Keine Sommer-Wies’n und keine Kamelle fangen in kurzen Hosen

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Liebe Leserinnen und Leser,

interessieren Sie sich überhaupt noch für Volksfeste? Karneval fällt aus, Schützenfeste fallen aus, St. Martins-Umzüge werden abgesagt – und in den Bundesliga-Stadien ist auch tote Hose, wenn man so ein Spiel als Volksfest werten will.

«Die Wiesn bleibt, wo sie ist, wann sie und wie sie ist», hat gestern Münchens Wirtschaftsreferent Baumgärtner klargestellt. Heißt: Das größte Volksfest der Welt, das Münchner Oktoberfest, beginnt entweder am 17. September, oder es fällt coronabedingt zum dritten Mal aus. Dann schauen sechs Millionen Besucher aus aller Welt erneut in die Röhre.

Eine Verlegung in den Sommer als „Sommer-Wies’n“ – naaaa, des mog der Bayer nicht. Und ich verstehe das. Obwohl ist selbst ein Anti-Karnevalist bin, den Leuten aber ihren Spaß göne, empfinde ich auch die Verlegung des Düsseldorfer Rosenmontagzuges auf den 29. Mai als überaus seltsam. Kamelle wirft und fängt man, wenn es kalt ist und leicht der Schnee rieselt, nicht bei 26 Grad Celsius.

Aber gut, jeder nach seiner Facon. Irgendwie habe ich das Bauchgefühl, dass auch der Düsseldorfer Umzug noch abgesagt wird, aber schauen wir mal.

Im Grunde dreht sich ja meine Betrachtung hier um das altbekannte Thema: Wann hört das mit der Pandemie und mit all den ständig wechselnden Einschränkungen endlich auf? Keiner weiß es, gut möglich, dass im Juli die nächste Variante und anschließend Welle aus Mombasa zu uns herüberschwappt, und dann geht alles weiter wie in den vergangenen zwei Jahren.

Aus dem Gesundheitsministerium eines Bundeslandes wurde mir vor ein paar Tagen berichtet, man gehe intern davon aus, dass der jetzige Zustand bis ins Frühjahr 2023 anhalten werde. Erst dann sei das Schlimmste vorüber. Könnte, hätte, sollte – niemand, wirklich niemand kann uns etwas Verbindliches sagen. Und irgendwann wissen wir gar nicht mehr, wie sich so ein Oktoberfest anfühlt und was man da so macht….

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.