Weil Strom eben nicht einfach aus der Steckdose kommt: Die „Energiewende“ in Deutschland macht dramatische „Blackouts“ wahrscheinlich

Für alle Fälle: Kerzen und Streichhölzer sollte es in jedem Haushalt immer geben.
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von MARTIN D. WIND

BERLIN – Selbst jene, die unter „Hurra“ und Fahnenschwenken in die Energiewende marschierten, werden derzeit zunehmend kleinlaut und graben sich argumentativ tief in die ideologisch bezogenen Stellungen ein: „Stromausfälle gab es schon immer“, „Blackout kann es gar nicht geben, weil unsere Infrastruktur so gut ist.“ So und ähnlich gehen die Narrative oder auf gut Deutsch: Geschichten, die den Bürgern – von offizieller Seite – aufgetischt werden. Und ja, es gab schon immer Stromausfälle und das nicht mal in geringer Zahl.

Im Internet kann man Informationen dazu finden. Hier sei der Einfachheit halber die Seite eines Unternehmens zitiert, das Notstrom-Versorgungssysteme anbietet: Allein im Jahr 2014 kam es in Deutschland zu rund 620.00 Stromausfällen.

„Blackouts“ – wie der Volksmund das häufig nennt – sind das für Fachleute aber nicht. Es sind regionale Kleinereignisse, die zumeist technisch-mechanische Ursachen haben: Entweder fackelt ein Schalter ab, bei Bauarbeiten werden Kabel durchtrennt, ein alubeschichteter Luftballon überbrückt die Leitungen und es kommt zum Kurzschluss oder aber Nacktschnecken sorgen dafür, dass der Strom wegbleibt. Vom Blackout reden Fachleute erst, wenn systembedingt eine großflächige Abschaltung der Stromversorgung notwendig wird. Ein solcher Blackout ist im Gegensatz zu einem Stromausfall nicht innerhalb weniger Stunden (133 Minuten Durchschnittsdauer 2014), sondern von vielen Tagen, von Wochen oder gar Monaten. Es kommt darauf an, wie groß die Schäden sein werden.

Die Formulierung ist bewusst gewählt, denn für viele Menschen, die sich mit dem Thema befassen, ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann nicht mehr durch Ingenieurserfahrung, Können und Glück knapp ein Blackout verhindert werden kann. Deutschland scheint bei diesem Poker an der Energieversorgungskante eine gefährliche Rolle zu spielen. So äußert sich zumindest der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Krisenvorsorge (www.gfkv.at), Herbert Saurugg, derzeit beurlaubter Major des Österreichischen Bundesheeres und wissenschaftlich breit aufgestellter Krisenvorsorgeexperte. Die Zahlen, die Saurugg zur speziellen Situation in Deutschland anbringt, können durchaus zur Besorgnis führen.

2019 wurde im Januar ein Tagesspitzenverbrauch von rund 83 Gigawatt (83 000 000 000 Watt) gemessen, der niedrigste Tagesverbrauch liegt etwa bei etwa 60 Gigawatt (GW). Bereits im vergangenen Jahr hat Deutschland Kraftwerkskapazitäten mit einer Nennleistung von rund 11 GW abgebaut. 2022 sollen noch mal so viele Stromerzeuger abgeschaltet werden. Das bedeutet, dass innerhalb von 24 Monaten rund 22 GW an Kraftwerkskapazität aus dem Netz genommen wurden. Das sind zwischen einem Drittel bzw. Viertel der benötigten Tagesleistung.

Laut Herbert Saurugg verweist die deutsche Politik zur Beruhigung der Bevölkerung darauf hin, dass Deutschland „eine Kapazität von 200 GW Nennleistung“ aufgebaut habe. Wichtig sei aber, was geliefert werden kann und nicht, was theoretisch unter Volllast eventuell verfügbar sein könnte: „Am 16. November wurde durch die Windkraft 0,3 GW Windstrom produziert. Praktisch nichts!“ Das heißt, ohne Wind keine Windenergie, ohne Sonne kein Sonnenstrom.

So nimmt seine Einschätzung zur Gefahr eines Blackouts kaum Wunder: „Deutschland ist für mich der Knackpunkt in Europa mit der einseitigen Energiewende, der vorzeitigen Abschaltung, ohne dass die Ersatzlösungen ernstlich vorhanden sind. Obwohl wir bereits am Limit fahren, wird das durch die Abschaltung der Atomkraftwerke noch schlimmer.“ Besonders der Abbau der Reserven, zum Ausgleich der Netzfrequenz von 50 Hertz ist bedrohlich: Derzeit wird diese Frequenz noch physikalisch über die Masse der Stromgeneratoren geregelt. Diese Generatoren wirken wie „Stoßdämpfer“: Sie nehmen weniger Energie auf, wenn die Netzfrequenz sinkt und geben weniger ab, wenn sie steigt.

Das physikalische System regelt sich in gewissen Grenzen selbst über die Energiemenge.

Sonnen- und Windenergie können das nicht. Ein Windrad dreht sich nicht schneller, wenn die Frequenz sinkt und „Gas geben“ kann man bei einem Windrad auch nicht. Man kann weder der Sonne befehlen, heller zu scheinen noch einem Windrad, es solle sich schneller drehen. Darüber hinaus sind diese vermeintlich sauberen Energiearten nicht in der Lage, sich selbst zu regulieren. Sie bedürfen umfangreicher und überwachter Mess- und Regeltechniken. Doch woher soll die Energie kommen, wenn wegen einer Flaute die Netzfrequenz schwankt und eine Regulierung notwendig wäre: Der Wind ist weg! In einem Kohlekraftwerk, einem Gaskraftwerk, in einem Atomkraftwerk kann man da die Primärenergiereserve angreifen und mehr „Kraftstoff“ oder die im Leerlauf vorgehaltenen Generatoren einsetzen.

All diese Faktoren und die hochkomplexen Wechselwirkungen gefährden akut die Energieversorgung in Europa. Bereiten Sie sich darauf vor, demnächst in einer kalten Wohnung, ohne Einkaufsmöglichkeiten für mindestens 14 Tage tatsächlich „nur“ überleben zu können. Was gestern noch Verschwörungstheoretiker und belächelte Prepper waren, sind heute diejenigen, die offenbar einen klareren Blick auf die fach- und sachfremde Energieversorgung einer ideologisch getriebenen Gesellschaft hatten und daher klug bevorratet in die Zukunft gehen. Das ist ein anderes Thema und wert, einen eigenen Text dazu zu verfassen.

Das ganze Interview mit Herbert Saurugg können Sie hier anschauen…

Bildquelle:

  • Kerze_Licht: pixabay
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