Man ist stets bemüht um die „Asylwende“ – aber es reicht überhaupt noch nicht

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser!

Veränderung ist machbar, Herr Nachbar! Dieser abgewandelte frühere Sponti-Spruch fiel mir eben ein, als ich die jüngsten Äußerungen von Andreas Roßkopf las, der in der Gewerkschaft der Polizei (GdP) für den Bereich Bundespolizei verantwortlich ist. Und Roßkopf, ein Mann der nah dran ist bei seinen Bundespolizisten, sagt Positives. Über die sogenannte „Asylwende“, von dieser immer noch nicht allzu beliebten Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD.

62.500 unerlaubte Einreisen nach Deutschland habe man im vergangenen Jahr festgestellt. 2024 waren es 83.500, im Jahr davor sogar noch 127.500.
Naja, aber dass man weniger festgestellt hat, bedeutet nicht automatisch, dass es weniger gegeben hat. Es bedeutet nur,…dass man weniger festgestellt hat.
Aber: Die Zahl der Erstanträge auf Asyl sank im Jahr 2025 schon deutlich auf etwa 110.000, nachdem sie im Vorjahr noch bei rund 230.000 gelegen hatte. Also richtige Richtung!

Und: 21.300 Personen wurden abgeschoben.

Klingt erstmal gut, aber Moment…da war doch was

Richtig! Allein im Zeitraum von Januar bis September registrierten die deutschen Behörden rund 735.000 Zuzüge nach Deutschland. Ein Drittel von ihnen waren Zuwanderer aus den 27 Mitgliedsstaaten der EU, was vermutlich niemand, der bei Sinnen ist, als Problem ansehen wird. Denn – nicht vergessen – Deutschland fehlen Arbeitskräfte. Knapp drei Millionen Menschen sind im Moment offiziell arbeitslos gemeldet, die Zahl der arbeitssuchenden Menschen ist sogar noch höher, weil es da noch welche gibt, die bereits gekündigt wurden oder nur befristete Arbeitsverhältnisse haben.

Wenn man dann noch Personen dazurechnet, die beispielsweise an Weiterbildungen teilnehmen oder kurzfristig erkrankt sind, liegt die Zahl derer, die faktisch eine Arbeit suchen oder staatliche Unterstützung zur Arbeitsaufnahme benötigen, bei ca. 3,58 Millionen in Deutschland.

Deutschland braucht Menschen aus anderen Ländern, nicht nur bei der Spargelernte, die den Laden hier am Laufen halten. Da beißt die Maus keinen Faden ab, und jeder Unternehmer wird ihnen bestätigen, wie schwierig es heutzutage ist, gute Mitarbeiter zu gewinnen, selbst wenn die Arbeitsbedingungen im Betrieb und das Gehalt gut sind.

Aber zurück zum Zuwanderungsland Deutschland

Im Jahr 2025 wurden allein etwa 110.000 Visa zur Zusammenführung von Familien erteilt. Und da allein relativiert sich die Freude über weniger Asylanträge und mehr Abschiebungen im niedrigen fünfstelligen Bereich dann doch.

Wir haben keine Asylwende, wir haben allenfalls eine Asylwende eingeleitet. Und das ist dem umtriebigen Alexander Dobrindt von der CSU zu verdanken, der einzige Bundesminister, der mal etwas heraussticht aus dem Grau-in-Grau dieser Bundesregierung. Ich will da nicht plump Politiker-Bashing betreiben, habe ich noch nie. Und mir wird zum Beispiel in Berlin erzählt, dass Digitalministr Karsten Wildberger (CDU) einen „sehr guten Job“ mache.
Ich weiß nicht, wie viele von Ihnen den Namen schon mal gehört haben
Ich habe ihn vergangenes Jahr bei einer Veranstaltung zum Thema Modernisierung unseres Staates in Berlin erlebt. Das war gut, was er da sagte. Sowohl zur Notwendigkeit umfassender Reformen als auch zum konkreten Vorgehen. Und ich erinnere mich auch, dass er in der Diskussion gefragt wurde, wie viele Fax-Geräte es in seinem Ministerium noch gebe. Ein echter Lacher, leider weiß ich Wildbergers konkrete Antwort nicht mehr. Ich meine mich zu erinnern, er antwortete, zwei gäbe es noch im ganzen Ministerium.

Aber gut, ich hab den Eindruck, dass beim Thema Migration/Asyl etwas in die richtig Richtung läuft. Wenigstens ein kleiner Lichtstreifen am Horizont, aber wirklich nur in ganz kleiner. Es geht alles zu langsam, es wird nicht konsequent genug vollzogen allein bei den Abschiebungen. Aber man ist bemüht..

GdP-Mann Roßkopf lobt den Willen der Bundesregierung und beklagt gleichzeitig aber zurecht die Arbeitsbedingungen der Bundespolizisten an den Grenzen, die den Schleuserbanden allein technisch mit veralteter Kontroll- und Überwachungstechnik oft deutlich unterlegen seien.

Das alles klingt nach gutem Willen aber noch viel harter Arbeit. Die „Asylwende“ ist noch nicht da, und die „Politikwende“ leider schon mal gar nicht.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.