Mein Beruf, meine Stadt…

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Liebe Leserinnen und Leser,

mit Berlin ist es so wie mit Annalena Baerbock. Also für mich. Es ist…ambivalent.

Frau Baerbock ist bei den Grünen, eine Partei, die ich in meinem ganzen Leben noch nie gewählt habe und vermutlich auch bis ans Lebensende niemals wählen werde. Die Grünen stehen für alles, was ich aus ganzem Herzen ablehne. Besonders die bewusst vorangetriebene Zerstörung der traditionellen Familie, die verstörende Frühsexualisierung unserer Kinder, die Reglementierung unserer Gesellschaft, das GenderGaga, die Einschränkungen der Unternehmen, das grenzenlose Relativieren des Lebensschutzes… Wenn es etwas gibt, was für  mich unwählbar ist, dann sind es die Grünen.

Und dennoch, dieser Satz kostet mich jetzt wieder 50 Leser, finde ich, dass Annalena Baerbock persönlich als deutsche Außenministerin bisher einen wirklich guten Job macht, und dass sie ein gutes  Bild in der Welt abgibt. Als ich vor einigen Wochen einen guten Freund nach mehreren Jahren traf und wir uns spätabends in einer Kneipe im schönen Bielefeld bei Pils und Ouzo zusammenfanden, kam das Gespräch schnell auf den Ukraine-Krieg. Und Manu sagte, während er das nächste Glas Ouzo hob: „Möchtest Du in dieser Zeit wieder Merkel, Altmaier und Maas da vorn stehen haben?“ Und ich antwortete: „Im Leben nicht.“

Aber es ist eben nicht alles so einfach. In der Politik, beim Fußball, in der Liebe. Und, jetzt verliere ich die nächsten 50 Leser, ich bin total gerne in Berlin.

Eine großartige Stadt, ein quirliger Schmelztiegel, wenn Sie so wollen. Berlin hasst man oder liebt man, dazwischen gibt es nichts. Berlin hat diese Probleme mit den Araber-Clans, mit der Massenmigration, mit der antifa, mit den Schulden, mit dem Sozialbetrug, mit der Hundescheiße, mit den heruntergekommenen Schulen, mit den linksextremen Vollhonks…aber wenn ich da vorhin in einer Pause an einer Bude Unter den Linden eine Currywurst extra scharf mit Pommes/Majo ziehe und dann inmitten dieses Multikulti-Trubels, Horden von Touristen auf ihrem Weg zum „Brandenburg Gate“ beobachte und mich an den flatternden schwarz-rot-goldenen Fahnen erfreue, und den französischen, russischen, amerikanischen und ungarischen auf den Botschaftsdächern, dann fühle ich mich zuhause.

Niemals würde ich hier mit meiner Familie, mit unseren Kindern hinziehen, zu chaotisch alles, zu links, zu instabil, aber die schrillen Typen auf der Straße, die ungewöhnliche Mischung, das hat schon was. Zwischen 1988 und 1995 habe ich hier gelebt, die vielleicht prägendste Zeit meines Lebens. Ohne Berlin wäre ich anders, als ich heute bin. Die Großstadt, der Job als Polizeireporter, der Fall der Mauer, die vielen Begegnungen danach in Ostdeutschland, die vielen neuen Freunde, einige habe ich heute noch hier. Die Einheit, 3. Oktober auf der Pressetribüne vor dem Reichstag live on air bei zwölf Privatradios in Deutschland, die Gänsehaut beim Anblick der gigantischen Menschenmenge Ost und West und dieses Meer von schwarz-rot-goldenen Fahnen, das macht etwas mit einem.

Und Susanne, aber das ist eine ganz andere Geschichte, und das ist ja auch über 30 Jahre her. Aber auch sie war Teil meines Berlins damals, und ohne sie und unsere Ausflüge in den linksextremen Sumpf dieser Stadt würde ich heute auch viele Dinge mit ganz anderen Augen sehen. Alles hängt mit allem zusammen. Immer…

Ich freue mich total, wenn ich hier bin. Das hängt mit den vielen Freunden zusammen, die ich hier habe – Ost, West – wen interessiert das noch? Mit den vielen Erinnerungen an die Zeit der Wende damals. Wenn ich mit dem Auto da bin, fahre ich abends manchmal noch einen Umweg, um zu schauen, ob diese oder jene Kneipe von damals noch existiert. Oder ist schaue den Ausflugsdampfern auf der Spree zu, bevor ich zum nächsten Termin, zu einem Abgeordneten in der Wilhemstraße, in den Reichstag oder wo auch immer hinfahre.

Diese vier Tage jetzt sind anstrengend, die letzte Sitzungswoche vor der parlamentarischen Sommerpause. Und viele Sommerfeste und Einladungen. Schwarze, Blaue, Gelbe, die ganze bunte Vielfalt. Am Abend durfte ich an einer Auszeichnung meines Freundes Moritz Hunzinger in der ungarischen Botschaft als Gast teilnehmen. Ein großartiger Mann, patriotisch durch und durch und unglaublich witzig. Heute Abend werde ich bei einem Sommerfest von unionsnahen Mittelständlern vorbeischauen. Später noch ein Bier in einer Strandbar. Dazwischen ein Interview mit einer Abgeordneten, die ich persönlich noch nicht kenne. Spannend. Dann TelCo mit Freunden im Baltikum, mittags Lunch mit einem politischen Freund. Und so weiter. Nach 45 Jahren liebe ich meinen Beruf immer noch so sehr…

Vor der Fahrt in meine Unterkunft vorhin noch zwei Glas Wein mit drei AfD-Politikern auf die Schnelle. Wir hoben unsere Gläser mit kaltem Grauburgunder und stießen an auf den gestrigen 4th of July, den amerikanischen Unabhängigkeitstag. „Nicht perfekt, aber ein großartiges Land“, sagte einer am Tisch. Seh’n se, dit is Berlin!

Einen schönen Dienstag, wo immer Sie heute auch sein werden!

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.