Jesus Christus trug Sandalen, er hatte keinen Mercedes mit Chauffeur

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Liebe Leserinnen und Leser,

als ich vor mehr als 20 Jahren den Sprecher des damaligen Kölner Erzbischofs Joachim Kardinal Meisner zu einem Kennenlern‘-Gespräch traf, zeigt er mir gleich zu Beginn eine aktuelle Studie, im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz erstellt. „Der Besuch der Heiligen Messe an Sonntagen wird in den nächsten zehn Jahren um 30 Prozent sinken“, sagte er und deutete auf die dicke Studie. Und ich fragte spontan: „Welche Konzepte haben Sie im Schreibtisch, um diese Entwicklung aufzuhalten?“

Ich glaube, er hat meine Gegenfrage gar nicht verstanden. Wie Gegenmaßnahmen? Gegen das Schrumpfen des Volkes Gottes? Aber halt, es schrumpft ja gar nicht. In weiten Teilen der Welt ist der christiche Glaube absolut trendy. Nur hier nicht, in den trägen, satten Wohlstandsgesellschaften des Westens, in denen gilt: Je mehr Kohle in der Kasse, desto weniger Glauben, desto weniger Begeisterung für die Botschaft Jesu, desto weniger Mission.

Dass Kirchensteuersystem ist der Tod für die christlichen Kirchen, die mal Volkskirchen waren.

Ja, sie haben schöne Gemeindehäuser, in denen sich trefflich über den Synodalen Unsinn diskutieren lässt. Über Belanglosigkeiten, wo übers Klima diskutiert und gegendert wird. Ich bin oft nahe daran, an meiner Kirche zu verzweifeln. Ein Drittel meines Lebens war ich evangelisch, seit 43 Jahren bin ich katholisch. Die Gründe, warum ich 1981 aus der Lippischen (EKD-) Landeskirche ausgetreten bin, sind die Gründe, die die Zerstörer der katholischen Kirche in Deutschland seit vielen Jahren auch durchsetzen wollen. Und besonders ekelhaft: Sie instrumentalisieren die vielen widerwärtigen Fälle von sexuellem Missbrauch für ihre modernistische Agenda.

Die Dinge, die mich damals veranlasst haben, zu konvertieren, holen mich heute mit Macht wieder ein.

Ich will keinen politischen Streit in meiner Kirche, will nicht darüber diskutieren, ob bei den 12 Jüngern Jesu vielleicht heimlich eine Frau dabei war und nur vergessen wurde, es aufzuschreiben damals. Lesen Sie bei Dan Brown nach, der schreibt das ja auch…wird schon was dran sein.

Ich will katholisch sein, meinen Glauben still und in Demut leben. Ich habe keinen Auftrag zu missionieren, aber ich erzähle gern, warum ich an Gott glaube und die Lehre Jesu für revolutionär halte. Wenn mich jemand fragt. Und wenn nicht, dann ist es auch in Ordnung.

Als ich katholisch geworden bin damals, war ich unglaublich fasziniert von der Liturgie. Sonntags war die Bude bis auf den letzten Platz besetzt in unserer Gemeinde. Jeden Sonntag. Und hinter den Sitzbänken standen noch 30 oder 40 Leute, die keinen Platz mehr gefunden hatten. Ich war mal bei einer Messe im Petersdom zum Fest Heilige Drei Könige, die von Papst Benedikt XVI zelebriert wurde. Meine Frau, meine Mutter (evangelisch) und ich knieten neben der Familie des italienischen Bildungsministers. Und wir waren bei der Seligsprechung der inzwischen Heiligen Mutter Teresa von Kalkutta inmitten von Hunderttausenden auf dem Petersplatz. Und oft zur Osternacht im Kölner Dom, Weihrauch, dass man den Erzbischof vorne am Altar kaum erkennen konnte. Das war bombastisch, es waren emotionale Erlebnisse, die niemand vergisst. Aber, meine lieben Freunde, das ist nicht entscheidend.

Entscheidend ist die Lehre Jesu, und ganz entscheidend ist Gott.

Klingt einfach, oder? Ist es aber nicht. Ich habe Jahrzehnte gedacht, ich bin katholisch, erst mehrere richtig miese Niederschläge haben mich irgendwann an den Punkt gebracht, dass ich mich auf das ganze „Paket“ uneingeschränkt eingelassen habe. Und wissen Sie was? Dann wird plötzlich alles rund, alles ist logisch und passt zusammen. Nochmal: Ich rede nur von Gott und davon, was Jesus gesagt hat. Nicht von Herrn Bätzing, nicht vom Synodalen Weg, nicht von Frauenpriestertum, nicht von Kirchenverwaltungsämtern und nicht von Bischöfen, die mit Fahrer im Dienst-Mercedes am Volk Gottes vorbeirauschen. Jesus Christus trug Sandalen, soweit man weiß. Und auf ihn kommt es an, nicht auf den Adventsbasar im Gemeindehaus und fair gehandelten Kaffee.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.