«Oh, Gott sei Dank!» Tessa verlässt das RTL-Dschungelcamp…

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Liebe Leserinnen und Leser,

haben Sie es schon gehört? Tessa Bergmeier ist als dritte Kandidatin aus dem RTL-„Dschungelcamp“ rausgewählt worden. Eine wahre Tragödie, denn die 33-Jährige bekam in der Folge am Sonntagabend die wenigsten Zuschauerstimmen und muss die Show deshalb verlassen.

Krieg in der Ukraine, Energiekrise, Inflation, gewalttätige Migranten – und Millionen unserer Landleute gucken sich immer wieder diesen Müll an.

Nichts gegen Tessa Luise Bergmeier aus Überlingen. Wirklich nicht. Sie hat ihren Hauptschulabschluss, sieht wirklich attraktiv aus – darf man das als alter weißer Mann noch sagen? – und wirkte laut Wikipedia „in verschiedenen Formaten des Reality-TV mit und tritt auch als Sängerin und Schauspielerin in Erscheinung“.

Ich bin seit über 40 Jahren Journalist und ein großer Teil meiner Arbeit besteht darin, zu lesen. Leute wie ich saugen jeden Tag Informationen auf. Haben immer einen Blick dafür, wenn irgendwo was passiert, auch im Alltag. Nicht nur Eilmeldungen auf N-TV und Schlagzeilen der BILD, auch auf dem Weg morgens zum Bäcker. Warum quillen die städtischen Mülleimer an der Bushaltestelle über, wer ist schuld, dass die nicht in kürzeren Abständen geleert werden, was machen eigentlich die Stadtwerke beruflich, warum redet der Ortsteilbeirat nicht darüber und ändert das? So ticken Leute, die Zeit ihres Lebens Reporter sind.

Aber: Ich habe den Namen von Tessa Luise Bergmeier bis heute noch nie vorher gehört. Schande über mein Haupt!

Was ich eigentlich sagen will: Viele Menschen, die jeden Tag wirklich etwas leisten für ihre Familie, die Gesellschaft, im Beruf – die stehen nie in der Zeitung oder sind nie im Fernsehen zu sehen.

Dort finden wir entweder die, die qua Amt wichtig sind wie manche Politiker oder qua echter Prominenz wie zum Beispiel Bundesliga-Profis, die fürs tägliche Training und Tore schießen Millionen verdienen mit 25 Jahren. Aber C- Promis auf RTL?

Die Asis beim „Frauentausch“ oder „Promiboxen“ sind die neuen Helden unserer Zeit, oder sagen wir, eines Teils unserer Gesellschaft. Und wenn Sie manche Wahlergebnisse nicht verstehen, dann überlegen sie, warum Millionen Menschen solche inszenierten Belanglosigkeiten gucken!

2008 bewarb sich Tessa beim Männermagazin FHM bei für die Wahl zur „Nachbarin des Jahres“

Und sie war auch schon „Party-Coach“ bei der RTL-Doku „Mitten im Leben“. Tessa kandidierte sogar, nein, nicht für den Stadtrat, sondern als „IT-Girl“ bei Michael Ammer. Und natürlich war sie auch bei „Germany’s Next Topmodel“, dabei, beim „Frauentausch“ musste sie sogar mal auf einem Bauernhof leben und brach sich bei den Aufnahmen einen Arm. Tragisch. Sie reiste dann mit Gipsarm zu weiteren „Topmodel“-Shootings (das sind keine der üblichen Schießereien in Ami-Land, sondern Fotoaufnahmen). Und, jetzt der Hammer: Für den Medizin-Nobelpreis reichte es zwar nicht, aber sie wurde 14. in der Castingshow. Und nach diesem Erfolg wurde sie dann auch für das Cover (den Titel) der FHM abgelichtet.

Mehr kann man nicht erreichen, oder?

Wenn man all die beknackten Fernsehformate bei den Privaten anschaut, sehnt man sicb für ein paar Sekunden nach dem Staatsfunk zurück. Und dann sieht man Krömer, Restle und Will und möchte überhaupt nie wieder Fernsehen schauen.

Es gibt, das ist meine Botschaft zum Tag, nicht nur politische Parallelwelten. Linksextremisten in den Kellern irgendwelcher besetzter Häuser, die dort verwahrlosen. Reichsbürger, die „sichere Häuser“ mieten und Waffen horten für den Endsieg. Nein, es gibt auch die Blase der Belanglosen, der Dummköpfe, die Kartoffelchips in sich reinschaufeln und jeden Tag stundenlang Asi-Fernsehen gucken. Und ich weiß nicht, vor wem wir mehr Angst haben sollten.

«Oh, Gott sei Dank!», rief Tessa Bergmeier gestern freudestrahlend, als sie aus dem „Dschungelcamp“ flog. «Ich bin nicht traurig, aber ich drücke euch gern alle nochmal.»

Wir sind auch nicht traurig, Tessa. Fühl Dich von uns zurückgedrückt…

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.