Mit dem goldenen Shuttle durch Hamburg – Ridepooling kann viel mehr als ÖPNV und Taxis

Die neue Form urbvaner Mobilität: Ridepooling in Hamburg.
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von KATHARINA SCHUWALSKI

HAMBURG – Es gibt so Tage und Wochen, da passt einfach alles. Man hat zu tun, aber nicht zu viel, sodass kein Stress entsteht. Ein Termin nach dem anderen fügt sich wie von Zauberhand in den Terminkalender, immer gerade dorthin, wo noch entspannt Zeit ist. Man tritt auf die Straße, und die Sonne kommt hinter den Wolken hervor. Mitten im Berufsverkehr läuft man zur U-Bahn, die genau in diesem Moment einfährt. Natürlich nicht überfüllt. Alles passt und fügt sich, wie bei einer grünen Welle. Panta rei.

Und dann gibt es so Tage und Wochen, da ist es genau umgekehrt. Sozusagen Murphys Gesetz in Dauerschleife. Der Wecker klingelt während der Tiefschlafphase, die Klopapierrolle ist alle, die Kaffeemaschine will entkalkt werden und streikt. Man tritt auf die Straße, und es beginnt zu nieseln. Der Wind verbiegt den Regenschirm, der dann bricht. Die U-Bahn fährt genau in dem Moment ab, wenn man die Treppe runterläuft. Wichtige Anrufe kommen genau dann, wenn man mit jemand anderes telefoniert. Und von sieben Terminen in der Woche sollen vier an einem, drei am nächsten Tag sein. Nichts fügt sich, nichts fließt. Rote Welle.

So ähnlich sah auch die vergangene Woche bei mir aus. Manchmal ist es eben so. Ich bin grundsätzlich Optimistin und versuche da entspannt zu bleiben. Doch manche Hürden kann man einfach nicht überwinden. Zum Beispiel hätte ich es mit den Öffentlichen nie und nimmer zu den Terminen geschafft, sie sind einfach langsam und unzuverlässig. Und so großartig das eigene Auto ist, so unmöglich ist das Parkplatz-Finden in manchen Vierteln, gerade wenn man es sehr eilig hat. Also habe ich mal etwas Neues ausprobiert.

Seit einiger Zeit sind auf Hamburgs Straßen schwarz-goldene, futuristisch aussehende Fahrzeuge unterwegs. Von der Größe her irgendwas zwischen großer Van und kleiner Shuttle-Bus. Inzwischen sieht man ziemlich viele davon, um genau zu sein sind es 170. Nur hören tut man sie kaum, denn sie sind alle elektrisch.

Mit diesen leicht galaktisch wirkenden Shuttles kann man jederzeit von A nach B kommen, wenn man die zugehörige App hat. Dort gibt man Start- und Zielort ein, bucht eine Fahrt und bekommt wenig später mitgeteilt, wo genau man abgeholt wird. Es gibt über 15.000 virtueller Stopps in Hamburg. Dann geht man zum Abholort, steigt ein und bezahlt über die App. Der Clou am Konzept ist, dass ein Pooling-Algorithmus die Fahrtanfrage jeweils schon laufenden Fahrten zuordnet und den Kunden gemeinsam mit anderen Personen auf einer dynamischen Route befördert. Es können also jederzeit Leute aus- oder dazusteigen, was natürlich die Kosten reduziert. Ridepooling ist der Fachbegriff für diese Art von Mobilitätsdienst, bei dem Fahrten von Personen gebündelt werden. Ein Service, den es so bislang nur in Hamburg und Hannover gibt. Ich wollte das schon lange einmal ausprobieren – jetzt war die perfekte Gelegenheit.

Also schnell die App runtergeladen, meine Daten eingegeben und mich orten lassen. Siehe da, der nächste virtuelle Stopp war gleich um die Ecke, zwei Minuten Fußweg, sagt die App. Alles wird direkt in der Karte angezeigt. Mein goldener Abholservice sollte in sechs Minuten da sein und die Fahrt 5,80 Euro kosten, also etwas mehr als ÖPNV, weniger als ein Taxi. Klick, gebucht!

Die Ankunftszeit wird ungefähr angegeben, mit einem Zeitrahmen von etwa zehn Minuten. Tatsächlich, das Fahrzeug war pünktlich da. Ich stieg ein und setzte mich in einen der sechs hell-beigen Sitze. Jeder hat eine bequeme, hohe Kopfstütze, die auch für zusätzliche Privatsphäre sorgt. Alles ist sehr sauber und neu. Außer mir und dem Fahrer, mit dem man gar nicht sprechen braucht, war nur eine andere Frau im Shuttle. Mit Kopfhörern und ganz vertieft in ihr Handy, das am Kabel hing.

Ich schaute mich um und sah, dass jeder Sitz einen USB-Anschluss hat. Wlan gibt es natürlich auch. Schon praktisch, dachte ich mir, das können viele Taxis nicht. Dabei ist das nur zeitgemäß. Leise glitten wir durch den Verkehr. Wie gesagt, alles elektrisch. Nach ein paar Minuten fuhren wir rechts ran, die Tür öffnete und die Frau stieg aus. Schon ging es weiter und ohne weitere Zwischenstopps zu meinem Ziel. Also stieg ich auch aus und auf meinem Handy leuchtete die Frage auf, ob ich dem Fahrer Trinkgeld geben möchte – zehn, fünfzehn, zwanzig Prozent des Fahrpreises oder „diesmal nicht“. Wenn man etwas auswählt, wird das automatisch mit abgebucht. Kein lästiges Kleingeld-Suchen, nur ein Klick. Auch wieder praktisch. Und dass man von vornherein weiß, was man zu zahlen hat, auch ein Vorteil gegenüber dem Taxi.

Ich steckte mein Handy weg und war zufrieden. Das hätte ich viel früher ausprobieren sollen! So ein Angebot ersetzt für mich nicht das eigene Auto, aber die Fahrt war sehr entspannt, bequem und hat vollkommen reibungslos geklappt – ganz untypisch für diese Woche.

Bildquelle:

  • Ridepooling_Hamburg: schuwalski
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