von KLAUS KELLE
BERLIN – Wie viele von Ihnen schaue ich am späteren Abend gerne noch, was Netflix so anzubieten hat. Zumal am Sonntagabend, seitdem der ARD-Tatort nur noch linksgrüne Soße abspult und der folgende Talk mit Frau Miosga nicht gut für meine Gesundheit ist.
Dann also lieber der Streamingdienst meines Vertrauens
Gestern Abend habe ich die Kurzserie „Blutopfer“ bis zum Ende geschaut. Am Vortag hatte ich damit begonnen, gestern dann Abschluss des Sechsteilers, in dem Polizisten ermordet und geköpft werden, immer um 01.15 Uhr in der Nacht, angekündigt mit einem aufgezeichneten Anruf des vorherigen Opfers beim Notruf „112“. Gruselig, für Krimifreunde wie mich aber auch top.
Für Freunde von Krimis aus Skandinavien möchte ich hinzufügen, denn die sind die besten.
Klar gibt es auch deutsche Krimis, die mitreißend sind, ober gab es, müsste ich wohl schreiben. US-Krimis sind immer stark auf Action ausgerichtet, britische sind manchmal auch düster, wenn Serienmörder gejagt werden.
Aber die Skandinavier haben es einfach drauf
Schweden, Dänen und Norweger zumindest, an solche finnischen Produktionen kann ich mich jetzt spontan nicht erinnern.
Die Art, wie hoch im europäischen Norden Kriminalfälle erdacht und produziert werden, ist jedoch einzigartig. Die Plots kommen ohne Superhelden aus, die Detektive sind oft gebrochene Persönlichkeiten, die mit ihrem eigenen Leben nicht mehr klarkommen und an Trennungsschmerz, Alkoholismus oder Depressionen leiden.Die Verletzlichkeit ihrer Charaktere macht sie gleichzeitig für das Publikum nahbar.
Die Kameras begleiten die Handlung durch endlose Wälder, vorbei an kargen Küsten und Dunkelheit, sie erzeugen eine dichte, bedrückende Stimmung.
Nicht nur die Tätersuche steht dabei im Vordergrund, sondern die psychologischen Abgründe und Traumata sowohl der Täter als auch der Ermittler.
Können deutsche Drehbuchschreier und Produzenten also nicht, was ihre skandinavischen Kollegen meisterhaft berherrschen?
So pauschal kann man es nicht sagen. Wenn man den ARD-„Tatort“ als Maßstab nimmt, sicher. Aber „Der Pass“ (Sky/WOW), „Dark“ (Netflix) und „Im Angesicht des Verbrechens“ (Arte) haben weltweit bewiesen, dass auch deutsche Autoren es verstehen, meisterhaft düstere und komplexe Geschichten zu inszenieren. Wenn man sie dann lässt…
Bildquelle:
- Blutopfer_Thomas Berg: netflix/Jörgen Johansson
