Impfen lassen oder nicht? Eine Frage, die niemanden von uns kalt lassen kann

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Liebe Leserinnen und Leser,

willkommen zur frühmorgendlichen Psychoanalyse, also der persönlichen Statusmeldung von Klaus Kelle in Sachen Bewusstsein und Stimmungslage! Ist wirklich ein bisschen erhebend, wenn sich jeden Tag 20.000 Menschen oder mehr anhören, also eigentlich lesen, was mich gerade jetzt beschäftigt. Danke Ihnen für Ihr Interesse!

Gestern Abend habe ich mit vier meiner besten Freunde übers Impfen geplaudert, also ob wir uns impfen lassen wollen oder nicht. Bisher hat noch keiner von uns einen Termin angefragt, aber die Aussicht, dass danach unser normales Leben im Sommer zurückkehren könnte, übt einen fast unwiderstehlichen Reiz aus. Einer der Jungs, 50 Jahre jung, hat in der zweiten Maihälfte Geburtstag. Den runden vergangenes Jahr konnte er nicht feiern wegen Corona. Fünf Tage nach ihm bin ich dran, auch noch im Mai. Klar werden wir alle im Kreis der Famile irgendwas machen, aber ein Fest mit den besten Freunden auf der Terrasse, grillen, Rotwein und kaltes Pils…boaaah, ich darf gar nicht daran denken…

Die Corona-Monate haben uns verändert, wir haben gelernt, zu tun, was uns die staatlichen Autoritäten vorschreiben. Wir schauen fassungslos zu, wie Grundrechte – Bewegungsfreiheit, Meinungsfreiheit, soziale Kontakte – in einem Maße eingeschränkt werden, das keiner von uns jemals für möglich gehalten hätte in diesem Deutschland, in dem wir doch angeblich alle gut und gerne leben. Wir alle arbeiten im Home Office, ein Firmenchef, eine Manager, ein Unternehmensberater und ich, der Journalist. Besprechungen per Videokonferenz – funktioniert, schade, dass wir nicht mit Kollegen zwischendurch mal einen Kaffee trinken gehen können. Aber sonst? Die Kinder sind immer da, viel mehr als früher sehen wir uns jetzt, morgens um 10 Uhr ausgiebig zusammen frühstücken jeden Tag, das ist schön.

Wie wird es sein, wenn die Normalität zurückkehrt? Wenn…sie zurückkehrt, denn viele Menschen glauben, das wird nie mehr so werden, wie es mal war.

Eben im Auto telefoniert mit einer schreibenden Kollegin, einer guten Freundin schon fast. Ich erzähle ihr vom Gespräch mit meinen Buddies, und sie ist sofort richtig empört, dass wir überhaupt nur in Erwägung ziehen, uns impfen zu lassen. Alles absurd, die ganze Corona-Krankheit ist eine Bedrohung nur für einen vergleichsweise kleinen Teil der Bevölkerung, sagt sie. Unter 100 Tote am Tag, das gab es auch bei früheren Grippewellen, sagt sie. Und ob ich mir mal Zahlen angeschaut hätte, wie viele Menschen in Deutschland jeden Tag am Missbrauch von Alkohol und Drogen sterben? An verengten Herzkranzgefäßen, an Fettleibigkeit und ungesunder Ernährung. „Würde dieser Staat deshalb auch die Wirtschaft an die Wand fahren und so viele Existenzen vernichten?“ Warum aber jetzt? Steckt vielleicht viel mehr dahinter, als wir alle ahnen? Mich überzeugt dieser Punkt nicht wegen der handelnden Personen an der Spitze in Deutschland. Traue ich Bill Gates, George Soros und den Bilderbergern einen Masterplan zu, das Antlitz unserer Erde neu zu gestalten? Ich fürchte, das ist nicht ganz auszuschließen. Aber Angela Merkel und Karl Lauterbach? Ich bitte Sie!

Und der Vergleich mit den Opferzahlen? Wenn auf Facebook heiß diskutiert wurde nach islamistischen Terroranschlägen – dann kam immer, wirklich immer, einer daher und hielt mit vor, jedes Jahr stürben in Deutschland mehr Menschen bei Autounfällen als auf dem ganzen Globus zusammen bei islamistischen Terroranschlägen. Regen Sie sich doch nicht auf, ein bisschen Schwund ist immer, so lautete die Botschaft. Aber das regt mich dann richtig auf, weil ich einen befreundeten Kollegen habe, der sich im März vergangenen Jahres infiziert hatte – beim Umtrunk am VIP-Abend eines Fußballspiels. Zusammen mit drei anderen, die auch am Tisch saßen. Und der ist bis heute – nach einem Jahr – nicht wieder vollständig hergestellt. Und er ist zehn Jahre jünger als ich.

Oder meine erste Frau, meine Schulliebe mit 16, die heute als Anästhesieschwester in einem großen Krankenhaus in Norddeutschland arbeitet. Wenn ich nur einen ganz leichten Zweifel anzudeuten wage, ob das mit Covid-19 denn wirklich so dramatisch sei oder vielmehr eine Art schlimmer Grippe, dann flippt sie völlig auf und schreit mich an – was sie früher nie gemacht hat – weil sie jeden Tag auf der Intensivstation der Klinik sieht, wie Menschen mit schweren Krankheitsverläufen qualvoll um ihr Leben ringen. Jeden Tag. Und viele schaffen es dann nicht.

Es gibt keinen gleichen Weg für uns alle, jeder muss selbst entscheiden, ob er oder sie sich AstraZeneca in den Körper jagen lassen will oder nicht. Die meisten Bürger werden das tun, aber es gibt wirklich keinen Grund, diejenigen zu schmähen, die für sich selbst entscheiden, die Impfung abzulehnen.

Und das bringt uns zur entscheidenden letzten Frage: Darf man dann Menschen aus dem gesellschaftlichen Leben ausschließen, die sich aus freiem Willen nicht impfen lassen?

Denken Sie drüber nach! Wenn Sie eine Lösung haben, lassen Sie es uns wissen!

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.