Sanktionen und der Ölpreis treffen Russlands Haushalt empfindlich

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Liebe Leserinnen und Leser,

die stärkste Waffe, die Russlands Präsident Wladimir Putin in seinem Kampf gegen den Westen insgesamt hat, sind nicht seine Soldaten, veraltete Panzer und Söldner-Gruppen. Russland hat neben seinen Atomraketen nur einen wirklichen Trumpf: das sind seine reichlich vorhandenen Bodenschätze, das sind Gas und Öl. Nur deshalb kann sich der Kreml den Krieg gegen die Ukraine überhaupt leisten.

Doch nun fallen die Ölpreise global, und das könnte zu einem ernsten Problem für Putin werden.

Im vergangenen Jahr kostete ein Fass Erdöl der russischen Referenzmarke „Urals“ im Schnitt 76 US-Dollar. Da durch die westlichen Sanktionen – angeblich so wirkungslos – etwa die Staaten der Europäische Union, mit zwei Ausnahmen, kein russisches Öl mehr kaufen, muss sich die Russische Föderation andere Absatzmärkte suchen. Doch der Weltmarktpreis für ein solches Fass liegt derzeit bei 50 US-Dollar, und Länder wie China und Indien wollen nur 30 zahlen, wohl wissend, dass Putin enorm unter Druck steht, sein Öl auf dem Weltmarkt zu platzieren, manche sagen zu verramschen.

Hinzu kommt, dass das neue Sanktionspaket der EU den Transport durch größtenteils unter der Flagge von EU-Mitgliedsstaaten fahrenden Öltankern enorm einschränkt.

All die Spötter, die in den Sozialen Netzwerken behaupten, Russland gehe es heute viel besser als vor den westlichen Sanktionen, haben überhaupt keine Ahnung.

Die Fakten liegen auf dem Tisch.

Nach offiziellen russischen Zahlen im Dezember steigen die Kosten für den Krieg in der Ukraine exorbitant, während gleichzeitig durch die Marktlage und die Sanktionen die Einnahmen durch Energie-Exporte deutlich schrumpfen.

Das russische Defizit – offizielle Zahlen – lag im vergangenen Monat bei 56 Milliarden Dollar – mehr als Russland in den elf Monaten vorher insgesamt an Überschüssen erwirtschaftet hatte.

Der russische Finanzminister Anton Siluanow rechnete öffentlich vor, dass die Russische Föderation im vergangenen Jahr unter dem Strich 47 Milliarden Dollar Miese gemacht hat. Das sind 2,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Vor Beginn des Krieges hatte der Kreml einen Überschuss angekündigt. Und selbst noch im September hatte Putin versprochen, dass Russland einen Überschuss von fast sieben Milliarden Dollar erwirtschaften werde.

Selbst die russische Zentralbank warnt inzwischen davor, dass die westlichen Sanktionen und die Kosten des Krieges Russlands Wirtschaft stärker treffen könnten als bisher erwartet.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.