Blümchenwiesen zu nutzen, während in anderen Ländern Menschen sich keine Essen mehr kaufen können und daher Mangel leiden oder gar verhungern, das ist mehr als fraglich.

Die ideologisch festgezurrte und zynische Sicht des Grünen Özdemir kann jeder selbst in einer Pressemitteilung vom 2. März 2022 nachlesen:

„Wer aber in dieser Situation fordert, erste Schritte der Europäischen Agrarpolitik hin zur Förderung einer klima- und umweltschonenden Landwirtschaft zurückzudrehen, dem will ich ganz deutlich machen, dass er hier auf dem Holzweg ist. Um das Recht auf Nahrung nachhaltig weltweit zu sichern, müssen wir die ökologischen Krisen entschieden bekämpfen.“

Bis er sein vorgebliches Ziel erreicht haben wird, werden Hunderttausende dafür mit ihrem Leben zahlen.

Bildquelle:

  • Getreide: pixabay
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