Explosives Brasilien: Ist es noch nicht vorbei?

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Liebe Leserinnen und Leser,

aus Brasilien erreichen uns zunehmend auch ganz direkt beunruhigende Bilder und Nachrichten. Seit der Wahlnacht am Sonntag, wo sich der Sozialist Lula da Silva ganz knapp gegen den konservativen Amtsinhaber Jair Bolsonaro durchgesetzt hatte, gibt es massive Proteste überall im Land. Nachdem seit drei Tagen Tausende LKW-Fahrer mit ihren Fahrzeugen Straßen und Autobahnen blockieren und damit weite Teile des Wirtschaftslebens zum Erliegen bringen, gibt es seit dieser Nacht auch immer mehr Berichte von Demonstrationen vor Militärstützpunkten, wo ein Eingreifen der Armee gegen die Machtübernahme Lulas gefordert wird. In mindestens 18 Bundesstaaten und in wichtigen Städten wie Rio de Janeiro, São Paulo und Brasília – so berichtete die brasilianischen Zeitung „Folha de S. Paulo“ – wurde dabei ein „Eingreifen der Armee“ gefordert.

In Brasilien, das muss man wissen, wird ein Großteil der Güter mit LKWs transportiert, aus einigen Teilen des Landes wird berichtet, dass Supermärkte seit Tagen keine Obst, Gemüse und Fleisch mehr bekommen haben, aufgrund der Blockaden.

Über Twitter meldete sich nun vergangene Nacht Jair Bolsonaro öffentlich zu Wort. Locker, im blauen T-Shirt aber mit ernstem Gesichtsausdruck, forderte er seine demonstrierenden Anhänger dazu auf, die Straßenblockaden sofort zu beenden. „Die Sperrung von Fernstraßen in ganz Brasilien beeinträchtigt die Bewegungsfreiheit der Menschen“, sagte der amtierende Präsident. Und weiter:

„Man muss das Recht anderer Menschen, die unterwegs sind, respektieren – ganz abgesehen von dem Schaden für unsere Wirtschaft. Ich möchte an euch appellieren: Gebt die Straßen frei.“

Für mich klingt das nach eine Staatsmann, der die Verantwortung für sein Land und die Bürger wahrnimmt und gerade nicht nach einem rechten Scharfmacher, der Öl ins Feuer gießt, um eine Wahlniederlage rückgängig zu machen, wie deutsche Mainstreammedien uns die Geschichte unbedingt erzählen wollen. Ich finde beeindruckend, wie sich der Konservative Bolsonaro in diesen angespannten Stunden verhält. Übrigens auch ein wohltuender Unterschied zu Donald Trump 2021…

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.