Ein Krieg, vollkommen sinnlos – doch keiner hört auf

Anzeige

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

143:4 ist eine klare Ansage. Die Weltgemeinschaft hat genug von Putin als Imperator-Darsteller. Und dass bei den letzten Vieren, von denen Belarus und Syrien ohne Russlands Eingreifen dort andere Regierungen hätten. Und dass sich auch der Aussätzige aus Pjöngjang angeschlossen hat: Na, da senden wir dem Kreml doch herzliche Glückwünsche!

Das Ergebnis spiegelt keineswegs grundsätzliche tiefe Abneigung Russland gegenüber wider. Die Staatengemeinschaft will bloß, dass es endlich aufhört, dass dieser von Anfang an idiotische Feldzug Putins gegen das Nachbarland endet. Einen Gewinner gibt es ohnehin nicht.

Aber mehr als 100.000 Tote.

Dass Ziele wie das Rückdrängen der NATO von Russlands Grenzen ins Gegenteil verkehrt wurden. Und dass auch die Amerikaner nicht aus Europa verjagt wurden, sondern innerhalb von vier Monaten von 30.000 verbliebenen GIs jetzt wieder auf 110.000 angewachsen sind. Battlegroups in Osteuropa inklusive. Putins Krieg ist ein einziges Desaster, keines seiner Ziele wird erreicht werden, mit den Scheinreferenden hat er sich zum Gespött der ganzen Welt gemacht. Über 200.000 junge russische Männer haben in den vergangenen Tagen das Land verlassen, um nicht eingezogen und ohne Ausbildung und vernünftige Ausrüstung als Kanonenfutter in die Ukraine geschickt zu werden.

Viele Staaten wollen mit Russland kooperieren, nicht zuletzt der chinesische Tiger. Und wir Europäer wollen gern Öl und Gas preiswert in Russland kaufen. Das ist doch keine Frage. Und Gas-Gerd würd gern in einer feierlichen Zeremonie den Gashahn von Nord Stream 2 aufdrehen und sich feiern lassen. Aber all das wird nicht passieren, so lange dieser Krieg tobt, so lange gemordet zerstört und vergewaltigt wird, so lange russische Raketen in zivile Wohngebäude ukrainischer er Städte einschlagen.

Chefdiplomat Sergej Lawrow spielt jetzt die Harfe und säuselt etwas von „Verhandlungen“, natürlich nur um die Eroberung von 20 Prozent der Ukraine endgültig zu besiegeln. Aber das wird nicht passieren. Die Weltgemeinschaft ist genervt von Russland, weil Putins Großmannssucht die internationale Balance aus den Fugen geworfen hat. Sogar ein Atomkrieg ist jetzt wieder denkbar, sagt der Kreml-Chef, der mit Drohungen um sich schleudert wie ein waidwundes Tier.

Natürlich mögen viele Länder die Amis nicht, China gehört auch dazu. Aber mit USA und Europa verdient China noch immer deutlich mehr Geld als mit Ulan Bator und Togo. Und sie wollen, dass Putin endlich aufhört und am Verhandlungstisch Platz nimmt – ohne Vorbedingungen. So lange er das nicht tut und weiter töten und zerstören lässt, desto mieser wird die Stimmung ihm gegenüber. Die Abstimmung in der UN-Vollversammlung spricht eine eindeutige Sprache.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

Anzeige

Unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende

Jetzt spenden (per PayPal)

Jetzt abonnieren

Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.