Wir hoffen jetzt, dass wir irgendwie und realtiv gut geschützt sein könnten oder so

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Liebe Leserinnen und Leser,

ganz ehrlich: Ich kann es nicht mehr hören. All die Vorhersagen, Versprechen, Prognosen.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach erwartet jetzt „spürbare Effekte für den Kampf gegen die Corona-Pandemie durch die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht“. Wenn wir uns auf so eine Vorhersage verlassen könnten, dann hätte der Bürger ja die Möglichkeit, sich damit zu beschäftigen und eine persönliche Entscheidung zu treffen. Aber diese ganze Pandemie ist vor allen durch unsere Erfahrung geprägt: Man kann sich auf nahezu keine Prognose der Herrschaften in Politik und der Beratenden in der Virologie verlassen.

Lauterbach hofft, sagt er, dass unsere Gesellschaft – wörtlich – „durch die Impfpflicht relativ gut geschützt“ sein werde. Nochmal Klartest: Er „hofft“, dass wir „relativ“ geschützt sein werden. Ja, das hoffe ich auch, aber ich bin kein Gesundheitsminister. Aber das ist Begründung für eine allgemeine Impfpflicht, die nahezu die gesamte politische Klasse in Deutschland strikt ausgeschlossen hat vor wenigen Monaten? Karl Lauterbach ist übrigens ersten Umfragen zufolge inzwischen Deutschlands beliebtester Politiker.

Natürlich, Politiker sind keine Hellseher oder Wahrsager, sie können Fehler machen und formulieren immer zurückhaltend, defensiv, damit man es ihnen später im Wahlkampf nicht um die Ohren haut. Das ist normales Alltagsgeschäft. Aber nach zwei Jahren Corona-Wahnsinn erwarte ich von unseren Anführern in der Regierung und den RKI-Strategen deutlich mehr als irgendwas zu hoffen, dass es dieses Mal irgendwie etwas bringt und wir relativ gut geschützt werden könnten irgendwie…

Und wenn es Sommer wird und die Sonne scheint, dann ist es auch irgendwie nicht ganz so gefährlich bis die achte Welle und die nächste Variante aus einem Dorf in der chinesischen Provinz Guangdong ihren weltweiten Siegeszug startet. Ach, halt, aus China nicht, die haben ja nichts mit Covid-19 zu tun, sagen sie.

Schönes Wochenende,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.