Männerzeugs am Grill: Duscht Ihr eigentlich jeden Tag? Und warum sind Rasierklingen immer so blöde verpackt?

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Liebe Leserinnen und Leser,

kennen Sie das: Sie sind bei Freunden eingeladen, keine große Party, kein feierlicher Anlass, aber sie wissen, es gibt ein bisschen was zu essen und zu trinken. Also, na klar: Sie wollen irgendwas mitbringen und nicht mit leeren Händen an der Haustür klingeln. Und was bringt die gute bürgerliche Deutsche mit? Aber sicher: ein Fläschchen Wein. Roter geht immer, aus Italien, Frankreich, Chile oder Kalifornien. Da kann man nichts falsch machen.

Blöd nur, wenn man da mit einer extravaganten Flasche in der linken Hand klingelt, und sie dem Gastgeberpaar als Geschenk genau diese Flasche überreichen, die sie selbst von den Beiden vor vier Monaten geschenkt bekommen haben. Mehr peinlich geht nicht.

Wir waren gestern Abend nur eine Handvoll Jungs, engster Freundeskreis, zivilisiertes Rheinland, also Großraum Düsseldorf.

Zweimal pro Jahr treffen wir uns bei einem guten Freund, der einen großen Grill sein eigen nennt, und wo wir nach den – gestern – gegrillten Kalbssteaks dann zum Eingemachten kamen, zu den Themen, die für Männer wirklich wichtig sind. So wie das eigene Registriersystem von selbst gekauften Weinflaschen und denen, die man mal geschenkt bekommen hat. Damit es keine peinlichen Momente gibt.

Ich sage Ihnen, meine Damen, Sie würden staunen, was Kerle so reden, wenn wir ganz unter uns sind, Steaks essen, Bier und Wein trinken. Gestern ganz großes Thema: Wie finden wir im Rewe- oder Edeka-Markt die passenden Rasierklingen? Wir waren uns gestern schnell einig, dass uns alle die Gillettes und Wilkinsons verarschen. Selbst, wenn wir uns vorher zu Hause noch aufschreiben, welche Klinge wir für die Nassrasuren der kommenden Wochen benötigen – die gibt es nicht mehr oder dort gerade nicht. Und wenn sie die Verkäuferin fragen, was zu unserem Nassrasierer-Griff denn passen könnte und sie etwas empfehlen, dann merken Sie spätestens zu Hause im Badezimmer, dass die Klingen doch nicht passen.

Weil diese Klingen-Sätze aber auch so umständlich verpackt und eingeschweißt sind, dass man sie nur mit brachialer Gewalt aufbrechen kann, gehen Männer danach, wenn sie festgestellt haben, dass nichts zueinander passt, mit der zerstückelten Verpackung auch nicht wieder in das Geschäft zum Umtausch, weil jede Verkäuferin mit einem kurzen Blick feststellt, was für Trottel wir doch sind. Und wer will das denn? Pfeif“ auf die 13,95 Euro, weil es sonst viel peinlicher werden kann…

Und so plätscherte der außergewöhnlich unterhaltsame Kerle-Abend gestern vor sich hin. Duscht Ihr eigentlich jeden Tag? Und so richtig, mit Duschgel oder nur kurz Wasser? Kalt oder heiß? Ich empfahl meinen Buddys das Duschgel „Griechischer Joghurt“ von Fa, im Moment mein persönlicher Favorit. Und erzählte, wie ich mal zum Geburtstag vor einigen Jahren ein Duschgel „Buttercookie“ geschenkt bekam, das wahrscheinlich coolste meines Lebens. Und dass es das heute nicht mehr gibt, was ich sehr bedauere.

Ja, so ein Männerabend…Fleisch und Alkohol gehören zwingend dazu, am Grill zu stehen, in die Glut schauen und schweigen. Herrlich. Von wegen Fußball, Autos, Malle- oder Ischgl-Wochenenden und Puffbesuche – was Böswillige Männern so nachsagen, hier geht’s ans Eingemachte, wenn wir uns zweimal im Jahr unter Männern treffen. Auf Liegestühlen saßen wir draußen, Glas Rotwein in der Hand, und erzählten uns, wie und wo wir damals unseren angehenden Frauen den Heiratsantrag gemacht hatten, was schiefgegangen ist, was spontan zwei Minuten vorher verschoben werden musste, und was der Papa der Braut uns am Telefon sagte. Glauben Sie mir, wir hatten viel Spaß gestern Abend.

Wir machen sowas viel zu selten, es muss nicht jedes Mal mit Partner oder Ehefrau sein, es geht auch mal nur mit Jungs, so wie ich vergangene Woche schon beim Männer-Grillabend in einer freikirchlichen Gemeinde, und so wie ich den wunderbaren Frauen jedes Sektfrühstück und jeden Latte Macchiato-Nachmittag im Straßencafe von Herzen gönne, so müssen auch wir Kerle mal hin und wieder unter uns sein und uns vergewissern, wer und wie wir sind.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.