Guter Rat an Bischof Marx: Einfach mal wieder Johannes 14 lesen….

ARCHIV - Kardinal Reinhard Marx ist Erzbischof von München und Freising. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
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von MARTIN D. WIND

MÜNCHEN – „Dogmatisch“ – was für ein Trigger! Der Begriff ist eine Zumutung für aufgeklärte, ein Ärgernis für freiheitsliebende, ein Unfug für rationale Menschen. Und dennoch: Es gibt da draußen eine Organisation, die nimmt für sich in Anspruch, bestimmte Sachverhalte „dogmatisch“ zu verkünden – die Kirche. Doch jetzt weht ein Ruf wie Donnerhall durch diese altehrwürdige Institution. Ein leibhaftiger Kardinal und amtierender Erzbischof des Erzbistums München und Freising, Reinhard Marx, hat seine Selbstzweifel zum Problem für die Kirche gemacht.

In einem Beitrag für die in Freiburg erscheinende Herder Korrespondenz geht er ans Eingemachte: Er kritisiert den Wahrheitsanspruch der Kirche und die Art und Weise, wie die Kirche die Frohe Botschaft verkündet. Unter anderem formuliert er, dass die Kirche bei der Evangelisierung „als bloßer Sender von Wahrheiten“ auftrete, „der die Empfängerseite zuzustimmen“ habe. Sein Verdikt „So gelingt Evangelisierung wohl kaum.“ Da kann was dran sein.

Gleichzeitig übersieht Marx, dass die Kirche sich zumindest bemüht, dem Anspruch Gottes gerecht zu werden, die Frohe Botschaft „allen Völkern zu lehren“. Etwas, was Papst Franziskus den Katholiken in Deutschland gerade wieder mit seinem Brief „An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ aus dem Juni 2019 ins Bewusstsein rufen wollte, was die meisten Bischöfe der Deutschen Bischofskonferenz aber beharrlich ignorieren.

Und dann kommt der Theologe im Kleriker zum Durchbruch: Marx bedauert, dass seitens der Kirche zu viel über Gott geredet werde, dies aber eben nur mit dem beschränkten Horizont des Geschöpfes geschehen kann, nicht aber die gesamte Dimension Gottes darstellen könne. Was das mit der Glaubensrealität im Alltag zu tun haben soll, müsste Marx erklären. Den geneigten Beobachtern in Deutschland sind deutlich andere Probleme vor Augen: In der Kirche wird mehr über die Kirche geredet als von und mit Gott, man hat sogar Gremien installiert, um sich intensiv der Betrachtung des eigenen Bauchnabels zu widmen, und vergisst darüber das Beten.

Und noch etwas scheint Marx „vergessen“ zu haben: Gott hat sich uns als Mensch geoffenbart. Genau darüber redet die Kirche. Was ist für einen Menschen greifbarer, als ein Mensch? Man sollte meinen, dass es von Gott ein kluger Schachzug war, Mensch zu werden, um so den Menschen – wie Herr Marx das pastoral so formulieren würde – „auf Augenhöhe“ zu begegnen und sie „dort abzuholen, wo sie stehen.“ Ein toller Kerl, dieser Jesus. Ein lieber Kerl, denn er war barmherzig, weil er um die sündige Natur von uns allen wusste und weiß! Das bedeutete aber nicht, dass Jesus in seiner unendlichen Güte, die Sünde nicht benannt hätte!

Ganz im Gegenteil: Jesus hat die Sünde immer wieder erwähnt. Er hat immer wieder deutlich gemacht, dass die Sünde das ist, was uns den Weg zu Gott, in den Himmel versperrt. Und Jesus war da auch sehr klar in der Ansage – Marx würde das wahrscheinlich in der direkten Konfrontation als „autoritär“ empfinden. Jesus hat z. B. den Ehebrechern im Gleichnis der Bibel sehr deutlich klar gemacht, dass sie „hinfort“ nicht mehr sündigen sollten, selbst wenn er sie jetzt nicht verdammt habe. Und so ist das mit allen Sünden, die wir aus der Bibel kennen und die wir anhand des Wertekanons der Bibel erkennen können: Ganz autoritär fordert Jesus/Gott uns Menschen dazu auf, diese Sünden zu lassen, sie nicht zu begehen und falls es doch passieren sollte, das zu bereuen und tätige Buße zu begehen.

Das ist ein Anspruch! Das ist SEIN Anspruch. Und wer, wenn nicht seine Kirche und deren Würdenträger sind berufen und berechtigt, diese Lehre, diese von ihm in die Welt gebrachte Wahrheit zu verkünden? Und selbstverständlich ist das für zeitgeistige Menschen unerträglich, dass Sie mit Konsequenzen konfrontiert werden, die ihr beliebiges Fehlverhalten zeitigen könnten. Sie reagieren oft kindisch, halten sich die Ohren zu, verschließen die Augen und machen „nananananana“ und die einfordernde Autoritätsperson, ist in deren Empfinden selbstverständlich zumindest ein „Doofmann“! Und selbstverständlich sind dergestalt unreife Snowflakes nicht willens, sich diesen Regeln zu unterwerfen.

Es hat aber sicher nichts mit Liebe zu tun, wenn Eltern aus Angst vor der Reaktion auf die klare Ansage zusehen, während ein Kind – trotz Verbots – auf die glühende Herdplatte greift! Genausowenig ist es Liebe und antiautoritär, wenn ein Hirte seiner Herde nicht die Richtung vorgibt und sehenden Auges beobachtet, wie die Herde über die Klippe zu stürzen droht. Das ist lieblose Dummheit. Zu dieser Einsicht gelangen Menschen meistens erst, wenn sie mit dem Erwachsenwerden eine gewisse Resilienz bezüglich des Umgangs mit Autoritäten entwickelt haben und Vernunft einsetzt.

Da hat also ein Amtsverweser der Kirche sein Empfinden als Kind seiner Zeit in Worte gefasst und sein Herz ausgeschüttet. Er übersieht, dass Geschmack und Stil irrelevante Attitude sind, wenn es um die Wahrheit geht. Man kann Marx nur noch empfehlen, vielleicht mal die Bibel herauszunehmen und bei Johannes 14 nachzulesen. Dort sagt Jesus etwas über sich, das der Kirche ein fundiertes Wissen und damit eine göttliche stellvertretende Autorität verleiht, die ihren Ursprung für Gläubige in ihrem Schöpfer hat: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ Was für ein arroganter und autoritärer Hinweis! – zumindest für Ungläubige.

Bildquelle:

  • Kardinal Marx: dpa
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