Fünf Stühle, eine Meinung: Anne Will geht gar nicht mehr

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Liebe Leserinnen und Leser,

früher war über viele Jahre bei Kelles der Sonntagabend gesetzt als DER Fernsehabend der Woche. 20.15 Uhr Tatort, danach inspirierender Talk, erst mit Sabine Christiansen und dann mit Anne Will. Aber es ist nicht mehr zu ertragen, weder der Volksbelehrungs-„Krimi“, wo man schon nach zwei Minuten weiß, dass weder der Migrant noch der Umweltaktivist der Mörder sein können, weil das sind ja per se Gute in den zwangsgebührenfinanzierten Staatssendeanstalten. Tatort gucken wir im Jahr vielleicht noch zwei Mal, wenn irgendwas Besonderes angekündigt wird vorher oder es zu Hause so langweilig ist, dass außer TV nichts zu tun bleibt.

Anne Will, diese Sendung hat mit dem Wort Diskussion nichts zu tun. Auf Twitter las ich vorhin einen, der schrieb: „Anne Will – fünf Stühle, eine Meinung“. Und im Grunde ist es so, selbst wann manchmal einer oder eine eingeladen wird, den man als Watschenmann in die Runde setzt. Von der AfD, die erst im September wieder 5,5 Millionen Wählerstimmen eingesammelt hat, trifft man bei Will kaum mal einen, wohl weil die in der Argumentation oftmals richtig was drauf haben. Und sowas wollen wir dem deutschen Fernsehpublikum doch nicht zumuten, liebe Gutmenschen, oder?

Heute Abend wieder ein immer wieder ungern gesehener Stuhlkreis mit Spahn, Lindner, Baerbock, Schwesig und die Hofberichterstatterin Aman von der Kanzleramtspostille „Spiegel“. Spontan habe ich gedacht: Wie wäre es, wenn diese Runde zusammen auch gleich das neue Bundeskabinett bildet? Würde funktionieren, oder? Saskia Esken von der SPD ätzte vorhin auf Twitter: „…der Gesundheitsminister der geschäftsführenden Bundesregierung redet, als sei er bereits in der Opposition“.

Sie wollen keinen wirklichen Diskurs im Staatsfernsehen, sie wollen niemanden, der die Coronapolitik in Frage stellt, der offen ausspricht, was alle denken, wenn sie unsere neue Bundesaußenministerin Annalena Baerbock da sitzen sehen. Sie wollen keine anderen Argumente, keine anderen Ideen, keine anderen Köpfe. Sie wollen uniformes Denken fördern. Und deshalb muss man das wirklich nicht gucken. Wenigstens bleiben uns in Zukunft wohl die 1:1-Gesprächerunden Will/Merkel erspart. Obwohl, als elder stateswoman einmal in der Adventszeit, Will würde nicht zögern, Merkel auch dann noch einzuladen….

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.