Rechtlos in der Einzelzelle – vergessen Sie Alexej Navalny bitte nicht!

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Liebe Leserinnen und Leser,

haben Sie in diesem Jahr schon einmal an Alexej Navalny gedacht? Sie wissen schon, den vor zwei Jahren noch ärgsten Kritiker des russischen Präsidenten Putin. Der Millionen Zuschauer mit seinem Video im Internet über Korruption und Geldverschwendung und die riesige Luxusvilla des Führers im Kreml zeigte? Das war schon ärgerlich für Putin, wo doch auch gerade die Veröffentlichung der sogenannten „Panama Papers“ das ganze Ausmaß der Korruption dieses Präsidenten und seines Buddy-Umfelds vor aller Welt sichtbar machte.

Ja, und plötzlich war da Nervengift im Tee, eine miese Methode der russischen Nomenklatura, lästige Kritiker loszuwerden. Alexander Litwinenko hat es nicht geschafft, ihm verabreichte man Polonium in London. Sergei Skripal, vergiftet mit Nowitschok, hat knapp überlebt. Navalny auch. Es hat aber nichts mit nichts zu tun natürlich, und im Zweifel waren es dann die CIA oder die Bilderberger.

Denn Putin ist ein ehrenwerter Mann.

Navalny hat den Giftanschlag knapp und mit deutscher Ärztekunst überlebt. Und dann flog er in seine Heimat nach Russland zurück, wohl wissend, dass sie ihn da einsperren würden. Er habe sich nämlich, so die Richter, als er vergiftet und halbtot in Deutschland zur Behandlung war, nicht wie gerichtlich angeordnet regelmäßig in Russland bei der Polizei gemeldet. Allein diese zynische Begründung zeigt, was Russland heute für ein Staat ist.

Zurzeit ist Alexej Nawalny mal wieder in einer Einzelzelle eingesperrt.

Die Gefängnisleitung habe bereits am 31. Dezember für insgesamt 15 Tage Isolationshaft angeordnet – als Strafe dafür, dass er sich morgens einige Minuten zu früh sein Gesicht gewaschen habe, ließ Nawalny über sein Team auf Instagram mitteilen. Den Angaben zufolge handelt es sich bereits um die zehnte mehrtägige Einzelhaft, seit er im vergangenen Sommer in die Strafkolonie 6 in Melechowo etwa 260 Kilometer nordöstlich von Moskau verlegt wurde.

Nawalnys Anwalt Wadim Kobsew twitterte, sein Mandant sei erkrankt und leide unter Fieber, Schüttelfrost und Husten. Bislang sei es noch nicht gelungen, ihn mit Medikamenten zu versorgen. Nawalnys Unterstützer sind überzeugt, dass die Gründe, mit denen der 46-Jährige immer wieder in Einzelhaft verlegt wird, nur vorgeschoben sind, um seinen Willen zu brechen.

Wir haben keine Möglichkeiten, dem armen Kerl in russischer Isolationshaft zu helfen. Unsere einzige Waffe ist, die Gedanken an Navalnys Schicksal wach zu halten in der westlichen Öffentlichkeit. Damit sie ihn nicht einfach verschwinden lassen, irgendwo im Gefängnisgarten zwei Meter unter der Erde einbuddeln. Weil er wagte, den Führer zu kritisieren.

Navalny selbst, für seinen makabren Humor bekannt, sagte nach Silvester, erstmals seit seiner Kindheit habe er Neujahr verschlafen – weil die Bestimmungen in der Isolationszelle Bettruhe ab 21.00 Uhr vorsehen. «Insgesamt bin ich zufrieden», fügte er hinzu. «Andere Menschen zahlen Geld dafür, um irgendwie auf ungewöhnliche Weise Silvester zu feiern – und ich habe das kostenlos bekommen.

Denken Sie an Navalny, beten Sie für ihn. Er lebt in großer Gefahr.

mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.