Überall nur noch Faschisten, die die Welt erobern wollen

Italienische Pasta.
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von THILO SCHNEIDER

ROM – Die Welt geht unter. Das war es. Mit Pasta, Pizza und la dolce Vita. Die Rechten, ach, was sag ich, Rechtspopulisten, nein, Rechtsextremen, Rechtsradikalen, komm, die Faschisten haben eine demokratische Wahl in Italien gewonnen und gehen jetzt, man mag es nicht glauben, eine Dreier-Koalition ein.

Pech für Äthiopien, Albanien, Griechenland und Libyen, die allesamt dem „Mare Nostrum“ der Italiener zugeordnet werden dürften. Die Engländer können schonmal ein Expeditionskorps zurecht rüsten und die Bundeswehr kann sich schonmal auf die Entsendung eines neuen Afrikakorps einstellen. Die Faschisten haben in Italien gewonnen.

Feinstes Kriegsgerät, zu Lande, zu Wasser, in der Luft und sogar im Cyberspace wird Italien jetzt entwickeln, im Kolosseum werden wieder Spiele stattfinden und die römischen Legionen werden bis zum Oberrhein vordringen und Jerusalem erobern. Es ist alles aus, es ist alles zu spät, die Faschisten haben Italien übernommen.

Schiffsgebrochene werden nicht mehr nach Italien entführt, sondern repatriiert, Spekulanten rechnen bereits mit einer Wiedereinführung der Lira oder des Sesterzen, findige Unternehmen horten italienische Feinkost- und Schwermetallwaren, da mit einem italienischen Exportverbot für Wein, Weib und Gesang zu rechnen ist. Die Griechen schmeißen die Olivenölproduktion wieder an, wenn der wichtigste Lieferant der EU aus dem Bund der glücklichen Staaten ausscheidet, die Chinesen erwerben die Lizenzen von Piaggio und Vespa, um als Hersteller und Lieferant einzuspringen, wenn die italienische Produktion wieder auf die Produktion minderwertigen Kriegsgeräts umsteigt. Die Faschisten haben in Italien gewonnen.

Für die EU – und speziell Frankreich – ist der Sieg Melonis (klingt ähnlich wie Mussolini, nicht wahr?) ein Menetekel, eine indirekte Kriegserklärung, ein Feuermal. Es dürfte nur eine Frage von Tagen sein, bis die Italiener Ansprüche auf Cannes, Nizza und Marseilles erheben und ihren leeren Drohungen auch lächerliche Taten folgen lassen. Die Faschisten haben in Italien gewonnen.

Nicht gelernt hat es, das italienische Volk, nichts gelernt aus den Schrecken des Zweiten Weltkriegs. In Monte Cassino bringen sie Kunstschätze bereits in den Keller, auf Sizilien baut die italienische Ortskommandatur Panzerhindernisse auf, man will nicht wieder überrascht werden. Italienische Flüchtlingszüge machen sich bereits auf nach Norden, in die Schweiz, nach Österreich und natürlich nach Deutschland, dem unsicheren Verbündeten und Kantonisten, der stets seine Kriege verliert. Die Faschisten haben in Italien gewonnen.

Es wird schrecklich, es wird schaurig-schön. Fackelumzüge unter dem Titusbogen hindurch, die Umbennenungen von Brindisi nach Brundisium und ähnliches Brimborium der „fasces“ liegen bereits in den Schubladen, im Endziel wird Regensburg wieder Castra Regina und von Colonia Claudia Ara Agrippiniensium oder Mogontiacum wollen wir gar nicht erst reden. Die Faschisten haben in Italien gewonnen.

Schon geht unter den italienischen Neu-Hinzugekommenen die Angst um, dass sie nächstens in irgendwelche seltsamen Lager müssen, denn so machen das Faschisten bekanntlich und die Weltöffentlichkeit muss daher ein- oder zwei Augen haben, auf die leichtsinnigen und leichtlebigen Italiener und Italienerinnen, die quasi Mussolinis geistige Enkelin auf den Vorsitz im Quirinalspalast gewählt haben, die auch nicht davor zurückschrecken wird, zu behaupten, es gäbe nur zwei Geschlechter! Die Faschisten haben in Italien gewonnen.

Eine Katastrophe, eine furchtbare Sache, eine politische Klimaerwärmung, ein Ausbruch an Grausamkeit ist er, der Sieg der Faschisten in Italien.

Die Polen haben wirklich Glück, so weit entfernt zu sein, die Ungarn sind Verbündete im Geiste, die ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken zittern vor der Gewitterfront, die sich da Richtung Triest zusammenbraut. Die Faschisten haben in Italien gewonnen.

Schweden, Polen, Ungarn, jetzt Italien. Überall Faschisten, die die Welt erobern wollen, wo es doch in Brüssel und Strassburg, in der urdemokratischen europäischen Wertegemeinschaftsunion, gerade so kuschelig-heimelig war, nachdem die Engländer schon türschlagend den Club der lebendigen Realitätsdichter verlassen haben. Es wird mulmig und unheimlich und nun stehen quasi nur noch Deutschland und Frankreich als Zahl- und Zuchtmeister der EU zur Verfügung. Es wird einsam. Es wird einsam und kalt um die warmherzige Ursula von der Leyen und ihre multinationalen Hofschranzen. Die Faschisten haben in Italien gewonnen. Dagegen war der Stau auf der A3 letzte Woche ein Klacks. 63% aller Deutschen wollen bestimmt jetzt ihren Italienurlaub stornieren und lieber nach Mallorca. Die Faschisten sind wieder da. Und sie sind nicht gekommen, um Wind- und Solarparks zu bauen. Sondern um sich von den mega-demokratischen Staaten Europas und der EU prügeln zu lassen. Die Wahl muss sofort rückgängig gemacht werden! Sonst ist es nicht demokratisch.

(Weitere verängstigte und alarmierte Artikel des Autors unter www.politticker.de)

Von Thilo Schneider ist in der Achgut-Edition erschienen: The Dark Side of the Mittelschicht, Achgut-Edition, 224 Seiten, 22 Euro.

Bildquelle:

  • Spaghetti: pixabay
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