Schauen Sie sich die Kandidaten vor Ort genau an, bevor Sie wählen!

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von KLAUS KELLE

Donald Trump hat sich seinen neuen Job nicht so schwer vorgestellt. Das bekannte der amerikanische Präsident am 100. Tag im Amt in einem Interview. Er dürfe nicht mehr selbst autofahren, sei ständig von Leibwächtern umgeben. Nun ist der mächtigste Mann des Planeten vielleicht nicht der Normalfall, aber Verantwortung in der Politik zu haben, ist kein Zuckerschlecken.

Viele Bürger haben Vorstellungen von „denen da oben“, die sich die Taschen vollmachen, von Chauffeuren in dunklen Dienstlimousinen durch die Lande kutschiert werden – am darbenden Volk vorbei. Und die arbeitsfaul sind und Zyniker. Und ja, solche Politiker gibt es. Ich habe als politischer Redakteur einige kennengelernt in Berlin und Düsseldorf.

Aber wissen Sie, was ich noch mehr kennengelernt habe? Politiker, die ihren Job mit großem Engagement machen. Ja, wirklich. Es sind in der Regel die Leute ab der dritten Reihe in einem Parlament, die sich akribisch auf Sitzungen im Fachausschuss vorbereiten, regelmäßig Bürgersprechstunden abhalten und dann Briefe und Briefe an Behörden und Minister schreiben, um jemandem zu helfen, dem die Versicherung übel mitgespielt hat.

Ich möchte an dieser Stelle mal eine Lanze brechen für die Volksvertreter, die ihren Job ernst nehmen. Klar denken die auch an ihre Altersversorgung, wer tut das denn nicht? Und sie freuen sich auf die Dienstreise, irgendwohin zu „Gesprächen“ und „Projekten“, wo auch die Sonne scheint und es abends einen guten Drink gibt.

Aber die meisten Politiker nehmen das ernst, was sie tun. Davon bin ich überzeugt. Sie sind überzeugt, das Richtige zu tun. Sie hocken bis zwei Uhr nachts in einem Ausschuss, um bei einer wichtigen Angelegenheit die Abstimmung bloß nicht zu verpassen. Bald wird gewählt – in Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und dann im September in ganz Deutschland. Nehmen Sie das als Wähler ernst. Und schauen Sie genau hin, wen Sie wählen, bevor Sie dann wieder vier Jahre lang über „die Politiker“ schimpfen.

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.