Warum raucht man eigentlich?

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Liebe Leserinnen und Leser,

und 75.500 Menschen sind in Deutschland im Jahr 2020 an den Folgen des Rauchens gestorben. Die mit Abstand häufigste Todesursache dabei waren Krebserkrankungen, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden anlässlich des Weltnichtrauchertags am 31. Mai mitteilte.

Demnach war Lungen- und Bronchialkrebs, Kehlkopf- oder Luftröhrenkrebs bei gut 46.000 Rauchern die Todesursache, bei rund 29.000 war es eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). Bei Frauen ist das Risiko, an einem entsprechenden Tumor zu sterben, innerhalb von 20 Jahren um 73 Prozent gestiegen: Im Jahr 2000 starben laut Statistik pro 100.000 Einwohner etwa 23 Frauen an Lungen- und Bronchialkrebs, 2020 waren es fast 40.

Zigaretten habe ich nie geraucht, ein Programmdirektor beim Berliner Rundfunk hat mich dann 1993 angefixt, und ich habe mir dann jeden Tag eine 20er Schachtel „Petit Nobel“ reingepfiffen, und das dann danach beim Badischen Verlag weiter kultiviert. Ich glaube, meine Redaktion hat mich gehasst damals, weil unser ganzer Flur im Verlag ständig unter Nebel stand. Bei „20 Minuten“ in Köln setzte ich das fort und auch noch bei der BILD in Essen und Düsseldorf, wo ich im Großraum als Einziger ein Büro – einen Glaskasten – hatte, in dem man mich von außen kaum sehen konnte. 2005 und 2006 wurden mir wegen Herzproblemen insgesamt vier Stents eingesetzt, und ich habe weiter geraucht. Viele von Ihnen wissen, wie es endete. Am 30. Januar 2016 hatte ich einen schweren Herzinfarkt, dreimal mit Stromstößen zurückgeholt, drei Wochen im künstlichen Koma. Ein Wunder, dass ich das damals überlebt habe, wirklich ein Wunder.

Als ich sechs Monate nach der Reha dann erstmals wieder zum Check beim Kardiologen war, beichtete ich ihm meine tiefsten Gelüste. Ich hatte 20 Kilo abgenommen, ging zwei Mal die Woche ins Fitnessstudio, verzichtete auf gegrillten Bauchspeck, mein Alkoholkonsum war um 75% reduziert. Aber – Herr Doktor – was mir wirklich fehlt, ist hin und wieder eine Havanna mit Freunden, abends vor dem Kamin, Glas Rotwein dazu. Wunderbar.

Wir schlossen einen Deal. Am nächsten Heiligabend, nach Messe, Essen und Bescherung, dürfte ich mal wieder ein kubanisches Tabakprodukt zu mir nehmen. Und so kam es, und es war herrlich.

Ganz abstinent bin ich auch heute nicht, aber es beschränkt sich auf zwei, drei Zigarren im Monat. Ich ärgere mich selbst, dass ich so undiszipliniert bin, aber ich mag das einfach. Und es wird ja auch nicht auf Lunge inhaliert. Aber gesund ist es nicht, das weiß ich.

Viele Menschen sterben auch am übermäßigen Alkoholkonsum, manche an illegalen Drogen. Andere beim unvernünftigen Rasen mit dem Auto oder Motorrad. Wir sind so unvernünftig. Und fangen Sie jetzt nicht mit den Gesundheitskosten für die Folgen der Unvernunft an, denn dann müssten wir auch über Skifahren und Bungeejumping sprechen, das zu verbieten wäre so wie ungesunde Ernährung. Wo ist die Grenze? Müssen wir wirklich immer vernünftig sein? Warum setzen wir uns über jede Vernunft hinweg und gefährden bewusst und mutwillig unsere Gesundheit? Haben Sie eine Erklärung?

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.