Irrenhaus Deutschland: Kommt unser „Z“ doch holen, wenn Ihr euch traut!

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Liebe Leserinnen und Leser,

mir drohen drei Jahre Haft oder eine empfindliche Geldstrafe. Davor warnen mich seit drei, vier Tagen zunehmend Leser und Freude. Das orangefarbene und geschwungene „Z“ im Titel TheGermanZ könnte von den Behörden als Zeichen der Sympathie für Putins Krieg in der Ukraine gewertet werden, so sagen sie. Ein Freund, ein bekannter Name in der deutschen Medienlandschaft, schickte mir über WhatApp spontan eine besorgte Nachricht: „Z ist das neue Hakenkreuz, sofort raus aus dem Titel!“

Also, ich weiß ja nicht. Ich antwortete ihm, dass ich erst einmal abwarten wolle, ob das Z auch aus dem deutschen Alphabet entfernt werde. Und wo fängt das alles an, wo hört das auf?

„Wer durch das „Z“-Symbol öffentlich Zustimmung zum Angriffskrieg von Russlands Präsidenten Putin auf die Ukraine zum Ausdruck bringt, muss in Niedersachsen mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen“, sagte am Freitag der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD). Und er bezog sich auf den Paragrafen 140, 2 des Strafgesetzbuches: Demnach wird ein Verhalten unter Strafe gestellt, das als öffentlich zur Schau getragene Billigung von Angriffskriegen zu verstehen und geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören. Bayern hat sich der Initiative bereits angeschlossen. Auch NRW-Innenminister Herbert Reul, so wird auf Facebook kolportiert, denke darüber nach, ob man sich anschließen solle.

Und wieder ist das so ein Dejavus, ein Moment, in dem ich denke: Haben die noch alle Tassen im Schrank?

Dabei ist das ja nicht einmal etwas Neues, denn – zwar nicht strafbewehrt, aber mit sozialer Ächtung sanktioniert – Begriffe wie Sarotti-Mo…, Ne..r oder Zig…tzel sind ja schon verpönt. Und ein Waschmittel mit dem Namen „88“ wurde aus dem Handel genommen, weil der achte Buchstabe im Alphabet „H“ ist, und 88 ist danach HH, und das wiederum steht für den üblichen Gruß zur Huldigung eines noch größeren Psychopaten in der Weltgeschichte als den, der Ihnen jetzt gerade spontan einfällt.

Nun also das „Z“ nicht mehr benutzen, weil es als Solidaritätszeichen für Putin gedeutet werden könnte? Was, wenn sie zufällig ein Autokennzeichen mit einem Z haben? Müssen Sie dann zum Straßenverkehrsamt und ein anderes holen? Und überhaupt: Was ist mit den Fahrzeugen und Uniformen vom Zoll? Kann das nicht als Putinverstehen der Beamten ausgelegt werden? Und das ZDF? Sofort abschalten, oder? Wäre sowieso eine gute Idee.

Ziegenkäse, Zimt, Zitrone, Zucchini – wer dabei gesehen wird, dass er oder sie das zubereitet und isst – zack, sofort in Haft. Könnte mit Russlands Verbrechen in der Ukraine zu tun haben.

Und Urlaub auf Zypern? Alle Fluggäste mit Sonnenbrille und Hawaihemd direkt festnehmen am Flughafen. Stoppt Putin! Und gleich Bußgeldbescheide vor Ort verteilen. Wir zeigen es dem Kriegsverbrecher jetzt aber mal so richtig. Klamotten von Zara verbieten wir unserer Kleinen, das ist leicht, auch wenn sie vielleicht versuchen wird, heimlich bei Zalando zu bestellen.

Ich könnte diese Liste noch endlos weiterführen, aber ich denke, Sie teilen meine Meinung, dass hier wieder zum folgenlosen Aktionismus aufgerufen wird, zum Gratismut. Und hier ist dieser Begriff tatsächlich angebracht. Es beeindruckt niemanden, wenn man kein „Z“ mehr benutzt, es verkürzt den Krieg nicht, es führt auch den Köpfen von Putinfans nicht mehr Sauerstoff im Großhirn zu. Es ist einfach völlig alberner Aktionismus. Sonst nix.

Was HH oder 88 bedeuten soll, habe ich übrigens erst erklärt bekommen, als es schon verboten wurde. Durch solche Aktionen popularisiert man erst das, was man ja eigentlich weghaben will.

Wir haben das in der Redaktion besprochen – wir werden durchhalten und unser „Z“ im Namen so lange behalten, bis ein SEK vor der Tür steht. Im Keller gibt es einen Raum, der mit einer Eisentür verschlossen werden kann, Milchpulver ist da, Herforder Pils und eine Kaffeemaschine. Sollen Sie doch kommen und versuchen, unser Z zu holen…

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.