Tiroler Wildbahn und Dschungel-Floßfahrt in „Österreich“: Im Ländle drehen sie jetzt komplett durch

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Liebe Leserinnen und Leser,

in Deutschland gibt es viele Freizeitparks, in denen Familien ihr Geld mit Achterbahnfahren, Zuckerwatte und auf Wasserbahnen verballern können. Der schönste und größte Park hierzulande ist der Europa-Park in Rust. Als wir früher im Badischen lebten, waren wir häufig dort. Aber da war es noch nicht so spektakulär wie heute, und es gab auch nur ein Hotel.

Wenn Sie in NRW leben, dann haben Sie das Phantasialand in Brühl vor der Haustür und diverse Angebote in Holland oder den Movie-Park in Bottrop oder den Safaripark in Stukenbrok und so weiter.

Wir alle wissen: Wo es leicht und unbeschwert ist, da sind die Volkserzieher von Links besonders in Deutschland schnell zur Stelle. So auch in Rust in Baden-Württemberg, wo einst die CDU den Park genehmigt und den Ausbau mit eigenem Autobahnanschluss und interessanten Genehmigungen nach Kräften gefördert hat, und wo nun Herr Kretschmann und die Grünen regieren, was irgendwie noch halbwegs funktioniert, weil der Daimler für genügend Wirtschaftskraft sorgt, um den Öko-Spuk irgendwie zu finanzieren.

Aber Baden-Württemberg, das ist schon etwas Besonderes für unsereins. Als ich damals für einen guten Job in Freiburg ins Badische zog – vorher hatte ich sieben Jahre in Berlin gelebt – das war ein echter Kulturschock. „Wohnet Sie au hia?“, wollte eine Dame wissen, als sie an einem Samstag zufällig an unserem Haus im 600-Seelen-Dorf vorbeischlenderte. Ich nickte, wunderte mich aber doch ein wenig, denn die Frau wohnte zwei Häuser weiter, und wir waren seit drei Jahren Nachbarn. Wirklich, der Südwesten hat viele Sonnenseiten wie das Wetter, die Landschaft und die „Straußi“-Wirtschaften der Weinbauern. Aber die Spießigkeit der Eingeborenen ist auch überall mit Händen zu greifen. Aber ich will nicht meckern, ich habe da unten wunderbare Leute kennengelernt, gutes Geld verdient und eine unvergessliche Nacht im modrigen Keller eines Einfamilienhauses verbracht.

Die Familie, die dort wohnte, hatte einen kleinen Weinberg und produzierte selbst – mehr als Hobby – 600 Flaschen Weißwein im Jahr. Mein bester Freund hatte Interesse an einer der Töchter aus der Familie entwickelt und so waren er und ich und meine Lebensgefährtin zu einer Weinprobe eingeladen. Auf Hockern um einen kleinen Holztisch saßen wir da, der Hausherr hatte ein abgewetztes Ringbuch, in dem von Hand Trinksprüche eingetragen waren, die er vor jedem neuen „Vierdele“ vortrug. Wir waren hackedicht alle miteinander. Und als ich irgendwann nebenbei erzählte, dass ich ein großer Verehrer von Bundeskanzler Helmut Kohl und der CDU – damals – GEWESEN war, gab es kein Halten mehr, denn unser Gastgeber bekannte sich als CDU-Stadtrat im Ort und holte eine Flasche Tresterbrand aus irgendeinem Regal, das von Spinnweben überzogen war, und ein paar Schnapsgläser. Völlig skurril die Szene morgens um drei Uhr im schummrigen Licht, erhoben wir uns alle, stießen an auf den großen Staatsmann Kohl aus Oggersheim und gaben uns den Rest. Keine Ahnung, warum wir nicht noch die Nationalhymne angestimmt und bei den Nachbarn geklingelt haben, um sie zum Mitfeiern einzuladen…

Also ist hab keine Abneigung gegen das Badische an sich, vielleicht bis heute ein wenig Unverständnis, dass man dort auch putzen muss, wenn alles sauber ist, man aber in der Kehrwoche dran ist. Aber das ist ein anderes Thema.

Zurück zum Freizeitpark Rust. Der ist nämlich – falls Sie das noch nicht wussten – irgendwie total rassistisch. Behauptet jedenfalls der ökosozialistische Komplex der Menschen dort, die allesamt gelbe „Atomkraft? Nein danke!“-Aufkleber auf ihren Kühlschränken haben. Im Europa-Park gab es nämlich seit vielen Jahren eine Attraktion, die sich „Dschungel-Floßfahrt“ nennt, was die politisch korrekten Blockwarte zu harschem Protest an den „Rollenbildern aus der Zeit des Kolonialismus“ animierte.

Und weil Unternehmer Geschäfte machen wollten und in der Regeln ohnehin politisch nicht die Mutigsten sind, wird die Dschungel-Floßfahrt“ nun „völlig umgestaltet“, wie das Park-Management verlauten ließ. Zur neuen Saison wird die Dschungel-Floßfahrt dem Themenbereich „Österreich“ zugeordnet, in dem es wahrscheinlich dann auch Kaiserschmarrn und Tafelspitz geben wird und die „Tiroler Wildwasserbahn“ in unmittelbarer Nähe ist, weil es da bekanntlich ja auch viel Urwald gibt.

Dieses Land, meine Freunde, ist sowas von krank, man weiß gar nicht mehr, ob man mit der ganzen Familie abhauen oder die alte Telefonnummer von dem Weinbauern mit dem modrigen Winzerkeller raussuchen soll. Dann könnte ich zwei Flaschen von dem Tresterschnaps bestellen, und mit 2,5 Promille erträgt man ein paar Stunden sogar die politisch Korrekten. Ich bin übrigens gespannt, wann der erste Grüne in Baden-Württemberg darauf kommt, was wir hier mal für einen Reichskanzler aus Österreich hatten… Darf man überhaupt in Deutschland noch einen Themenbereich Österreich im Freizeitpark haben?

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.