Wer Kinder missbraucht, gehört in eine Zelle – auch, nein besonders, wenn er Priester ist

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Liebe Leserinnen und Leser,

ich hoffe, Sie haben schon gefrühstückt, bevor Sie nun beginnen, diesen Text zu lesen.

Es geht um das Widerwärtigste überhaupt, den sexuellen Missbrauch an Kindern durch sogenannte Verstrauenspersonen. Und Vertrauenspersonen sind gerade für kleine Kinder unglaublich wichtig, denn wenn die Kleinen irgendwann merken, dass sie von einem Menschen, dem sie naturgemäß uneingeschränktes Vertrauen entgegenbringen, hintergangen worden sind, dann hat das schlimme Auswirkungen auf ihr ganzes weiteres Leben. In vielen Fällen kann man das danach gar nicht mehr Leben nennen, weil es schickt viele dieser Kinder in die Hölle. Und das meine ich nicht im übertragenen Sinne, sondern genau so wie ich es formuliere: In die Hölle.

Und bevor der ein oder andere von Ihnen jetzt automatisch denkt: Katholische Kirche wieder, ist ja klar, zum zölibatären Leben gezwungen, wundert nicht, dass da „sowas“ passiert. Doch diese Ansicht hält keinem seriösen Faktencheck stand.

Die große Mehrheit der Fälle sexuellen Missbrauchs findet im sozialen Nahbereich statt, also Eltern, Familie, Nachbarn. Da muss keiner im Zölibat leben. Sexueller Missbrauch findet nicht nur in der katholischen, sondern auch in der evangelischen Kirche statt. Es kommt in Sportvereinen vor, in Schulen und Internaten, eben überall, wo Erwachsene und Kinder Zeit miteinander verbringen. Und die oft gestellte Frage: Warum lässt Gott das zu, kann ich auch nur sehr subjektiv beantworten. Gott sagt uns über die Heilige Schrift, wie wir leben sollen, was gut und was Sünde ist. Aber jeder Mensch ist frei in seiner Entscheidung, dem Rat zu folgen oder nicht.

Den heute 70-jährigen angeklagten Priester bezeichne ich nicht als Schwein, denn Schweine würden niemals so mit ihren Nachkommen umgehen. Zwischen 1993 und 1999 soll er seine drei Nichten (7 bis 13) missbraucht haben. In der Badewanne oder auf seinem Schoß sitzend soll er sie an Genitalien, Brust und Po berührt und sie auch vergewaltigt haben. Nein, da kann, da darf es keine mildernden Umstände geben. Nach den eigenen Eltern oder Geschwistern sind Menschen, die vorgeben, Jesus nachzufolgenden, die miesesten Typen in der Kategorie der Missbrauchsfälle. Jeder sexuelle Missbrauch ist ekelhaft und widerwärtig, Kinderpornografie und was es da noch alles gibt. Aber Eltern, die nicht einmal mehr einem Priester ihr Kind anvertrauen können im Bewusstsein, dort seien sie absolut sicher, das ist an Niedertracht kaum noch zu überbieten.

Vielleicht für Sie, um das Thema Missbrauch einorden zu können, hier einige offizielle Zahlen der Bundesregierung:

70 bis 90 Prozent aller Missbrauchsfälle geschehen im sozialen Umfeld, Täter und Opfer kennen sich. Immer mehr Missbrauchsfälle gibt es auch zwischen Jugendlichen und Kindern.

Jedes vierte bis fünfte Mädchen und jeder neunte bis zwölfte Junge ist vor seinem 18. Lebensjahr schon mindestens einmal sexuellen Übergriffen ausgesetzt gewesen.

In der Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes (BKA) für 2014 wurden alleine 14.395 Fälle sexueller Gewalt an Kindern unter 14 Jahren registriert; das sind umgerechnet etwa 40 Taten pro Tag. (Quelle: BKA-Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2014 – IMK-Kurzbericht)

Einer Studie der Universität Bielefeld aus dem Jahr 2011 zufolge ist fast jede zweite körperlich behinderte Frau schon einmal Opfer sexueller Übergriffe geworden. Ebenso sind demnach Frauen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen zwei bis dreimal öfter Opfer von sexuellen Übergriffen als der weibliche Bevölkerungsdurchschnitt.

Warum ich bei dem Thema Missbrauch durch katholische Priester so energisch und kompromisslos bin, hat entscheidend damit zu tun, dass ich mich irgendwann vor über 30 Jahre aus freiem Willen entschieden haben, zur katholischen Kirche zu konvertieren. Ich war und bin überzeugt, dass das für mich der richtige Weg ist. Und ich kenne heute so viele wunderbare und über jeden Zweifel erhabene Priester und Ordensleute. Würde sich herausstellen, dass einer von diesen auch Täter gewesen ist, ich würde vollkommen verzweifeln, nicht an Gott und Jesus, aber an seiner Kirche, sofern man das in Deutschland heute in der Gesamtheit überhaupt noch so bezeichnen kann.

Als ich Ende Januar 2016 einen schweren Herzinfarkt erlitt und jede Sekunde zählte, erfuhr ich später, dass einer meiner besten Freunde den uns gut bekannten Pater Klaus aus Düsseldorf anrief und ihn informierte, was passiert ist. Klaus ließ alles stehen und liegen, setzte sich ins Auto und raste zum Krankenhaus, um in den vielleicht letzten Momenten meines Lebens bei mir zu sein und im Nebenraum für die Ärzte und mich zu beten. Niemals werde ich ihm das vergessen, und seitdem nenne ich ihn, wenn wir uns mal sehen, immer „meinen Pater“. Auch diese Erfahrung ist für mich ein Grund, warum ich auch heute ein Verfechter des Lebenskonzeptes Zölibat bin, auch wenn das für mich persönlich kein Lebensweg wäre. Also, es gibt so viele gottesfürchtige, engagierte und wunderbare Menschen in der Kirche Jesu, und es gibt die anderen, die sich vom Bösen auf die dunkle Seite haben ziehen lassen. Wer Kindern etwas antut, hat kein Verständnis und keine Barmherzigkeit verdient, denke ich. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Jesus Christus würde mir hier energisch widersprechen, das weiß ich.

Sollten sich die Vorwürfe gegen den Angeklagten in Köln belegen lassen, dann muss der Mann, auch wenn er 70 Jahre alt ist, den Rest seines Lebens in einer Zelle verbringen – fernab von allen Kindern hier draußen. Und – meine persönliche Meinung – sein Anwalt, der sich gestern nicht entblödete, vor dem Kölner Landgericht allen Ernstes wörtlich vorzutragen: «Mein Mandant soll außerdienstlich im privaten Bereich gehandelt haben», der sollte über seinen Beruf und das Konzept christliche Kirche nachdenken. Ein Priester, eine Ordensmann und eine Nonne sind nie im privaten Bereich. Sie sind rund um die Uhr im Namen des Herrn unterwegs.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.