Kein guter Morgen, Deutschland!

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von KLAUS KELLE

Noch immer wissen wir nicht viel mehr, als am späten gestrigen Abend. Ein Mann ist mit einem LKW auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz gerast, hat Menschen und Buden umgefahren, zwölf sind tot, 48 verletzt, manche noch in Lebensgefahr. Über die Hintergründe und die Motive des Fahrers gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. Aber es gibt da so einen Verdacht, so ein wachsendes Gefühl, so eine…ja, fast schon Gewissheit, dass wir eben doch bereits wissen, was da passiert ist und warum. Zu oft haben wir es erlebt, in Paris und Brüssel, Nizza, Würzburg und Ansbach. Und das sind nur die Tatorte in unserer unmittelbaren Nähe. In den sozialen Netzwerken das übliche Spiel: die einen wissen schon genau, dass es die Flüchtlings-Politik von Frau Merkel war, die uns diesen Terror ins eigene Land getragen hat. Die anderen gehen erst einmal davon aus, dass ein polnischer LKW-Fahrer einfach nur aus Versehen falsch abgebogen ist. Aber genau genommen WISSEN wir noch gar nichts.

Machen wir uns nichts vor: Der Mann am Steuer ist nicht falsch abgebogen, er ist genau dort hingefahren, wo er hinfahren und töten wollte. Die Tageszeitung „Die Welt“ berichtet heute Morgen, der Tatverdächtige, der gestern Abend festgenommen wurde, sei ein Flüchtling aus Pakistan. Wenn das stimmt, und ich halte die „Welt“ für eine seriöse Zeitung, dann wird die Tragödie von gestern Abend Deutschland weiter verändern. Im Hinblick auf die Besucherzahlen von öffentlichen Großveranstaltungen und im Hinblick auf die politische Stimmung im Land und die anstehenden Wahlen kommendes Jahr.

Doch erst einmal ist jetzt der Moment der Trauer. Es ist der Moment, innezuhalten, zu beten und an die Menschen zu denken, die durch diese Gewalttat völlig überraschend aus dem Leben gerissen wurden. Fünf Tage vor dem Weihnachtsfest, dem Fest des Friedens. Für die Opfer und ihre Angehörigen werden es furchtbare Tage. Ihr Leben wird nie mehr so sein, wie vorher.

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.