Von den Frauschaftszeiten im ZDF zur Frage: Wann ist der Mann ein Mann?

Frau und Mann - eigentlich ganz einfach.
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von THOMAS PAULWITZ

MAINZ – Der Mann ist in der deutschen Sprache benachteiligt. Das fängt bereits damit an, dass es für ihn im Grunde gar kein eigenes Wort gibt. „Mann“ bedeutet nämlich ursprünglich eigentlich nur „Mensch“. Eine „Mannschaft“ ist also lediglich eine Gruppe von Menschen. Es gibt also keinen Grund, aus Furcht vor dem „Mann“ ins Englische zu flüchten und nur noch von „Team“ oder „Crew“ zu sprechen. Noch abwegiger ist es aber, wenn das ZDF-Sportstudio jetzt in einem Instagram-Beitrag darüber nachdenkt, die Fußball-Nationalmannschaft der Frauen in „Nationalfrauschaft“ umzubenennen.

Dass sich das Sportstudio dabei auf den Duden beruft, zeugt von einem geringen Maß an Sprachbewusstsein nicht nur im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, sondern auch in der einstmals so geachteten Dudenredaktion. Zwei Institutionen, die sich auch aus anderen Gründen überlebt haben, fanden sich hier offenbar. Spötter fragten sogleich, ob das ZDF sprachlich an die 1945 verbotene „NS-Frauenschaft“ anknüpfen wolle, die Frauenorganisation der NSDAP.

„Herrenloses Damenfahrrad“ und „unbemannte Raumfahrt“

Den Menschen im ursprünglich geschlechtsneutralen Sinn als „Mann“ findet man heute noch in Wörtern wieder wie „man“, „jedermann“, „jemand“ und „niemand“. Sprachbildungsferne Feministinnen machten es sich im späteren 20. Jahrhundert zur Aufgabe, den Frauen dieses Menschsein abzusprechen. Sie erfanden folglich Gegenwörter: „frau“, „jederfau“, „jefraud“, „niefraud“. Das kleine „frau“ und „jedefrau“ schafften es bereits in den Duden, wie auch die „Frauschaft“, auf die sich das ZDF beruft. Geschlechtsneutrale Wendungen wie „herrenloses Damenfahrrad“ und „unbemannte Raumfahrt“ konnten Feministinnen jedoch noch nicht verbieten.

Um besondere Menschen wie die Frauen hervorzuheben und zu ehren, sind unsere Vorfahren völlig anders vorgegangen als die heutigen Genderfreunde. Statt Ausdrücke zu verbieten, entwickelten sie eigene Wörter für das weibliche Geschlecht. In der Sprache unserer angelsächsischen Verwandten spiegelt sich das sehr eindrucksvoll wider: Neben den „man“ als Menschen gesellte sich dort eine „wo-man“ als weiblicher Mensch hinzu. Im Laufe der Zeit beschränkte sich dann im Sprachverständnis das Wort „man“ aufgrund der Sprachökonomie auf den männlichen Menschen.

Der Mann ist in der deutschen Sprache benachteiligt

Ähnlich entwickelte sich das generische Maskulinum. „Lehrer“, „Bäcker“ oder „Bürger“ ordnete man (!) ursprünglich keinem Geschlecht zu. Um Frauen hervorzuheben, fügte man (!) dann später die Endung „-in“ an. Eine Endung nur für Männer gibt es jedoch nicht. Wie gesagt, der Mann ist eben in der deutschen Sprache benachteiligt. Und das ist auch gut so, weil es sonst zu unübersichtlich würde.

Dass nämlich auch die Paarform „Bürger und Bürgerinnen“ für viele bereits zu umständlich ist, zeigt zum Beispiel Bundeskanzler Olaf Scholz, der beim Sprechen gern die Silben verschluckt und nur von „Bürgern und Bürgern“ redet. Neben das generische Maskulinum hat sich somit auch ein Scholzisches Maskulinum gesellt. Hören Sie bei der nächsten Gelegenheit doch einmal genau hin.

Was Gästinnen und Menschinnen mit dem Fräulein verbindet

Die stärkere sprachliche Ausdifferenzierung, die das weibliche Geschlecht erfuhr, ging manchen sogar zu weit. Dass es ein „Fräulein“ gibt, aber keine Entsprechung wie zum Beispiel „Herrlein“, sorgte letztlich dafür, dass das Wort 1971 aus dem Amtsdeutsch verbannt wurde. So wird auch die „Menschin“ keine große Zukunft haben. Wie „Gästin“ stand das Wort schon im Wörterbuch der Brüder Grimm, allerdings wurden beide Wörter so selten benutzt, dass sie nie in den Duden aufgenommen wurden.

Erst unter den Vorzeichen der Genderideologie hat sich das geändert. Die feministisch beseelte Dudenredaktion gönnte vor nicht allzu langer Zeit beiden Wörtern einen eigenen Eintrag, obwohl sie kaum ein Mensch (oder kaum eine Menschin) benutzt. „Wir sind nur Gästinnen auf dieser Welt“ lautet eines von vielen Beispielen, mit denen der Duden seine Benutzer belehrt. Von einem Wörterbuch, das die Sprache so beschreibt, wie sie ist, ist der Duden zu einem Werk verkommen, der die Sprache so beschreibt, wie sie sich eine kleine Gruppe von Genderisten erträumt.

„Frauschaft“ mit Thälmann-Gruß?

Der große Dichter Reiner Kunze schrieb 2014 in der Deutschen Sprachwelt: „Nach der staatlichen Geiselnahme von Generationen deutschsprachiger Kinder mit dem erklärten klassenkämpferischen Ziel, das Niveau der geschriebenen Sprache irreversibel zu senken, folgt nun der zweite Akt: die Sprache vor die Menschinnen werfen.“

Auch das ZDF wirft die Sprache vor die Menschinnen, indem es für alberne und entbehrliche Wörter wie „Frauschaft“ wirbt. Das Bild, mit dem das Sportstudio seinen Instagram-Beitrag ausschmückt, zeigt Spielerinnen der Fußballnationalmannschaft der Frauen, welche inbrünstig die Faust emporrecken. Ob sie mit ihren Fäusten den Thälmann-Gruß oder das Symbol von „Black Lives Matter“ nachahmten, ist nicht bekannt. Letztlich liefe beides auf dieselbe sozialistische Ideologie heraus, der auch das Gendern entspringt.

Bildquelle:

  • Frau_Mann: dpa
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