Warum kritisiert MP Günther eigentlich nicht das Framing der traditionellen Medien?

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser!

Die hitzige Diskussion um den Auftritt von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) bei „Lanz“ im ZDF reißt nicht ab. Ich meine, dann schauen wir uns doch einfach mal an, was passiert ist und was nicht!

Es beginnt ja schon damit, dass der CDU-Politiker in der Sendung sagt, dass nur etwa drei Prozent der Deutschen Vertrauen zu den sozialen Medien hätten. Man fragt sich unwillkürlich, warum sich der Mann dann so aufregt und sogar unterschwellig mit Forderungen nach „Regulierung“ spielt, die man auch bei wohlwollender Betrachtung als Verbotsphantasie werten kann. Und Günther erregt sich weiter, selbst Abgeordnete der CDU schauten sich „so einen Quatsch“ an und verbreiteten es weiter.

Und damit kommen wir zum Kern der Sache

Doch lassen Sie mich vorher noch etwas herausstellen, das auch zur Wahrheit dazugehört. Daniel Günther hat bei Lanz nicht gefordert, freie Medien wie Reichelts „Nius“ zu verbieten. Wer das behauptet, framt selbst.

„Nius“ kam im Zusammenhang mit der gescheiterten Kandidatur der SPD-Kandidatin Frauke Brosius-Gersdorf für das Bundesverfassungsgericht kurz vor. Aber es war nicht das Thema der Sendung, obwohl ich denke, dass der ganze Brosius-Vorgang Daniel Günther und die Fußkranken der Merkel-Ära – wie Polenz und andere – besonders wurmt.

Lassen wir also Günther selbst zu Wort kommen in der Sendung:

„Wir reden darüber, also, social media darf bis 16-Jährigen nicht mehr zugänglich gemacht werden, und da brauchen wir eine Zusammenarbeit und Unterstützung auch mit diesen Unternehmen, ähnlich, wie Australien das gemacht hat, um unsere Jugend zu schützen vor – Desinformationen, vor sexuellen Übergriffen, davor…“

Lanz unterbricht: „Ich meine, was ist mit dem Rest, wenn Sie sagen, Sie sagen: Da gibt es Portale, die agitieren, die berichten dann Dinge, die dann Kampagne sind und mit Journalismus nichts mehr zu tun haben, so haben Sie es gerade ausgedrückt. Da würden die sagen: Entschuldigung, das ist Meinungsfreiheit, ist auch von der Meinungsfreiheit gedeckt. An welchem Punkt greifen wir dann ein in, in so etwas Wichtiges und Wertvolles wie Meinungsfreiheit. Ich verstehe ja das Argument, aber …“

Da unterbricht Günther seinen Gastgeber: „Ich habe ja gesagt, es ist nicht nur Aufgabe von Politik, Demokratie zu schützen, unsere Hauptaufgabe, aber ich finde, alle zivilen Organisationen müssen auch sich zur Demokratie bekennen. Und ich glaube auch, dass es innerhalb der Medien auch eine Diskussion darüber geben muss, welche Qualitätskriterien müssen Medien eigentlich auch erfüllen.

Und da hat Günther sogar recht

Es sollte – eigentlich selbstverständlich – einen journalistischen Ethos bei allen Autoren geben und das ganz selbstverständlich. Sie kennen sicher alle das berühmte Zitat des großen Hanns Joachim Friedrichs, das da lautet:

„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er Distanz hält, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.“

ARD-Tagesthemen Moderator Friedrichs sagte das 1995 in einem Interview mit dem „Spiegel“, kurz bevor er an Lungenkrebs starb. Objektivität und Unabhängigkeit – das ist die Basis für jeden Journalisten, der diese Bezeichnung verdient.
Bevor man beginnt zu schreiben, das ganze Bild betrachten, sich nicht zum Handwerkszeug von Politikern, Spindoktoren, Wirtschaftsverbänden oder gar anderen Staaten machen lassen – das ist Journalismus, wie ich ihn verstehe. Und Gestalten wie Böhmermann, die haben im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nichts zu suchen. Wenn er einen eigenen Sender oder Youtube-Kanal betreibt, dann kann er framen, lügen und hetzen, so viel er will. Hey, dies ist immer noch ein freies Land. Aber Böhmermann als „Grundversorgung“, die wir alle bezahlen müssen? Ein schlechter Scherz…aber Realität.

Natürlich hat Günther geärgert, dass es freie Medien wie „Apollo News“ waren, dann deutlich verstärkt durch „Nius“ und dann uns alle anderen, die das Thema in die Öffentlichkeit trugen. Und plötzlich war Brosius-Gersdorf ein großes Thema. So funktioniert Demokratie. Erschreckend, dass Ministerpräsidenten das heutzutage als Bedrohung empfinden und sich aufregen, dass Politiker der eigenen Partei – viele übrigens – sowas lesen und weiterverbreiten.

In einer freien Gesellschaft dürfen Medien die Regierenden kritisieren. Sie müssen es sogar. Ohne freie Medien gibt es keine Demokratie. Das wäre unmöglich.

Lesen Sie freie Medien, am besten die seriösen! Da gibt es inzwischen ganz viel, ohne deren Berichterstattung und Kommentierung Deutschland ärmer wäre. Und unfreier. Denn was man „Nius“ und uns allen schlimmstenfalls vorwerfen könnte, ist, dass wir heute das machen, was „Stern“, „Spiegel“ und „ARD“ seit 20 Jahren schamlos betreiben. Ohne deren Volkserziehung gäbe es all die Tichys, Broders, Reichelts, Reitschusters und Kelles gar nicht als publizistischen Faktor. So wie es im politischen Bereich gar keine AfD gäbe übrigens, wenn die traditionellen Parteien einfach ihren Job ordentlich gemacht hätten.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.