Mit Campingkocher, Nudeln und Klopapier im Keller: Was tun, wenn die Lage auch hier bei uns eskaliert

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Liebe Leserinnen und Leser,

deutsche Intellektuelle haben einen Offenen Brief geschrieben. Etwa 20 Persönlichkeiten wir  Jakob Augstein, Svenja Flaßpöhler, Alexander Kluge, Richard David Precht, Ilija Trojanow, Harald Welzer und Juli Zeh haben unterschrieben und rufen zu einem sofortigen Waffenstillstand auf. So weit, so gut. Aber dann wird es spannend.

Wenn Sie einen Brief schreiben, dann falten Sie den, packen ihn in einem Umschlag, kleben eine Briefmarke drauf und werfen den Umschlag in den Postkasten. Das bedingt allerdings, dass Sie vorher  einen Adressaten auf den Umschlag schreiben. Diese von Medien als Intellektuelle identifizierten Personen haben ihren Brief allerdings an „den Westen“ geschrieben. Und da wird es grotesk, denn wenn man eine Brief an jemanden schreibt, der die Waffen ruhen lassen soll, wäre es dann nicht sinnvoll, denjenigen anzuschreiben, der die Waffen unablässig feuern und zerstören lässt in der Ukraine?

Warum also schreiben diese klugen Köpfe nicht an den Präsidenten der Russischen Föderation und fordern ihn auf, meinetwegen bitten ihn untertänigst darum, mit dem Zerstören, Morden und Vergewaltigen im Nachbarland aufzuhören? Würden Sie doch auch so machen, oder? Die Kinder vom Nachbarn schmeißen ihre Fensterscheiben ein, dann gehen Sie rüber, oder? Und schreiben nicht einen Offenen Brief an die Glaserinnung.

Ich halte diesen Offenen Brief, ebenso wie vorher den um Alice Schwarzer und ihre Angst vor dem Krieg für nichts als ohnmächtigen Aktionismus eines Volkes, das nach Jahrzehnten Taka-Tuka-Land plötzlich in die raue Wirklichkeit gerissen wird. Was, es ist Krieg? Aber das können die doch nicht maaachen… Doch, können sie. Und wie jetzt weiter?

Deutschland, die große Wirtschaftsmacht im Herzen Europas, ist wieder einmal völlig unvorbereitet auf eine bedrohliche Situation. Bedrohlich für uns alle. Lebensbedrohlich.

Am Samstag um 12 Uhr läuteten bei uns im Kaff wieder die Sirenen. Pünktlich, damit jeder weiß: Ist ja nur eine Übung, nicht so wichtig.

Wäre es nicht sinnvoll, mal Donnerstag um 16 Uhr oder Montag um 9 Uhr Probealarm zu veranstalten? Damit wir die eigene Aufmerksamkeit schärfen? Also, wenn ich Wladimir Putin wäre und einen Atomschlag gegen Deutschland plante, ich würde die Raketen samstags um 11.58 Uhr starten. Dann sind die Deutschen beim aldi und kaufen Grillfleisch fürs Wochenende. Wenn es dann draußen losheult, guckt niemand auch nur einen Moment hoch. Ach ja, 12, kennen wir…

Ich hab mal geschaut, was bei uns immer so vorrätig ist. Nudeln und Klopapier, klar, kennen wir von Corona-Ausnahmezustand. Und wo Nudeln sind, da stehen auch Gläser mit „Arrabiata“-Aufschrift, denn wir müssen im Ernstfall ja auch was drüber schütten über die Nudeln, wenn sie schon mal da sind.

Was immer im Haus ist – Bayreuther Helles und Espresso-Tabs. Ob wir damit bei einem Raketenangriff überleben würden…ich bin etwas skeptisch.

Der leider zu früh verstorbene Journalist und Bestsellerautor Udo Ulfkotte hat in seinen letzten Lebensjahren – er starb im Januat 2017 – empfohlen, die Bürger sollten daran arbeiten, sich stärker selbst zu versorgen, statt sich auf andere oder gar den Staat zu verlassen. Ulfkotte wurde in den Mainstreammedien und wird bei wikipedia – raten Sie mal! – als Verschwörungstheoretiker und Rechtspopulist bezeichnet. Das könnte erst einmal für ihn sprechen, wenn ich mir so anschaue, wer während der Corona-Krise auch alles so bezeichnet wurde. Und ein paar Ausreißer aus dem gesunden Menschenverstand gab es natürlich auch.

Aber ist das die Lösung, Petersilie und Kartoffeln im Garten angebaut zu haben, wenn der Russe kommt? Und was soll ich mit Espresso-Tabs, wenn es keinen Strom mehr gibt? Ja, bitte, ich weiß, es gibt auch die gute alte Art, Espresso aufzubrühen, aber auch da muss man eine heiße Herdplatte haben oder einen Campingkocher. Klingt alles immer so leicht, aber – jetzt Achtung! – alle zusammen: Der Teufel steckt im Detail.

Wenn es jetzt eine militärische Aggression gegen Deutschland gäbe, wären wir – entschuldigen Sie! – am Arsch. Nicht unbedingt militärisch, weil da ja immer noch irgendwo der große Bruder und die demnächst 32 Staaten der NATO-Familie wären. Aber was nützt das, wenn der Russe zurückgeschlagen würde, wir aber alle tot sind und Hamburg, Köln und Dresden so aussehen wie 1945 schon mal?

Jede Initiative für den Frieden, jeder Appell, die Waffen zum Schweigen zu bringen, jeder Runde Tisch ist erstmal zu begrüßen, so aussichtslos das alles bei einem Menschenschlag Putin auch ist. Aber eins muss auch klar sein: Wenn ein Waffenstillstands-Brief, dann an den schicken, dem wir, vor allem aber die Menschen in der Ukraine, das alles zu „verdanken“ haben. Und der heißt Putin.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.