Irgendwie über den Winter kommen

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Liebe Leserinnen und Leser,

Deutschland setzt in diesen Monaten plötzlich selbstbewusste Marken überall in der Welt. Getrieben durch den russischen Angriff auf die Ukraine, durch die Folgen der Sanktionen, durch eine katastrophale Energiepolitik seit Jahren, durch Energiekrise und Inflation, macht die Bundesregierung etwas, was gerade Konservative in der Vergangenheit immer gefordert haben. Sie formulieren eine Außenpolitik, in der zunehmend wieder deutsche Interessen zum Tragen kommen.

Machen wir uns nichts vor, das tun die Scholzes, Baerbocks und Lindners nicht aus freiem Willen, sie tun es aus purer Verzweiflung.

Wenn die Regierung nicht in der Lage sein sollte, beheizte Wohnungen für die Bürger im anbrechenden Winter zu organisieren, dann ist sie danach weg, die Bundesregierung.

Aber – ich habe das vor Monaten schon geschrieben – soweit wird es nicht kommen. Deutschland übersteht diesen Winter, weil sie jetzt alle Anstrengungen unternehmen, ausreichend Gas ranzuschaffen aus Norwegen, Katar, und Habeck würde auch nach TakaTuka-Land fahren und sich vor irgendeinem Emir dort tief verbeugen, wenn der Flüssiggas-Transporter losschickt.

Ein klein wenig meine ich auch, wieder einen wachsenden gesellschaftlichen Zusammenhang zu spüren. Gestern Mittag war ich in der Cigar-Lounge meines Vertrauens, und es war wirklich kalt. Der Eigentümer, ein sehr guter Freund von mir, erzählte, dass der Besitzer der Immobilie die Heizung noch nicht angeschaltet habe. Er mit Wollmütze auf dem Kopf im eigenen Laden, die anderen Zigarrenfreunde in dicken Jacken mit Schal, ich im Wintermantel mit dem Laptop zum Arbeiten, dazu heißen Kaffee und eine Partagas. Wir ziehen das durch. Ich drehe zu Hause die Heizkörper auf 1 Grad runter, wenn ich rausgehe, erstmals in meinem Leben achte ich darauf, ob noch irgendwo im Haus ein Licht brennt.

Gestern war Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in Singapur und warb dafür, die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Asien und dem Pazifik-Raum „deutlich breiter“ aufstellen. «Die Asien-Pazifik-Region ist viel mehr als China», sagte er bei einer Konferenz dort.

Er versprach, die Freihandelsabkommen mit Australien, Indien und Indonesien voranzutreiben und stellte weitere solche Vereinbarungen in Aussicht. «Meine Botschaft ist: Deutschland würde gerne die wirtschaftlichen Beziehungen mit Ihrer Region stärken», sagte er.

Hätte das früher einer von der CDU gesagt – die meisten von uns hätten gejubelt. Deutschland macht endlich eine eigene Außenpolitik, formuliert endlich, was gut für unser eigenes Land ist und erst dann folgen andere. Und jetzt macht das ein Sozi, assistiert von zwei Grünen. Nicht zu fassen.

Ich halte diese Bundesregierung für schwach, manchmal erscheinen sie uns stark, weil wir in einer schweren Krise sind und uns freuen, dass die überhaupt etwas machen und nicht bräsig allem tatenlos zuschauen, wie das unter den beiden Gott-sei-Dank vergangenen Merkel-Kabinetten gewesen ist. Aber wir wollen auch nicht den Blick trüben lassen: Dieser Bundeskanzler ist handlungs- und entscheidungsschwach, er wird getrieben von seinem grünen Koalitionspartner, von der EU und der NATO. Er hat gar keine Wahl, als das Richtige zu tun, weil sonst auch der Letzte erkennt, wie schwach dieser Mann ist, der die Regierung unseres Landes anführt.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.