Die alleinige Wahrheit wissen – die „Letzte Generation“ sind keine sympathischen Idealisten, sie sind gefährlich

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Liebe Leserinnen und Leser,

die Ankündigungen der Linksextremistengruppe „Letzte Generation“ für die kommende Woche sind nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. «Der Widerstand wird stärker werden. Und er hört auch nicht an Weihnachten auf und auch nicht im neuen Jahr», kündigte Sprecherin Carla Hinrichs bei einer Pressekonferenz an, und unwillkürlich habe ich mich gefragt, warum die Veranstaltung nicht sofort von den Behörden abgebrochen und die Protagonisten, bekannte Gesichter aus der linksradikalen Szene, zur Vernehmung ins Polizeipräsidium mitgenommen wurden.

Aber, wie ich lese, kann Verfassungsschutz-Chef Thomas Haldenwang keine Gefährdung der Sicherheit durch Straßenblockaden und Vandalismus bei Kunstausstellungen von diesen reizenden jungen Menschen erkennen.

Sind doch nur Idealisten, oder? Junge Leute, die den Druck auf die Politik erhöhen wollen, ein Tempolimit einzuführen und ein 9-Euro-Bahnticket, damit nicht so viel Auto gefahren wird von den Leuten. Auto, Sie wissen schon, pfui, böse…

Und so fängt es immer an

In meinem vorherigen Leben in Berlin, fast 30 Jahre ist das her, hatte ich eine romantische Liaison mit einer…ja, ich muss es leider sagen, Linksextremistin. Aus Schwaben stammend hatte sie sich in die quirlige Metropole abgesetzt und am gemeinsamen Arbeitsplatz ausgerechnet mich kennengelernt. Tolle Frau, wirklich, aber politisch Millionen Lichtjahre links von mir entfernt. Und sie hatte alles an Literatur geradezu verschlungen, was irgendwie mit Ulrike Meinhof zusammenhing.

Also nicht mit der Ulrike Meinhof, die später Terroristin wurde, sondern der linken APO-Aktivistin und Journalistin, die für ihre Sache brannte. So tief in ihren Themen drin, rund um die Uhr unter Strom für die vermeintlich gute Sache. Und dann, irgendwann, der innere Schrei an die alle da draußen: Sehr Ihr denn nicht, was hier passiert? Der Faschismus übernimmt, die Atomrüstung wird unser aller Tod sein! Und von da an, da ist es wohl nur noch ein kleiner Schritt, die letzten Grenzen zu überwinden und nackte Gewalt anzuwenden. Erst gegen Sachen, dann gegen Menschen.

1970 hat die Meinhof ihre Gedanken auf ein Tonband gesprochen, der „Spiegel“ hat es dann in Auszügen veröffentlicht, unredigiert. Sätze wie:

„Das ist ein Problem, und wir sagen, natürlich, die Bullen sind Schweine, wir sagen, der Typ in der Uniform ist ein Schwein, das ist kein Mensch, und so haben wir uns mit ihm auseinanderzusetzen. Das heißt, wir haben nicht mit ihm zu reden, und es ist falsch überhaupt mit diesen Leuten zu reden, und natürlich kann geschossen werden.“

Und Meinhof und ihre Terrororganisation um Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Dutzende weitere beließen es, wie Sie alle wissen, nicht beim Ankündigen.

Das Abgleiten vom demokratischen Protest in die Radikalität und von dort der Schritt in den bewaffneten Kampf, das ist gar nicht so selten, das kommt bei Extremisten aller Art vor, die einen Regierungspräsidenten im Garten seines Privathauses erschießen, weil ihnen seine Gedanken zur Flüchtlingspolitik nicht gefallen. Oder die eine Synagoge in Halle angreifen, oder eben die Mörder der RAF, die Hanns-Martin Schleyer entführt und hingerichtet haben, weil sie meinten, das Recht dazu zu haben.

Es gibt keinen Grund, das zu verniedlichen und mit verständigem Kopfnicken geschehen zu lassen, was die sogenannte „Letzte Generation“ tut und für die nächste Zeit ankündigt. Weil sie glauben, sie seien die Einzigen, die das Klima und den Kollaps der Welt noch verhindern können. Weil sie in ihrem Fanatismus beseelt sind von einer Mission, nicht mehr zu erreichen mit Argumenten und Appellen, vernünftig zu bleiben. Und weil einige von ihnen nur noch wenige Schritte von „krasseren Aktionen“ entfernt sind, als Suppe auf Glasvitrinen im Museum zu spritzen oder sich selbst auf Fahrbahnen festzukleben.

Die Linksextremisten unserer Zeit haben ein Thema, sie wähnen sich im Besitz der alleingültigen Wahrheit, die von der Mehrheit und von den Mächtigen ignoriert wird. Und was machen Sie dann als Nächstes?

Die „letzte Generation“ ist schon jetzt eine softe Terrororganisation, die von den deutschen Sicherheitsbehörden überwacht und von der Politik ernst genommen werden muss als öffentliche Gefahr, bevor es irgendwann wieder eskaliert wie in den 80er Jahren.

Mit besorgten Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.