Wieder Razzia bei der Deutschen Bank – und wieder weisen die Spuren nach Russland

Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt/M.

von KLAUS KELLE

FRANKFURT/M. – Der Paukenschlag kurz vor der Bilanzpressekonferenz bei der Deutschen Bank ertönte heute Morgen: Beamte von Staatsanwaltschaft, BKA und Steuerfahndung durchsuchen Fahnder die Zentrale des größten deutschen Geldhauses. Im Fokus: die Geschäftsbeziehungen zum russischen Oligarchen Roman Abramowitsch. Für die Deutsche Bank nichts Neues, denn die Liste der Russland-Affären ist lang und wirft Fragen zu den Kontrollmechanismen des DAX-Konzerns auf.

Eigentlich wollte Christian Sewing, DB-Vorstandschef morgen stolz die Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 präsentieren. Doch statt über Milliardengewinne spricht Deutschland heute über Blaulicht in der Frankfurter Taunusanlage. Vorwurf dieses Mal: Verdacht auf Geldwäsche.

Konkret geht es um verspätete oder unterlassene Verdachtsmeldungen im Zusammenhang mit dem Umfeld von Abramowitsch.

Der Zeitpunkt der Durchsuchung heute könnte kaum ungelegener sein. Fahnder waren bei der Auswertung alter Datensätze – unter anderem aus den berüchtigten „Panama Papers“ – auf erhebliche Unregelmäßigkeiten gestoßen. Abramowitsch, der seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine auf der EU-Sanktionsliste steht, soll über komplexe Firmengeflechte Gelder bewegt haben. Die Deutsche Bank steht nun im Verdacht, diese illegalen Transaktionen nicht rechtzeitig gemeldet zu haben.

Leider zeigt sich erneut ein Muster, das sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des deutschen Banknprimus zieht. Trotz Milliardeninvestitionen in die Compliance-Abteilungen weist das „System Deutsche Bank“ anscheinend immer noch Lücken auf, die von zwielichtigen Akteuren genutzt werden.

Der Russische-Waschsalon

Damals wurde die Bank mit einer der peinlichsten Episoden ihrer Geschichte konfrontiert: Den sogenannten „Russische Waschsalon“ („Russian Laundromat“), ein gigantisches Geldwäsche-System, über das zwischen 2010 und 2014 schätzungsweise 20 bis 21 Milliarden US-Dollar aus fragwürdigen russischen Quellen in den Westen geschleust wurden.

Die Deutsche Bank fungierte im „Russian Laundromat“ als sogenannte Korrespondenzbank. Sie wickelte für kleinere Banken aus Osteuropa (wie die estnische Filiale der Danske Bank) Zahlungen in US-Dollar und Euro ab. Da aber diese kleineren Banken keinen direkten Zugang zum globalen Zahlungsverkehr in Dollar hatten, nutzten sie die Konten der Deutschen Bank sozusagen als „Brücke“. Wegen mangelhafter Kontrollsysteme und der offenkundigen Unfähigkeit, Geldwäsche in einem solch gigantischem Ausmaß zu stoppen, musste die Bank Rekordsummen an Strafen , allein die US-Aufsichtsbehörde DFS und die britische FCA verhängten Strafen von insgesamt rund 630 Millionen US-Dollar. Die BaFin verhängte ein Bußgeld von 13,5 Millionen Euro, weil die Bank Verdachtsmeldungen im Zusammenhang mit der Danske Bank und dem Geldwäsche-Skandal deutlich zu spät abgegeben hatte. Und die US-Notenbank Fed verhängte eine weitere Strafe von 186 Millionen Dollar, da die Bank versprochene Verbesserungen bei der Geldwäscheprävention (die nach den Vorfällen von 2015/2017 gefordert wurden) nicht schnell genug umsetzte.
Das System in Russland funktionierte über ein komplexes Netzwerk aus Scheinfirmen und juristischen Tricks

Das System funktionierte über vorgetäuschten Schulden zwischen Firmen, die oft in Großbritannien registriert waren, aber tatsächlich Russen gehörten. Eine Scheinfirma behauptete dann zum Beispiel, einer anderen Scheinfirma Geld zu schulden. Und ein russischer Staatsbürger bürgte für diese Schuld, die eigentlich überhaupt nicht existierte. Da die Bürgen oft in Moldau saßen, bestätigten moldawische Gerichte die Rechtmäßigkeit dieser Schulden.
Mit den Gerichtsurteilen von dort konnten die Gelder von russischen Konten völlig legal an Banken in Moldau oder Lettland und von dort weiter in das weltweite Finanzsystem überwiesen werden. Und dort wurde es auf russische Art ausgegeben: für Luxusgüter, Immobilien, Diamanten oder für Schulgebühren der eigenen Kinder an exklusiven britischen Internaten.

Das Erbe der Panama Papers

Dass die Ermittler heute – Jahre nach den ersten Enthüllungen – immer noch dranbleiben, liegt an der schieren Menge der Daten. Die „Panama Papers“ lieferten Millionen von Dokumenten über Offshore-Firmen. Die Justiz arbeitet diese nun schrittweise ab. Jedes Mal, wenn ein neuer Name eines Oligarchen wie Abramowitsch auftaucht, wird geprüft: Wer hat die Konten geführt? Wer hat die Meldungen unterlassen?
Für die Deutsche Bank bedeutet das eine dauerhafte Belastung. Die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) hat dem Institut bereits mehrfach Sonderbeauftragte ins Haus geschickt – eine Maßnahme, die in der Branche als „Höchststrafe“ und Zeichen tiefen Misstrauens gilt.

Christian Sewing versprach, seine wirtschaftlich wieder erfolgreiche Bank „sauberer“ zu machen. Tausende Stellen in der Geldwäschebekämpfung wurde neu geschaffen. Doch die Vergangenheit klebt an der Bank wie Pech. Jeder neue Fall, jede neue Razzia zerstört das Vertrauen der Anleger und Kunden.

Aber die aktuelle Razzia bei der Deutschen Bank lenkt den Blick erneut auch auf die Russische Föderation.

In den Staaten der Europäischen Union (EU) haben mehr als 30.000 Firmen eine russische Beteiligung. Das wäre im ernsten Konfliktfall ein erhebliches Gefährdungspotential für die innere Sicherheit der EU-Staaten.
Laut Corruption Perceptions Index von „Transparency International“ rangiert Russland konstant auf den hinteren Plätzen. Korruption ist dort nicht Fehler im System, sondern der Schmierstoff, der die Machtvertikale zusammenhält. Geldwäsche dient in Russland nicht nur der persönlichen Bereicherung, sondern ist strategisches Werkzeug. Schwarzgeld im Ausland wird genutzt, um im Westen Einfluss zu kaufen, Lobbyarbeit zu betreiben oder Desinformationskampagnen zu finanzieren. Zum Beispiel, wenn ausgerechnet russische Internettrolle im Auftrag der Geheimdienste die Geschichte von der korrupten Ukraine immer wieder aufwärmen.

Bildquelle:

  • Deutsche_Bank_Zentrale_6: adobe.stock

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.