Wenn der Sonderzug aus Pankow vors Kanzleramt rollt, dann macht der Erich nochmal einen Goldbrand auf

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Liebe Leserinnen und Leser,

Zehntausende haben gestern überall in Europa gegen den anhaltenden Lockdown demonstriert. Gut so!

Ich bestreite nicht, dass Covid-19 ein gefährlicher Virus ist, und wenn es für unsere Gesellschaften gut sein sollte, Abstand zu halten, Hände zu desinfizieren oder beim Einkauf eine Maske zu tragen – ja, meine Güte, die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung hat sich längst damit arrangiert.

Für den Lockdown von Schulen, Kindertageseinrichtungen, Geschäften und Restaurants ist meine Bereitschaft, das alles weiter mitzumachen, allerdings nahe am Nullpunkt ankommen. Oder können Sie mir erklären, warum Menschen dicht gedrängt im Bus sitzen und stehen dürfen, aber an der Bushaltestelle im Freien 1,50 Meter Abstand zu halten ist? Kaum ein Wirtschaftszweig hat so viele Anstrengungen unternommen, um alle Hygienevorschriften und Abstandsregeln einzuhalten wie die Gastronomie. Und wenn dann investiert wurde und man feststellt, dass keinerlei größere Infektionsausbrüche festgestellt werden konnten, dann macht man alles dicht? Wie sinnbefreit ist das denn? Können Sie mir erklären, warum ich jetzt nach Malle fliegen darf und am Ballermann Sangria mit zehn anderen aus einem Eimer saufen darf, nicht aber eine Ferienwähnung auf Rügen oder Norderney mieten?

Nein, dieser ganze Politaktivismus erscheint mir so unausgegoren, dass es Mühe macht, all das, was hier passiert, noch rational nachzuvollziehen. Von ansteigenden Infektionszahlen aber gleichzeitig sinkenden Sterberaten will ich hier gar nicht anfangen. Mein Arzt sagt, das regt mich zu sehr auf.

Nein, es ist absolut richtig, dass die offenbar steigende Zahl an unzufriedenen Bürgern auf die Straße gehen – an die frische Lust sozusagen – und ihre Meinung öffentlich zum Ausdruck bringen. It’s democracy stupid – würde Ex-US-Präsident Bill Clinton uns wohl zurufen, wenn er sieht. was hier gerade so läuft. Gestern habe ich übrigens gelesen, dass die Amis damit rechnen, dass im Sommer bei ihnen das Corona-Thema komplett durch ist. Die haben genug Impfstoff, die haben die Impfung der Bevölkerung straff und vorbildlich organisisert. Läuft. Und hier?

Die verfassungsrechtlich nicht vorgesehene Kungelrunde von Bundeskanzlerin und Ministerpräsidenten ist ein dauerndes Hü und Hot, was gestern noch absolute Gewissheit war, ist morgen bereits Makulatur. Schulen auf, Schulen zu, es ist ein Irrsinn. Der eine Impfstoff ist gefährlich und macht Thrombosen mutmaßlich, der andere ist nicht gefährlich und wirkt, kommt aber aus Russland und erhält erstmal keine Zulassung.

So kann man sich von Lockdown zu Lockdown hangeln und erstmal die nächste Bundestagswahl überstehen…hoffen sie. Natürlich nur, wenn sich die beiden Ministerpräsidenten Laschet und Söder mal einigen, wer der Tollste ist. Wenn das so weitergeht, wird es letztlich sowieso Olaf Scholz von der SPD, assistiert vom grünen Himmelfahrtskommando Habeck und Baerbock mit Schützenhilfe der Fußkranken des Weltsozialismus. Wenn es irgendwo eine Parallelwelt gibt – einen Himmel oder eine Hölle – und dort der Geist von Erich Honecker noch herumschwirrt – an dem Tag, an dem die SED am Kabinettstisch im wiedervereinigten Deutschand Platz nimmt, würde er sich da oben oder da unten wohl ein Fläschchen Goldbrand aus der guten alten Zeit aufmachen und alte Udo Lindenberg-Platten hören. Der Sonderzug nach Pankow ist abgebogen und hat direkt vor dem Kanzleramt angehalten. Alle aussteigen bitte…wir Bürger vor allem…

Aber ich sage Ihnen, das wäre nur das Zweitschlimmste, was unserem Land passieren könnte. Den eins ist klar: Wenn Söder, Laschet, Merz und Scholz alle nicht überzeugen beim Wähler und dann Angela Merkel vom Volk gerufen wird und mit ernster Miene verkündet, dass sie in dieser schweren Zeit aus staatspolitischer Verantwortung selbst und mit beschwertem Herzen die Bürde ihres Amtes aus Liebe zu Deutschlland und Europa und auch der Galaxis noch einmal um vier Jahre verlängern muss, dann..ja, dann ist es wirklich an der Zeit, dieses Land zu verlassen.

Einen schönen Sonntag!

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.