Wenn Wölfe erkennen, dass ihnen von den Deutschen keine Gefahr droht – werden sie selbst zur Gefahr

Auf offenher Straße: Wolf in Homberg.
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von MARTIN D. WIND

BERLIN – „Allein die Größe ist eindeutig“, meint er, „und er kam auf rund 20 Meter an mich heran. Scheu zeigte er kaum.“ Was nimmt es Wunder: Die Rede ist hier von einem Wolf. Und derjenige, der das gegenüber seiner Regionalzeitung im nördlichen Ruhrgebiet erzählt hat, hatte das, was 2013 ein „Experte“ des Naturschutzbunde Deutschland (NABU) als „Sechser im Lotto“ bezeichnete: Eine Wolfssichtung und das auf gerade mal kurzer Distanz. Hätte Hermann-Josef Windeln, Vorsitzender der NABU-Ortsgruppe Issum-Geldern, gewusst, was er im Internet mit seiner unbedachten Äußerung von der Wolfsbegegnung als „Sechser im Lotto“ lostreten würde, hätte er sich wohl lieber mal auf die Zunge gebissen: Inzwischen kann man in den sozialen Medien aus allen Landesteilen Deutschlands von solchen Hauptgewinnen im Glücksspiel „Wolfssichtung“ lesen.

Hohenziatz im Jerichower Land, Wybelsum, Xanten, Bedburg-Hau, Waltrop, Fehrbellin, Drolshagen, Dortmund – das sind jetzt nur einige wenige Ortsnamen aus den vergangenen Tagen, die mit Wolfssichtungen in Zusammenhang stehen. Das sind keine Wolfssichtungen mehr, wie man das bisher gehört hatte und wie sie laut den Versprechen der sogenannten Naturschutzverbände ablaufen sollten. Die haben nämlich seit dem Auftreten der ersten Wölfe immer beschwichtigend behauptet, Wölfe seien scheue nachtaktive Tiere. Jetzt traben diese scheuen nachtaktiven Tiere am hellichten Tag regelmäßig und routiniert mitten durch Wohnsiedlungen und an Menschen vorbei. Nicht nur das. Die Wölfe gehen mitten in städtischen Siedlungsgebieten in aller Seelenruhe ihrem Tagwerk nach.

Sie jagen. Denn Wölfe können nicht Spargel stechen oder in den Supermarkt gehen, um sich mit täglich bis zu vier Kilo Fleisch pro Individuum zu versorgen. Zunehmend ist zu beobachten, dass die Wölfe den Menschen mehr und mehr „auf den Pelz“ rücken: Hier in Deutschland, unter absolutem Schutz, frei von jeglichem Verfolgungsdruck, zeigen sie, was sie draufhaben.

Das schlaue Raubtier erkennt genau, dass die deutschen Menschen für ihn keine Gefahr darstellen. Da durch einen sehr hohen Wolfsbestand die freien Territorien immer weniger und immer kleiner werden, besetzen die Nahrungs- und Territoriumsopportunisten „Wölfe“ zunehmend Gegenden, von denen die „Experten“ der sogenannten Umweltschutzverbände bisher behauptet hatten, da würden die Wölfe sich nicht ansiedeln, weil das „nicht ihren Bedürfnissen entspräche“.

Diese „Experten“ hätten ihre „Expertise“ weniger an den Wölfen der weitläufigen Gebiete Russlands erwerben sollen als eher und besser bei den „Stadtwölfen“ Rumäniens, die täglich zur Futtersuche durch die Vororte dortiger Städte gezogen sind.

Man kann diesen Experten zugutehalten, dass sie echte Wölfe als Anschauungsobjekte vor der Nase haben wollten. Das ist in Rumänien und in anderen osteuropäischen Staaten mit ihren Kulturlandschaften und den vielen Siedlungen allerdings inzwischen auch eher ein Glücksspiel. Die Siedlungsdichte in den Wandergebieten der Wölfe ist so hoch, dass eine Hybridisierung der Wölfe, das heißt eine Verpaarung mit Haushunden, sehr wahrscheinlich ist. In Deutschland redet man darüber lieber mal nicht: Das Senckenberg-Institut tut alles – so inzwischen die Überzeugung durch Wölfe geschädigter Weidetierhalter – was man im dortigen Labor nicht eindeutig als „Wolf“ definieren kann, als „Hund“ ab. In kompetenten und fachbereichssichereren forensischen Instituten – also solchen, die DNA sehr viel länger als Senckenberg untersuchen können und das auch tun und vor allem sehr viel differenzierter aufarbeiten – ist man hingegen recht sicher, dass ein Großteil der deutschen „Wölfe“ derart hybridisiert sind, dass sie nicht unter den strengen Schutzstatus fallen dürften. Im Gegenteil: Die Behörden wären verpflichtet, im Sinne eines reinrassigen Arterhalts, alle Hybriden aus der Natur zu entnehmen.

Da man hier in Deutschland aber nicht auf Wissenschaft und Forschung hört, sondern aus Prinzip nach Ideologie und Utopie so lange weitermacht, bis einer weint, scheint in der Politik noch immer kaum jemand bereit, auf die Menschen zu hören, die den Umgang bei der Wiederansiedlung der Wölfe kritisieren. Immerhin scheint sich bei einigen Verbänden langsam so etwas wie Erkenntnisdämmerung breit zu machen – auch wenn man angesichts der Vorschläge noch immer nach Luft schnappt: So schlägt das Aktionsbündnis Forum Natur aus Berlin vor, allein in Brandenburg einen Wolfsbestand von 510 Tieren zu dulden und jedes Jahr zur Regulierung 80 Wölfe zu schießen. Zur Erinnerung: Im 15-mal größeren Schweden werden von den Behören 210 Wölfe auf dem gesamten Staatsterritorium geduldet.

Angesichts solche Zahlenspielchen ist es kaum verwunderlich, dass Maike Schulz-Broers von der Initiative „Land schafft Verbindung“ mit leichter Resignation anmerkt: „Die Menschen brauchen es ganz hart, bis sie es kapieren, wie wir derzeit beobachten müssen. Das wird beim Thema Wölfe nicht anders sein, wenn die Bundesländer es nicht schaffen, die Wolfsbestände am Umweltministerium und an Miisterin Steffi Lemke, vorbei nach Brüssel zu melden, um damit die Bestandsregulierung auch in Deutschland genehmigt zu bekommen.“

Bildquelle:

  • Wolf_Wohngebiet: privat
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