Schmeißt Armin Laschet hin? «Wenn es mit anderen Personen besser geht, dann gerne»

ARCHIV - «Wenn es mit anderen Personen besser geht, dann gerne»: Armin Laschet. Foto: Michael Kappeler/dpa
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von KLAUS KELLE

BERLIN – Unionskanzlerkandidat Armin Laschet hat seine Bereitschaft angedeutet, eigene Ambitionen für mögliche Jamaika-Verhandlungen mit Grünen und FDP zurückzustellen. Was das aber konkret heißt, ließ er offen. Wird er weiter CDU-Vorsitzender bleiben? Welche Ambitionen hat er in Berlin? Eine „Rückfahrkarte“ in die Staatskanzlei in Düsseldorf hatte er schon vor der Bundestagswahl ausgeschlossen. Will er Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion werden? Das will Amtsinhaber Ralph Brinkhaus aber bleiben. Niemand wartet auf Armin Laschet, schon gar nicht nach der überaus schwachen Performance im Wahlkampf.

«Wenn es mit anderen Personen besser geht, dann gerne», habe der CDU-Chef am Donnerstag in einer Informations-Schaltkonferenz der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zur aktuellen Lage der Union gesagt. Weiter sagte er demnach: «Erst steht das Projekt, und dann die Person.»

Laschet kündigte nach Angaben von mehreren Teilnehmern eine personelle Neuaufstellung auf einem Parteitag an – von der Spitze bis in die Gremien. Die Partei brauche keine Schlacht mehr zwischen Personen, sondern einen gemeinsamen Konsensvorschlag. So wie er es in Nordrhein-Westfalen jetzt mit Henrik Wüst gemacht habe. Laschet hatte den nordrhein-westfälischen Verkehrsminister Wüst am Dienstag als Nachfolger vorgeschlagen – als Ministerpräsident und als CDU-Landesparteichef. Genau genommen kann er Wüst erst einmal nur als Ministerpräsidentenkandidaten vorschlagen, denn die CDU ist auch in NRW total runter, und bei der aktuellen Lage ist es weit wahrscheinlicher, dass wieder jemand von der SPD im traditionellen Stammland der Sozis an die Spitze des größten Bundeslandes gewählt wird als der CDU-Politiker Wüst.

Laschet sagte demnach über die Verhandlungen mit Grünen und FDP am Sonntag und Dienstag, man sei sehr gut vorbereitet gewesen. Dass keine Vertraulichkeit habe geleistet werden können, sei kein gutes Zeichen. Viele Menschen würden noch auf eine Jamaika-Koalition aus Union, Grünen und FDP warten. «Wir müssen bis zur letzten Sekunde bereit sein und niemanden beschimpfen», wurde Laschet zitiert. Er wisse nicht, wie SPD, Grüne und FDP ihre Themen in einer Ampel zusammenbringen wollten.

Die Partei brauche keine Schlacht mehr zwischen Personen – da hat Laschet zweifellos recht. Aber die CDU braucht ganz neue Köpfe in der Spitze, vor allem Personen, die nicht mit den unerträglichen Jahren der Merkel-Regentschaft in Verbindung gebracht werden. Wenn ich jetzt höre, welche Namen genannt werden für die neue Führung, dann kann man auch die bisherigen Funktionäre einfach im Amt lassen, und die verwalten dann den Niedergang so lange, bis die Partei Adenauers und Kohls endlich bedeutungslos ist wie die italienische Schwesterpartei DC heute. Die Union – und da schließe ich CSU-Chef Markus Söder unbedingt mit ein – hat nur dann eine Zukunft, wenn sie zukünftig programmatisch und personell alle Flügel und Positionen wieder reprasentiert, die sie einmal auszeichnete – den konservativen, den (wirtschafts-)liberalen und den christlich-sozialen. Dieses linksgrüne Anpassertum, das von all den Merkels, von der Leyens, Günthers, Laschets und wie sie alle heißen gepflegt wurde, braucht kein Mensch mehr.

Bildquelle:

  • Armin Laschet: dpa
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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.