Unternehmen werden sich immer mit ihrer jeweiligen Regierung verständigen

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Liebe Leserinnen und Leser,

die deutsche Wirtschaft ist zufrieden mit dem Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP, lese ich in allen möglichen Gazetten. Die Gewerkschaften sowieso, die sich freuen, dass ihre Genossen unerwarteter Weise wieder am Ruder sind, aber auch die Arbeitgeberverbände. Nun bestehe die Chance, dass „ein Ruck“ durchs Land gehe, schwärmt etwa Stefan Wolf, der Boss des mächtigen Gesamtmetall-Verbandes. Dessen Wort hat Gewicht, egal, wer gerade im Kanzleramt das Kommando Deutschland führt.

Und ich meine auch, dass man jetzt nicht Fundamentalopposition von den Unternehmen erwarten darf, die sich auch in der neuen Situation erst einmal zurechtfinden müssen. Wenigstens der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) wagte klarzustellen, dass sich die Ampel-Parteien auf den «teuersten gemeinsamen Nenner geeinigt» hätten.

Unternehmer wollen Geschäfte machen, und das liegt im Interesse von uns allen. Und wenn E-Mobilität und Klima jetzt das Maß aller Dinge sein sollen, dann muss die deutsche Wirtschaft dabei eine wichtige Rolle spielen auf dem globalen Markt. Denn gerade bei der E-Mobilität hängen die deutschen Vorzeigekonzerne auf dem großen chinesischen Markt schon ganz schön zurück hinter Tesla und den chinesischen Autobauern.

Ein Bremer Politiker erzählte mir mal, wie demütigend es immer war, etwa bei Neujahrsempfängen der Industrie- und Handelskammer als CDU-Vertreter eingeladen zu werden. Die Hafenwirtschaft, die großen Unternehmen und Verbände scharten sich um die damals noch mit absoluten Mehrheiten regierenden Sozis, weil da die Aufträge und die Subventionen abzugreifen waren. Bei diesen Empfängen kam dann hin und wieder einer an unserem wackeren CDU-Mann vorbei, der oft allein am Buffet stand, klopfte ihm auf die Schulter und sagte Sätze wie: „Na, Sie haben es als CDUler aber auch nicht leicht hier, was…?“ und schlenderte weiter. Bloß nicht zu lange bei dem CDUler stehenbleiben, das könnte irgendwer bemerken. Mehr Demütigung ist in der Politik kaum möglich.

In einem anderen Bundesland mit rotgeführter Landesregierung erzählte mir diese Woche ein Unternehmer beim Mittagessen, er habe dem Regierungschef persönlich mitgeteilt, dass er – dreistelliger Millionenumsatz jedes Jahr, hunderte Mitarbeiter, kräftiger Steuerzahler – überlege, seinen Konzern in ein anderes Bundesland zu verlegen, wo die Arbeitsbedingungen und die steuerlichen Verhältnisse besser seien. „Das interessierte den gar nicht“, erzählte mir mein Gastgeber bei Sauerkrauteintopf mit Kassler. Der habe nicht einmal ansatzweise den Versuch unternommen, sein Unternehmen irgendwie im Land zu halten….

Ohne gut geführte innovative Unternehmen geht nichts in Deutschland, unser Wohlstand hängt eng zusammen mit dem Erfolg unserer Unternehmen auf dem globalen Marktplatz. Und in der Regel finden Regierende und die großen Spieler in der Wirtschaft ein auskömmliches Miteinander. Verständlich, aber auch schade. Denn es wäre wirklich an der Zeit, diesem Gestümpere in der deutschen Regierungspolitik endlich etwas entgegenzusetzen.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.