Happy Birthday zum 55., Boris!

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Liebe Leserinnen und Leser,

Fußball-WM mit Armbinden-Streit, Krieg in der Ukraine, Inflation und horrende Energiekosten bei uns – man freut sich inzwischen schon, wenn der Liter Diesel nur 1,87 Euro kostet. Und das ist nur ein kleiner Teil unserer schrecklichen Wirklichkeit, da sich das Jahr 2022 langsam dem Ende zuneigt.

Aber wissen Sie, über was ich heute mit Ihnen philosophieren möchte? Darüber, dass Boris Becker gestern seinen 55. Geburtstag hatte.

Einst unser strahlender Held, das Bobbele, der Superstar in der Tenniswelt, der Wimbledon dominierte, die globale Boulevardpresse in Atem hielt, Parties auf seiner sündhaft teuren Finca auf Malle feierte, im Vorbeigehen sozusagen auch mal ein Kind im Treppenhaus zeugte und der heute in einer Zelle hockt im Gefängnis von Huntercombe, 70 Kilometer außerhalb Londons.

Wenig dringt nach außen, was hinter den Mauern dort passiert. Hat Boris gestern Besuch empfangen dürfen, hat ihm jemand einen Kuchen gebacken? Wir wissen es nicht, aber nach allem, was ehemalige Häftlinge erzählen, die mal in britschen Haftanstalten eingesessen haben, ist das keine gemütliche Zeit da drin.

Gibt es einen Promibonus für einen wie den Jungen aus Leimen?

Gut möglich, nicht von oben befohlen, sondern ich könnte mir vorstellen, dass sich andere Häftlinge durchaus ein bisschen stolz fühlen, mit „so einem“ gemeinsam beim Hofgang herumzulaufen. Und ich denke, Becker ist auch keiner, der den Wärtern und anderen Häftlingen Ärger machen wird. Ich bin sicher, der will einfach nur ohne größeren Stress seine Zeit da absitzen, bald nach Deutschland abgeschoben zu werden und dann tagsüber raus zu dürfen. Zu seiner Freundin, seinen Kindern, Verwandten. Er wird – zumindest vorübergehend – keine Lust mehr auf sein vorheriges Leben haben, den Presserummel, alle, die um ihn herumschwirrten, weil sie sich Vorteile erhofften, so lange er noch ganz oben war.

Ich habe Boris Becker niemals getroffen, aber seit er irgendwann auf dem Centre Court auftauchte, wusste ich, dass ein Ass nicht nur eine Spielkarte ist. Ich habe stundenlang vor der Glotze gesessen, wenn Becker spielte, habe seine Siege gefeiert und Zeitungsartikel über ihn gelesen. Und dann auch seinen Absturz verfolgt. Er ist ein tragischer Held, tragisch, aber auch irgendwie immer noch ein deutscher Held mit all seinen Schwächen und Fehlern, die er gemacht hat.

Ich hoffe, er kommt bald aus dem Loch da raus, darf nach Deutschland verlegt werden und dann nach Hause, was immer er als sein Zuhause ansieht.

Happy Birthday, Boris! Alles Gute für Deine Zukunft!

Mit herzlichen Grüßen,

Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.