Die letzte Runde…

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Liebe Leserinnen und Leser,

heute schreibe ich zum letzten Mal bis Herbstanfang an dieser Stelle etwas über Geld. Versprochen! Ich will Sie auch nicht nerven, aber es ist manchmal frustrierend, zu sehen, was man alles machen könnte, wenn…

TheGermanZ existiert seit 13 Monaten. Wir sind in fast allen Punkten im Soll, also im Plan. Die Zugriffszahlen sind sehr gut und steigen langsam aber konstant, wir geben 30 Prozent weniger Geld aus, als im Businessplan vorgesehen ist. Alles schön also, würde man denken, aber ist es nicht. Weil wir zu wenig Abonnenten, zu wenig Spenden und zu wenig Werbung haben. Ich und wir verstehen die Systematik dahinter auch nicht wirklich, denn die Reaktionen von Ihnen, auf das was wir machen, sind sehr gut.

Klar, mancher hätte gern mehr Krawall, mehr klare Kante politisch, verständlich. Aber eine Tageszeitung ist etwas anderes als ein Blog. Wir wollen einfach nur die Realität abbilden, so wie sie nun einmal ist. Dabei behalten wir uns auch immer mal wieder eine eigene Meinung vor, die wir begründen, und die man gut finden kann oder auch nicht. Ganz normal.

Und wir zeigen beide Seiten, soweit es unterschiedliche gibt. Beim Ukraine-Krieg geht es natürlich hoch her, aber wenn Sie sich erinnern, wir haben auch darüber geschrieben, wie es zu der jetzigen Situation kommen konnte, wie arrogant der Westen nach dem Fall des Eisernen Vorhangs die ausgestreckte Hand erst der Sowjetunion und später die von Putin nach seiner Rede im Deutschen Bundestag ausgeschlagen hat. Und erst vor zwei Wochen haben wir in einem spannenden Beitrag von Thomas Paulwitz daran erinnert, wie die russischstämmige Bevölkerung im Donbass sprachlich diskrimiert wurde, was viele positive Reaktionen unserer Leserschaft hervorgerufen hat. „Ich hätte nicht gedacht, dass ihr darüber auch schreibt…“ Auf der anderen Seite: Wenn die ukrainische Hafenstadt Mariupol nach tagelangem russischem Bombardement schlimmer aussieht als einst Aleppo, dann kann es da auch kein Wegsehen geben.

Ja, wir berichten auch über Sport und Kultur und nicht nur über Politik. Und wissen Sie warum? Weil wir dadurch Leser gewinnen, die bei Kampfportalen gar nicht hereinschauen würden. Manche von denen, die sich zu uns verirren, während sie über Schalke 04 oder Heide Klum lesen wollen, finden dann plötzlich auch Themen, die sie in ihren sonstigen Informationsmedien nicht finden. Also, die Grundidee einer bürgerlich-konservativen Tagezeitung im Internet funktioniert.

Aber, liebe Freunde, wir haben immense Kosten für Agenturen, Fotos, Autoren, Miete, Reisen zu Recherchen (am Wochenende werde ich aus Budapest von den Wahlen dort berichten) und und und…und es ist nur möglich, wenn Sie – unsere Leser – das alles tragen. Wir haben hier fertige Konzepte liegen für Podcast, Newsletter, Internet-Videoformate und mehr. Wir haben Kooperationen vorbereitet, wir wollen die Seite optisch attraktiver und schneller machen. Wir können damit nicht beginnen, weil die Kohle nicht reicht. Und wir bekommen eben keine Staatsknete, keine Zwangsgebühren-Einnahmen, haben keine anderen Staaten und auch keine Parteien, die das alles finanzieren. Wir haben nur Sie, unsere Leser, ein paar mutige Investoren, und eine Menge Leser, die selbst Unternehmen besitzen und Geld für Werbung ausgeben – aber leider nicht bei uns. Und das muss sich ändern, wenn wir nicht nur weiter irgendwie existieren, sondern dieses Unternehmen ausbauen und nachhaltig aufstellen wollen.

Vor zwei Monaten habe ich schon mal einen ähnlichen Frühen Vogel geschrieben, als wir das Jahresergebnis 2021 von minus 110.000 Euro festgestellt haben. Damals habe ich Ihnen erzählt, dass die Kolumne Früher Vogel im Schnitt an jedem Tag von 25.000 Menschen gelesen wird. Der Frühe Vogel zwitschert jeden Tag als Plauderei in den neuen Tag und wird von Ihnen sehr gut angenommen. Ich habe damals geschrieben: Wenn jeder Leser dieser Kolumne für 364 Texte (!) im Jahre einmal (!) fünf Euro (!) spenden würde, also wirklich JEDER – dann hätten wir im ersten Jahr ein sensationell ausgeglichenes Ergebnis gehabt. Und noch in der Nacht damals ging es los mit Überweisungen von Ihnen, viele 5, viele 10, manche 20, 50 oder 100 Euro. Insgesamt immerhin etwas über 300 Leserinnen und Leser waren die 364 Artikel einmal im Jahr den Gegenwert von zwei kleinen Pils in der Kneipe wert. Um dem Mainstream auch bei den täglichen Nachrichten Paroli zu bieten. Alle anderen lesen gern weiter, Internet ist ja frei verfügbar.

Ich bin wirklich alles andere als ein larmoyanter Typ, und es ist Ihr Geld. Was Sie damit machen, ist allein Ihre Sache, geht mich nix an. Und wenn Sie – gerade in Zeiten explodierender Energiepreise und einer hohen Inflation – keinen Cent übrig haben, dann ist das absolut in Ordnung. Nur was ich sagen möchte ist, dann kann es eben auch passieren, dass wir irgendwann unsere Arbeit hier nicht mehr finanzieren und leisten können, und dann war es das mit einer unabhängigen bürgerlich-konservativen Tageszeitung für Deutschland.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.