Hängen Sie Lichterketten auf und zünden Sie die erste Kerze an!

Anzeige

Liebe Leserinnen und Leser,

ist es Ihnen aufgefallen: Heute ist der 1. Advent! Ich bin sicher, die meisten von Ihnen haben diesen Tag als den Beginn der Weihnachtszeit im Blick, weil die Leser unserer Zeitung sehr stark bürgerlich geprägt sind, und zur Bürgerlichkeit gehört auch unbedingt, Traditionen zu bewahren und, ja für viele wenigstens, uns bewusst zu sein, dass wir historisch im christlich-jüdischen Abendland leben. Das ist ein großes Privileg ist, wenn Sie mal einen Blick in andere Regionen auf diesem Planeten werfen.

An so manchem Frühstückstisch in Deutschland wird heute die erste Kerze brennen – weil wir das ja immer so gemacht haben, unsere Eltern, unsere Großeltern. Zugegeben, zu deren Zeiten gab es nicht schon im August Zimtsterne und Spekulatius im Supermarkt, aber die muss man ja auch nicht kaufen. Inzwischen haben wir zu Hause auch aufgerüstet, Dominosteine, Aaachener Printen, Marzipankartoffeln – et jeht widda loss, wie der Kölner so schön formuliert, wenn das alljährliche Massenbesäufnis mit Verkleidung beginnt.

Ich liebe diese Traditionen, besonders die christlichen, weil der Anlass stets bombastisch ist. Die Geburt von Gottes Sohn, der auf die Erde geschickt wurde, um uns alle zu erlösen, selbst die, die nicht an ihn glauben…die Wiederauferstehhung des gefolterten, verhöhnten und gekreuzigte Jesus Christus von den Toten – das hat schon eine andere Qualität als der „Equal Pay Day“ oder der „Tag des Vollkornbrotes“.

Es ist so traurig, dass man sich bei wunderbaren Festen wie Weihnachten in den meisten Haushalten nur noch mit Nebensächlichkeiten beschäftigt. Haben wir alle Geschenke zusammen? Was essen wir am ersten Weihnachtstag? Brauen wir eine neue Lichterkette für den Baum vor dem Haus?

Gestern Abend waren wir in unserem engsten Freundeskreis zusammen, um den Geburtstag eines wunderbaren Freundes zu feiern. Es gab Gänsekeulen, Rotkohl und handgemachte Knödel, dazu bayerisches Klosterbier und/oder Rotwein. Ein wunderbarer Abend, tolle Gespräche – wir hatten zu Beginn des Abends vereinbart, dass wir „das C-Wort“ nicht benutzen. Dabei ging es nicht um eine frühere Volkspartei, die meine Stimme im Dauerabo hatte, sondern um das Virus, das uns alle in Atem hält. Wir haben es natürlich nicht ganz geschafft, es auszuklammern, aber solche Abende mit wirklich guten Freunden, die tragen zumindest Menschen wie mich durch die Zeit.

Ihnen allen einen gesegneten ersten Adventstag! Gern auch mit Zimtsternen und Dresdner Christstollen!

Ihr Klaus Kelle

Anzeige

Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.