Die Frau mit dem Stahlhelm hat das Potential, die Ampel-Koalition zu sprengen

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Liebe Leserinnen und Leser,

ganz spannend, wie innerhalb von 48 Stunden die Stimmung zwischen den Koalitionsparteien so frostig werden konnte. Ist der Bruch der Regierung in naher Zukunft möglich? Absolut. Wird es passieren? Ich denke, jetzt noch nicht. Nicht schon nach nur einem Jahr. Nicht wegen Frau Strack-Zimmermann.

Aber der Lack ist ab, das ist unübersehbar

Und das es so kommen würde, wie es gemkommen ist, das war nach der idiotischen Nominierung des Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet irgendwie klar. Ein Kanzlerkandiat Söder oder Merz für 2021 – einer von den beiden Herren wäre jetzt Hausherr im Kanzleramt. Aber weil sich die Merkel-Netzwerke bis zum letzten Fußkranken nochmal zusamengetan haben, um bloß Friedrich Merz zu verhindern, stand plötzlich die rheinische Frohnatur auf der Bühne und fuhr erwartungsgemäß die schlimmste Schlappe der Union bei einer Bundestagswahl in der deutschen Nachkriegsgeschichte ein.

Merz ist trotzdem CDU-Chef geworden im dritten Anlauf, als Fraktionschef im Deutschen Bundestag macht er einen guten Job. Als Parteivorsitzender würde ist aufs Zeugnis schreiben 4+. Das wird wohlmöglich zum Bundeskanzler reichen, weil Olaf Scholz in der Liga von Armin Laschet mühelos mithalten kann. Ich habe Kiesinger nicht erlebt, Adenauer war der Super-Star, Ludwig Erhard hat die Marktwirtschaft erfunden, habe ich in der Schule gelenrt. Mein politisches Verständnis begann mit Bundeskanzler Willy Brand. Und seit der Zeit hat es keinen schwächeren und uninspirierteren Bundeskanzler gegeben wie diesen Olaf Scholz.

Dieses Herumlavieren, diese Entscheidungsschwäche und dann auch noch die Gedächtnislücken in Sachen Cum-Ex – das reicht locker für drei Rücktritte. Aber nicht in Deutschland. Wer soll’s denn machen? Und dann wird es plötzlich Karl Lauterbach.

In der Bundes-CDU erzählt man mir, nächster Kanzlerkandidat werde Hendrik Wüst

Überzeugender Wahlsieg im größten Bundesland, einer, der mit den Grünen kann. Und dass der frühere Generalsekretär der Bundes-CDU, Paul Ziemiak, jetzt bei Wüst als Landes-General angeheuert hat…zählen Sie einfach 1 und 1 zusammen.

Nur eine kann all den Strategen noch einen Strich durch die Rechnung machen: Marie-Agnes Strack-Zimmermann.

Die Frau mit der weißen Kurzhaarfrisur ist Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages, und sie treibt die eigene Koalition inklusive Bundeskanzler vor sich her. Die ist so, wie ich mir Politiker in führenden Machtpositionen vorstelle. Klare Haltung, klare Strategie und klare Ansprache. Ohne rechts und links zu gucken. Stahlhelm auf und durch.

Die überforderten früheren Verteidigunsministerinnen Leyen, Kramp-Karrenbauer und Lambrecht sehen im direkten Vergleich mit MASZ, wenn Sie mir die Abkürzung gestatten, noch blasser aus als ohnehin. Und Marie-Agnes ist nicht einmal Ministerin, sondern leitet nur einen Ausschuss.

Viele von Ihnen haben sicher gelesen, als ich vor zwei Wochen an dieser Stelle wünschte, dass wieder ein Mann Bundesminister der Verteidigung wird. Wir haben jetzt einen, mal schauen, was er macht. Aber wenn sie wieder eine Frau gesucht hätten, Frau Strack-Zimmermann wäre für mich die erste Wahl gewesen.

Viele unserer Partner in Europa drängen darauf, dass wir der Ukraine Kampfpanzer Leopard 2 liefern und den anderen Ländern, die diese Panzer auch haben, die Genehmigung erteilen, Leos aus ihren Beständen an Kiew weiterzureichen. Aber Herr Scholz ist noch nicht fertig mit seinen Überlegungen. Und das macht die FDP ebenso irre wie die Grünen. Reicht das für einen Bruch der Koalition? In diesem Land ist nichts unmöglich. Aber wie gesagt, im Moment eher unwahrscheinlich.

Ich denke, Anfang kommender Woche wird Scholz endlich zustimmen, und dann rollen die Leos.

Und die Ampel-Koalitionäre werden im Borchardt Wiener Schnitzel zusammen essen und sich wieder lieb haben. Platzt die Koalition aber an dieser Frage und der Hartnäckigkeit Strack-Zimmermanns doch, dann könnte das doch noch die Stunde von Friedrich Merz werden.

Was soll ich sagen: 2023 verspricht atemberaubende politische Volten. Bleiben wir gemeinsam dran!

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.